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Das sind die Nominierten für den Schweizer Buchpreis

Im Herbst kürt der Schweizer Buchhandel seinen literarischen Favoriten. Aus 85 Titeln hat eine Jury fünf Autoren nominiert. Peter Stamm ist darunter und zwei Neuentdeckungen.
Hansruedi Kugler
Einer der Favoriten auf den Schweizer Buchpreis: Peter Stamm. (Bild: Andrea Stalder)

Einer der Favoriten auf den Schweizer Buchpreis: Peter Stamm. (Bild: Andrea Stalder)

Nimmt man die Summe des Lobs in den Schweizer Zeitungen als Mass, so müsste Peter Stamm für seinen Roman am 11. November den Schweizer Buchpreis erhalten. Alle grossen Zeitungen feierten «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» ganzseitig. Der Autor steigere sich von Buch zu Buch, sodass der «Tages-Anzeiger» etwa schrieb, man habe hier ein bedeutendes Gesamtwerk vor sich.

Man kann es merkwürdig finden, dass Buchpreis-Juror Manfred Papst in einer Doppelrolle den Roman bereits zwei Wochen vor Erscheinen mit einer Hymne in der «NZZ am Sonntag» lancierte und nun Stamm prompt zu den fünf Nominierten gehört. Bei Stamm kann man sich jedoch nie sicher fühlen, zu gespalten sind die Kritiker bei diesem Autor. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» etwa schrieb enttäuscht, die Lektüre hinterlasse eine «sanfte Gleichgültigkeit» und die Berliner TAZ kritisierte: «Zu viel Stoff und ein konstruiert wirkender Plot.» Trotzdem: Stamm gehört zu den Favoriten.

Mitfavoritin Gianna Molinari

Gianna Molinari (Bild: pd)

Gianna Molinari (Bild: pd)

Ebenfalls zu den Favoriten unter den Nominierten gehört Gianna Molinari mit ihrem Début­roman «Hier ist noch alles möglich.» Alle vier Kritiker im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens waren enthusiastisch. Der sonst streng urteilende Kritikergast, Architekt Peter Zumthor, war sogar verzückt. Er habe sich nach wenigen Seiten in die Hauptfigur verliebt. Neben Adolf Muschg und Christina ­Viragh war die 1988 geborene ­Gianna Molinari die dritte Schweizer Autorin, die es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat.

Heinz Helles Brüderroman

Heinz Helle (Bild: Gaetan Bally/Key)

Heinz Helle (Bild: Gaetan Bally/Key)

Begeisterung aus den Zeitungsspalten erntet auch Heinz Helle mit seinem dritten Roman «Die Überwindung der Schwerkraft». Weil das Buch gerade druckfrisch ausgeliefert worden ist, beschränkt sich die Presseschau noch auf die NZZ: Helle habe «einen der schönsten Brüderromane der jüngeren deutschen Literatur geschrieben», schreibt Paul Jandl. «Es ist ein Requiem auf einen verstorbenen Bruder und zugleich eine Suche nach dem Glück des Einzelnen.» Dass Helles Bücher im Suhrkamp-Verlag erscheinen, ist ohnehin ein Qualitätsgarant.

Überraschungsautor aus Graubünden

Vincenzo Todisco,(Bild: Alessandro Della Bella/Key)

Vincenzo Todisco,(Bild: Alessandro Della Bella/Key)

Dass die Buchpreis-Jury ihre Auswahl nicht nach den Zeitungskritiken richtet, zeigt eine Entdeckung: Aus den von den Verlagen eingereichten 85 Titeln hat sie auch zwei Überraschungstitel ­nominiert. Mit Ausnahme des «Bündner Tagblatts» hatten alle Zeitungen den Roman «Das Eidechsenkind» des 1964 geborenen Vincenzo Todisco übersehen. Todisco wohnt in Rhäzüns und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Graubünden. «Das Eidechsenkind» ist sein erstes auf Deutsch geschriebenes Buch. Die Nomination für den Buchpreis hebt ihn nun auf die nationale Bühne – auch wenn man seinem bewegenden Roman über einen illegal eingewanderten Jungen, der sich in der Wohnung seiner Eltern verstecken muss, wohl nur Aussenseiterchancen einräumen darf.

Beklemmende Dystopie von Julia von Lucadou

Julia von Lucadou (Bild: pd)

Julia von Lucadou (Bild: pd)

Die Buchpreis-Jury hat neben Gianna Molinaris Erstling ein weiteres Début nominiert: «Die Hochhausspringerin» der promovierten Filmwissenschafterin Julia von Lucadou, die am Literaturinstitut Biel studiert hat. Die 1982 in Heidelberg geborene Autorin ist gleich mit ihrem Début­roman ins Programm des Hanser-Verlags, einem der wichtigsten deutschsprachigen Literaturverlage, aufgenommen worden. In ihrem Roman finde man sich in einer beklemmenden Dystopie wieder, die Orwells «1984» eindrücklich fortschreibe, schreibt die Jury in ihrer Begründung. Brillant und inhaltlich dringlich, jedoch dramaturgisch vorhersehbar, so das Urteil in den grossen deutschen Zeitungen. In der Schweiz wurde das Buch noch wenig besprochen.

Dass die Buchpreis-Jury unabhängig nominiert, beweist sie mit ihrer Auswahl: Würde sie für den Buchhandel auf Bestsellerlisten äugen, hätte sie garantiert die neuen und übrigens guten ­Romane von Alex Capus, Adolf Muschg und Thomas Hürlimann nominieren müssen.

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