Das Romanshorner Kino Roxy ist
fünf Jahre jünger als gedacht

Eigentlich wollte man den 100. Geburtstag des Romanshorner Kinos Roxy feiern, das Kino ist aber erst 95 Jahre alt. Eine Ausstellung nicht nur über das Romanshorner Kino, sondern über das Kino im Thurgau wird am 9. Februar eröffnet.

Martin Preisser
Drucken
Teilen
Vreni Schawalder und ihr Team haben viele Stunden ehrenamtlich in die historische Schau über Kino in der Region investiert.

Vreni Schawalder und ihr Team haben viele Stunden ehrenamtlich in die historische Schau über Kino in der Region investiert.

Bild: Reto Martin

Das Museum am Hafen war schon lange für ein Jahr reserviert. Die Aktivitäten zum Jubiläum 100 Jahre Kino Roxy in Romanshorn waren weit fortgeschritten. Und dann die Überraschung: Das Kino gibt es erst seit 1925. Bei ihren Recherchen auf dem Grundbuchamt ist Vreni Schawalder, Projektverantwortliche für die Jubiläumsschau, eindeutig auf dieses Kino-Geburtsjahr gekommen.

«Wir hatten schon so viel Energie in die Ausstellung gesteckt, dass wir nicht abbrechen wollten», sagt die ehemalige SP-Regierungsrätin, die von 2013 bis 2019 Präsidentin des Romanshorner Vereins Feines Kino war. Der hat dem Kino Roxy in den letzten Jahren zu einer schwungvollen Erfolgsgeschichte verholfen.

Dem Neustart des Kinos 2013 gehen dramatische Tage voraus. Als der Verein Feines Kino im Dezember 2012 das Kino von Rita Coradazzi und Nedaim Bilali übernimmt, kommt es zu einer bösen Überraschung: Das Kino ist leer, 220 Sessel und die Leinwand sind verschwunden. Richtung Berner Oberland, wie man heute weiss. Der Verein musste damals in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Deutschland Kinosessel kommen lassen.

Vom Sorgenkind zum kulturellen Leuchtturm

Den Neustart hatte man damals auch gewagt, weil die Digitalisierung der Projektionstechnik in allen Kinos ein zwingender Schritt in die Zukunft bedeutete. Romanshorn nutzte diese Entwicklung. Die Gemeinde traute dem Verein Feines Kino diesen Schritt zu. 200000 Franken wurden Ende 2012 in die Erneuerung der Kinotechnik investiert. Vreni Schawalder erinnert sich an den Neustart:

«Damals war das Roxy ein Sorgenkind, aber Sorgenkinder wachsen einem besonders an Herz.»

Vom Sorgenkind hat sich das Kino Roxy in den letzten sieben Jahren zum kulturellen Leuchtturm in der Region entwickelt. 1200 Mitglieder zählt der Verein, 12000 Kinokarten werden jährlich verkauft. 330 Vorstellungen gibt es im früheren Kino «Modern» an der Salmsacherstrasse .«Wer einmal im Roxy war, der kommt wieder», freut sich Vreni Schawalder über die gute Auslastung. Und über die fünfzig Freiwilligen, die mit viel Engagement den Kinobetrieb sichern.

1925: Das Kino Orpheum wird aufgerichtet. Damit beginnt eine lange Romanshorner Kinogeschichte an der Salmsacherstrasse.

1925: Das Kino Orpheum wird aufgerichtet. Damit beginnt eine lange Romanshorner Kinogeschichte an der Salmsacherstrasse.

1940 kaufen Albert und Rudolf Jäggin das damalige Kino Orpheum. Heute ist dieses Haus hinter dem 1961 entstandenen Neubau zu finden und beherbergt den Jugendtreff. Ab 1961 gibt es also für lange Zeit zwei Kinosäle. Das Kino heisst «Süd und Nord». Das Süd wird auch Treffpunkt italienischer Gastarbeiter, die sich dort Italo-Western anschauen. Und Sexfilme zu später Stunde sollen den Zuschauerschwund bremsen: Das Fernsehen konkurrenziert die Kinos. Der damalige Kinobesitzer musste sich für die nicht jugendfreien Filme eine Einwilligung des katholischen Pfarrers einholen. 1975 geht das «Süd und Nord» Konkurs. Danach heisst das Kino «Modern» und wird 1979 für 370000 Franken an die Primarschulgemeinde und die politische Gemeinde Romanshorn verkauft.

Eine vergnügliche Zeitreise

Das Roxy strahlt heute aus und lockt als beliebter Begegnungsort auch Kinofans von ausserhalb nach Romanshorn. Vor fünf Jahren wurde der Verein Feines Kino mit dem Kulturpreis des Rotary Clubs Oberthurgau ausgezeichnet.

Allzu tragisch nehmen es die Ausstellungsmacher nicht, dass das Roxy unerwartet fünf Jahre jünger und nicht hundert ist. Unter dem Titel «Die Welt im Kino - eine vergnügliche Zeitreise» darf man in einer Erlebnisschau am Hafen nicht nur in die Romanshorner, sondern in die Thurgauer Kinogeschichte eintauchen. Das Dachgeschoss im Ausstellungsgebäude ist zu einem facettenreichen Raum mit viel Kino-Feeling geworden.

Vernissage: So, 9.2., 11 Uhr, Museum am Hafen, Romanshorn; Ausstellung bis 30.9.