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Tschaikowsky-Gala mit Gergiev im KKL: Das Schicksal als rauschende Ballnacht

Das Mariinsky Orchestra unter Valery Gergiev: Der Abend mit Tschaikowsky im vollen KKL bietet eine Rarität und eine begeisternde, in das Leben schneidende 5. Sinfonie.
Roman Kühne
Unter dem Stardirigenten Valery Gergiev spielte das Mariinsky Orchestra grossartig auf. (Bild: Hiroyuki Ito/Getty)

Unter dem Stardirigenten Valery Gergiev spielte das Mariinsky Orchestra grossartig auf. (Bild: Hiroyuki Ito/Getty)

Warum und wozu? Wo ist der Sinn, welches der Gehalt unseres Seins und Wirkens? Nicht mehr und nicht weniger bietet der Mittwochabend unter der Ägide von Migros Kulturprozent seinen Zuschauern. Gleich zwei Werke Tschaikowskys von existenzieller Bedeutung füllen des Forschenden Lebensdurst.

Einerseits sind es Ausschnitte aus der Oper «Jolanthe», wo die blinde Königstochter mit ihrer Sehkraft auch Gott entdeckt. Und es ist die 5. Sinfonie, in welcher der Komponist selber an seinen Zweifeln nagt, vom Glauben an Gott bis hin zur Homosexualität. Im praktisch bis auf den letzten Platz gefüllten KKL ist es das Mariinsky Orchestra unter der Leitung von Valery Gergiev, welches diese zweifelnden Gefässe mit Leben füllt.

Ein Sänger in letzter Minute

Vor der Pause ertönen also Ausschnitte aus dem Einakter «Jolanthe». Oft wird diese Oper nicht gespielt, CD-Aufnahmen sind nur spärlich vorhanden. Neben dem «Eugen Onegin» oder «Pique Dame» hat natürlich dieses letzte Bühnenwerk des Komponisten einen schweren Stand. Und zum Anfang gibt es noch eine Überraschung. Mit Mikhail Petrenko für den erkrankten Stanislav Trofimov konnte als Bass-Ersatz ein veritabler Star eingeflogen werden. Respektive eben nicht.

Denn aufgrund des Wetters wurden zahlreiche Flüge von Italien in die Schweiz gestrichen. Petrenko musste den Zug nehmen und erreicht Luzern gerade mal eine knappe Stunde vor der Aufführung. Dies tat seiner Qualität jedoch keinen Abbruch, und er singt den König René ausserordentlich weich und transparent. Auch die Qualitäten der anderen Sänger bewegen sich auf hohem Niveau. Dennoch bleibt der «Zusammenschnitt» aus der Oper lange Zeit kühl, sind die Emotionen wenig fassbar. Dies mag mit dem Rahmen der szenischen Aufführung, dem fehlenden Handlungsfluss oder dem lange Zeit düsteren Gestus der Oper erklärbar sein. Erst am Schluss, als die Königstochter und ihr Geliebter Vaudémont Licht, Sinn und Liebe finden – stimmlich ergreifend und packend singen die Sopranistin Irina Churilova und der Tenor Najmiddin Mavlyanov –, verführt die Musik mit ihren emotionellen Wogen.

Schöner die Sehnsucht nie war

Das Mariinsky Orchestra zeichnet schon den ersten Teil sorgfältig, emotionell und mit viel Gespür für die vielen Zwischentöne der Komposition. Nach der Pause jedoch spielen die Musiker, und vor allem ihr Dirigent Valery Gergiev, zum Triumph auf. Seine Interpretation der fünften Sinfonie ist schlichtweg grossartig.

Verfiel er in anderen Konzerten im KKL gerne auch mal ins Plakative, liess er zum Beispiel im letzten Jahr in Tschaikowskys «Erster» dem Blech zu sehr seinen Lauf, so entwickelt er hier ­einen eindringlichen, vom Anfang bis zum Schluss überzeugenden Gedankensturm. Detailliert und lebendig im Kleinen und gross und stimmig im Ganzen.

Es ist nicht der tastende Suchende, der im ersten Satze irrt. Wuchtig, emotionell, ja fast schon jubilierend trotz der kleine Mensch dem Lebenswind. Es ist ein schlemmender und lustvoller Auftakt. Das Schicksal als rauschende Ballnacht und der Dirigent als ihr König mittendrin. Der zweite Satz drängt vorwärts, ohne je hektisch zu wirken. Das weite Solo-Horn, die sich verzehrenden Celli, das hineinbrechende Blech und eine Klarinette, die am Schluss im entferntesten Pianissimo aus dem Leben geht – schöner wurde die Sehnsucht selten gezeichnet.

Selbst im Tosen des Finales bleibt der Klang rund und elastisch. Wer es verpasst hat, hat bald wieder Gelegenheit. Valery Gergiev und sein Mariinsky Orchestra sind im August am Lucerne Festival zu Gast, dannzumal mit Tschaikowskys 6. Sinfonie. Als Zugabe erklingt der «Blumenwalzer» aus dem Ballett «Der Nussknacker», ebenfalls von Tschaikowsky, und beschliesst diese Nacht der wunderbaren und grossen Emotionen.

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