Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schauspieler Stefan Kurt: «Das sind ja lauter Alphatierli»

Seit «Papa Moll» weiss man: Der Schauspieler Stefan Kurt hat auch eine komische Seite. Wie schwer dieses Komische ist, lässt sich beobachten bei den Proben zur guten alten «Fledermaus».
Rolf App, Berlin
So fängt die «Fledermaus» an: Dr. Blind (Stefan Kurt, Mitte) hat gerade Gabriel von Eisensteins (Tobias Bonn, rechts) Prozess verloren. Seine Gemahlin Rosalinde (Christoph Marti) bedauert das nur zum Schein. (Bild: Fokke Hoekmann)

So fängt die «Fledermaus» an: Dr. Blind (Stefan Kurt, Mitte) hat gerade Gabriel von Eisensteins (Tobias Bonn, rechts) Prozess verloren. Seine Gemahlin Rosalinde (Christoph Marti) bedauert das nur zum Schein. (Bild: Fokke Hoekmann)

So richtig zielgenau fliegen mag sie noch nicht. Doch flattert diese «Fledermaus» schon ganz kräftig durch den Probesaal der Stagefactory in Berlin-Steglitz – trotz der 39 Grad, die unten auf der Strasse ein Thermometer zeigt. Gross beeindrucken von der – im grossen ehemaligen Industriegebäude freilich etwas gedämpften – Hitze lassen sich weder Stefan Huber, der Regisseur, noch seine Schauspielerinnen und Schauspieler, die Johann Strauss’ Königin der Operette unter ihrem ursprünglichen Titel «Die Rache der Fledermaus» Ende August am Casinotheater Winterthur aus der Taufe heben wollen. In einer, wie es in der Stückskizze heisst, «schräg bearbeiteten Fassung». Und weil sie alle in Berlin wohnen, treffen sie sich hier für die ersten schweisstreibenden Probewochen.

Stefan Huber will noch mehr Tempo

Sie, das sind zum einen die Geschwister Pfister: Tobias Bonn als Gabriel von Eisenstein, Christoph Marti als seine Gemahlin Rosalinde und Max Gertsch als Eisensteins Freund Falke. Das ist Stefan Kurt als Anwalt Dr. Blind und Gefängniswärter Frosch, dessen komödiantisches Talent sich in vielen ernsten Fernseh- und Kinofilmen sich noch nicht richtig hat zeigen können – ausser in «Papa Moll». Das sind Alen Hodzovic als Rosalindes Liebhaber Alfred, Rolf Sommer als Gefängnisdirektor, und die Bediensteten Adele (Gabriela Ryffel) und Ida (Katja Braueneis).

Sie alle versuchen gerade den ersten Akt der hintersinnig-ironischen Gesellschaftskomödie auf die Reihe zu bekommen, also Text, Musik, Pointen und Aktionen punktgenau aufeinander abzustimmen. Einfach ist das nicht, die «Fledermaus» ist spritzig und direkt.

«Ich möchte in den Dialogen noch mehr Tempo», sagt Stefan Huber nach der Probe, die er ruhig und geduldig absolviert hat. «Wir kennen uns zum Teil schon lange und haben schon einiges miteinander gemacht», sagt er. Mit Stefan Kurt hat er nicht nur am Konservatorium Bern studiert, sondern auch denselben Geburtstag gemeinsam. Nur das Geburtsjahr variiert, Huber ist Jahrgang 1960, Kurt 1959.

Am liebsten möchte er noch gar nicht anfangen

Man spürt die Vertrautheit. Stefan Huber weiss, wie er den Einzelnen zu nehmen hat. «Das sind ja lauter Alphatierli», sagt er mit deutlich liebevollem Unterton. Die aber sehr verschieden ticken. «Christoph Marti kommt mit genauen Vorstellungen, Stefan Kurt probiert alles Mögliche aus, er ist ein Suchender.» Das ist er auch jetzt als schusselig-stotternder Anwalt Dr. Blind. Und sagt hernach: «Am liebsten möchte ich noch gar nicht anfangen, es ist alles noch gar nicht fertig.» Vor allem der Frosch nicht, dessen Auftritt im dritten Akt seinem Darsteller viel Raum lässt.

Was man auch merkt beim Zuschauen: Wie schwer doch das Komische ist. «Man muss loslassen», beschreibt Stefan Kurt eine Grundvoraussetzung.

«Komik entsteht aus einer gewissen Lässigkeit heraus und durch gutes Timing.»

Stefan Huber greift einen andern wichtigen Aspekt heraus, wenn er sagt: «Das Komische braucht einen ernsten Boden. Eine Figur wird deshalb komisch, weil sie in Nöten ist.»

«Man darf diesen ironischen Blick nicht unterschätzen»

Über solche Figuren können wir lachen – und spüren dabei insgeheim, dass wir durchaus mit gemeint sind. Denn das Thema der «Rache der Fledermaus» ist ja die Vergnügungssucht auch unserer Tage. «Es gibt zwar durchaus Stücke, die der Welt mehr zu erzählen haben», kommt Stefan Huber auf die wieder populärer gewordene Kunstform der Operette zu sprechen. «Aber man darf den ironischen Blick nicht unterschätzen, den sie auf die Gesellschaft und den Einzelnen wirft.»

Er jedenfalls ist überzeugt: «Es bleibt mehr hängen, wenn man vorher das Zwerchfell gelockert hat.» Doch «Unterhaltung ist etwas Schweres». Von den Kostümen haben wir noch nichts gesehen, von der Musik wenig gehört. Noch fliegt diese «Fledermaus» im Dunkeln.

Die Rache der Fledermaus, Premiere am 30. August am Casinotheater Winterthur.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.