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Das Publikum auf Pilgerschaft

Behutsam führt Beate Vollack in «Peregrinatio» ihre Tanzkompanie und die Zuschauer an den St.Galler Festspielen durch die Kathedrale: ein kunstvoll spirituelles Erlebnis.
Bettina Kugler
Weite erfahren: Dafür verteilt «Peregrinatio» die Zuschauer grosszügig im Raum der Kathedrale.(Bild: Keystone/Eddy Risch)

Weite erfahren: Dafür verteilt «Peregrinatio» die Zuschauer grosszügig im Raum der Kathedrale.(Bild: Keystone/Eddy Risch)

Der glockenhelle Lockruf kommt aus der Mitte der Kathedrale: von dort, wohin am Ende alle Wege führen werden. Auf einem kleinen Podest steht die Sopranistin Sheida Damghani, seelenruhig. Allen, die jetzt noch sitzen, macht sie mit der tänzerisch bewegten Arie «Ich folge Dir gleichfalls mit freudigen Schritten» aus Bachs Johannespassion Beine.

Mit reinem, unbegleitetem Gesang, der Melodie des Gehens, Unterwegsseins ohne lästiges Gepäck. Das Tempo ist, der Raumakustik angepasst sowie der Tatsache, dass sich das Publikum gleich ziehen und schieben lässt von sanften Tönen, bedächtiger – nicht so beschwingt, wie es die historische Aufführungspraxis zur Hörgewohnheit gemacht hat.

(KEYSTONE/Eddy Risch)
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34 Bilder

Tanz in der Kathedrale

Der Zufall legt die Route im Raum fest

So geht es von Le-Puy-en-Velay nach Konstanz, vom Mittelschiff der Kathedrale durch die Seitengitter pilgernd ins Chorgestühl, dann nach Bangor unter der Empore, von dort zum Altar. Zumindest für jenes Drittel Zuschauer, denen die Vorsehung an der Billettkasse diese Pilgerroute vorgezeichnet hat.

Drei verschiedene Ausgangspunkte und drei Routen gibt es für Beate Vollacks «Peregrinatio», die diesjährige Tanzproduktion der St.Galler Festspiele. Am Ende wird sie alle Pilger, Tänzer wie Zuschauer, euphorisiert und wachen Sinnes zusammenführen, in einem
himm­lischen Ankunftsbild dem Hier und Jetzt entrücken.

Als seien die Engel über den Altarbildern in der nächtlichen Kathedrale zum Leben erwacht und reckten und streckten sich nun anmutig. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Als seien die Engel über den Altarbildern in der nächtlichen Kathedrale zum Leben erwacht und reckten und streckten sich nun anmutig. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Es wird auf dem breiten Bühnenpodest vor dem Chorgitter wirken, als seien die Engel über den Altarbildern in der nächtlichen Kathedrale zum Leben erwacht und reckten und streckten sich nun anmutig. Dazu spielt Domorganist Willibald Guggenmos ein Prachtstück festlicher Kathedralmusik, mystisch, nicht in Plenumglanz: Louis Viernes «Carillon de Westminster», eine Fantasie auf das Geläut von Big Ben.

Entrückte Orgelklänge, sakrale Best-of-Arien

Während das Publikum auf Wanderschaft durch den geweihten Raum ist, von Station zu Station unter gedecktem, kunstvoll ausgemaltem Himmel neue Standpunkte und Blickwinkel einnimmt, läuft die Musik und mit ihr die Choreografie des Stückes linear durch. Am Beginn steht ein morgenfrischer Lobgesang ohne Worte: Der «Sonnen-Hymnus» des schlesischen Komponisten Max Drischner aus dem Jahr 1924, zusammen mit Lionel Roggs farbigen Klangschichtungungen in «La Cité céleste» eine der beiden Orgelraritäten – während für die Überleitungen naheliegend programmiert wurde: als Zuckerl neben einer Händel-Arie (gesungen auf der Kanzel) Mozarts «Exsultate, jubilate», ein federndes Präludium für das Engelsfinale des Stücks, in beseeltem Zusammenwirken von Orgel und Stimme.

Die Sopranistin Sheida Damghani singt auf der Kanzel. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Die Sopranistin Sheida Damghani singt auf der Kanzel. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Die Leere im Raum gehört zum durchdachten Konzept des Stücks. Bewusst hat Beate Vollack die Zahl der Zuschauer so reduziert, dass diese sich nicht als Kollektiv wahrnehmen, sondern vereinzelt; dass sie ein Gefühl für Weite entwickeln.

Andreas Enzler taucht die Kathedrale in bläulich-silbernes Licht, passend zu den Kostümen (Dieter Eisenmann). Erst sind es schlichte graue Hemden und Hosen, dann stuckweisse Gewänder, für Frauen wie für Männer. Das Pilgern macht sie einander ähnlich.

Die Euphorie des Ankommens: Im Vordergrund Genevieve O'Keefe, Swane Küpper, Robina Steyer (von links). (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Die Euphorie des Ankommens: Im Vordergrund Genevieve O'Keefe, Swane Küpper, Robina Steyer (von links). (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Dem Ziel entgegen, der Melodie des Weges folgend

Dafür sind sie zum Greifen nahe: als Einzelne. Je nach frei gewähltem Sitzplatz und Ausgangsort erlebt jeder seine eigene «Peregrinatio», mit Tänzern, die eben gerade dort des Weges kommen, in stiller Prozession geerdet schreiten oder in Andacht drehen. Das Sportliche nimmt die Choreografie ganz zurück, sogar in Philip Glass’ in Ewigkeit pulsierendem «Mad Rush», das den Flow des Gehens aufnimmt. Weit greifen die Arme aus, als wollten sie dem Ziel entgegenwachsen, den Kontakt nach oben nicht verlieren.

Wie viel Kraft, Ausdauer, Können und innere Anspannung das ­«Beten mit den Füssen» kostet, ist hörbar: in den Atemstössen der Tanzenden, wenn die Musik abbricht – und alle Pilger der Melodie des Weitergehens folgen.

Infos unter www.stgaller-festspiele.ch

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