«Das Projekt ist gut, der Zeitpunkt ist nicht der richtige»: Das Interesse an einem Podium zur Zukunft des Kunstmuseums St.Gallen ist gross

Stadtpräsident Thomas Scheitlin verteidigt am gut besuchten Anlass als einziger Teilnehmer die wegen der Coronapandemie beschlossenen Sparmassnahmen des Stadtrats. Diese sehen vor, mit der weiteren Planung der Sanierung des Kunstmuseums bis 2025 zuzuwarten.

Christina Genova
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Gut besuchtes Podium im Stadtpark bei schönstem Sommerwetter.

Gut besuchtes Podium im Stadtpark bei schönstem Sommerwetter.

Michel Canonica

Stadtpräsident Thomas Scheitlin war auf dem vom Palace organisierten Podium zur Zukunft des Kunstmuseums am Mittwochabend im Stadtpark der einzige Vertreter, der sich für das Coronasparpaket starkmachte. Doch davon liess er sich nicht beeindrucken, auch weil er von den anderen Teilnehmern nicht hart attackiert wurde.

Vor drei Wochen hatte der Stadtrat mitgeteilt, dass man 30 Millionen Franken einsparen wolle, um Steuerausfälle wegen der Coronapandemie auszugleichen. Davon betroffen ist auch das Kunstmuseum St.Gallen, dessen Sanierung erst ab 2025 weiter geplant wird.

Auf dem Palace-Podium (von links nach rechts): Thomas Stüssi, Roman Griesfelder und Moderator Peter Surber.

Auf dem Palace-Podium (von links nach rechts): Thomas Stüssi, Roman Griesfelder und Moderator Peter Surber.

Bild: Michel Canonica

Die übrigen Teilnehmer des Podiums, Stadtparlamentarierin Evelyne Angehrn von der SP, Roman Griesfelder, geschäftsführender Direktor des Kunstmuseums, und Thomas Stüssi, freischaffender Künstler und Leiter des Lehrgangs Bildende Kunst an der GBS St.Gallen, sind klare Gegner der Sparmassnahmen. Auch das zahlreich erschienene, auffallend junge Publikum lehnte das Sparpaket ab. Moderator und «Saiten»-Journalist Peter Surber ist als Vorstandsmitglied der IG Kultur Ost ebenfalls Partei: Diese hat eine Petition gegen das Sparpaket lanciert.

Stadtpräsident Scheitlin betonte, dass er sehr wohl ein Herz für die Kunst habe. Gerade deshalb wolle er das Risiko eines Scheiterns des Sanierungsprojektes im Parlament oder an der Urne nicht in Kauf nehmen: «Das Projekt ist gut, der Zeitpunkt ist nicht der richtige.» Das Geld dafür fehle, ausser man fände einen Donator.

Aufgeschobener Unterhalt verursacht Mehrkosten

Das Publikum verfolgt aufmerksam die Voten der Podiumsteilnehmer.

Das Publikum verfolgt aufmerksam die Voten der Podiumsteilnehmer.

Michel Canonica

Evelyne Angehrn kündigt an, dass die SP sich im Parlament gegen die Sparpläne wehren werde. Ihren Vorwurf, der Stadtrat sei mit seinem Sparvorhaben vorgeprescht und betreibe Panikmache, kontert Scheitlin mit dem Argument, das sei eben Führung.

Roman Griesfelder erklärte die Kostensteigerung für die Sanierung von ursprünglich 20 Millionen auf gegen 40 Millionen, die von Scheitlin kritisiert wird. Die höheren Kosten seien vor allem durch neue Sicherheitsauflagen und die ursprünglich nicht vorgesehene Klimaanlage entstanden. Ausserdem verursache der aufgeschobene Unterhalt zusätzliche Ausgaben von mindesten fünf Millionen. Es sei kein repräsentatives, sondern ein funktionales Projekt für das «wichtigste Kunstmuseum der Ostschweiz». In Zukunft wolle man noch mehr Nähe zur St.Galler Bevölkerung suchen.

Thomas Stüssi, der mehrere Jahre in Berlin lebte, brachte die Aussensicht ein und betonte die Strahlkraft des Museums:

«In Berlin gibt es viele Leute, die das Kunstmuseum St.Gallen kennen, aber nicht wissen, wo St.Gallen liegt.»
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