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Das Prinzip Wiederholung

In Rheinau wurde letztes Wochenende Ulrich Gassers Oratorium «Exvoto» uraufgeführt. Das Werk ist als Musik der Einkehr fast karg und sphärisch-meditativ gedacht, wirkt aber textlich etwas zu reich befrachtet.
Klosterkirche Rheinau (Bild: pd)

Klosterkirche Rheinau (Bild: pd)

RHEINAU. Mit dem Oratorium «Exvoto» feierte Ulrich Gasser, Komponist mit Thurgauer Wurzeln, musikalisch die Wiedereröffnung der Klosterkirche Rheinau. Er tut dies nicht mit einem traditionellen geistlichen Werk, sondern mit einem Musikstück, das in der Form des Rosenkranzes gestaltet ist. Das schafft meditative, verinnerlichte Chormusik, die ein intensives Eintauchen des Hörers in meist sphärenhafte Klänge verlangt.

Musikalisches Gebet

Das bringt aber auch Musik hervor, deren statischer Charakter manchmal etwas ermüdet. Mehr als einem straff durchstrukturierten geistlichen Werk lauscht man einer Art musikalischem Gebet. Vom Text her (die Collage besorgte Eva Tobler) ist das Werk theologisch reich befrachtet, vielleicht zu reich.

Von Votivtafeln für den Heiligen des Klosters Rheinau, Fintan, über Rosenkranz, Magnificat, Ave Maria, Vaterunser: Das bewirkt dichte theologische Ballung, die bisweilen die eher karg gehaltene musikalische Textur zu beschweren scheint. Ulrich Gasser setzt in «Exvoto» bewusst auf den wiederholenden Charakter musikalischer Grundformeln und beweist hier subtile Fähigkeit zu fein verästelnden Variationen und Färbungen. Immer wieder werden Chor- und Sologesänge fast überbehutsam mit raffinierten Instrumentalklängen bespielt, so, als sollte nichts die andächtige Stimmung des Gesamtbilds beeinträchtigen.

Auf den Raum zugeschnitten

«Exvoto» erobert sich klanglich die Kirche, aber nur die von Rheinau. Das Werk ist allein auf diesen Raum zugeschnitten, eine mutige Entscheidung eines zeitgenössischen Komponisten. Mit der Eroberung des Raums gelingen die besten Elemente dieser Uraufführung. Drei Chöre sind auf die gesamte Kirche verteilt, Stimmen kommen von oben, Streicher- und Bläserklänge von hinten. Gasser beweist gutes kompositorisches Raumgefühl und klares Denken bei der Regie von Ferne und Nähe des Klangs. Oft lässt er die Klänge fast wie stehend aus einer Keimzelle sich entwickeln, um sie – dann meist nur unmerklich sich bewegend – ihrem Eigenleben zu überlassen.

Einen Moment der Einkehr soll diese Musik nach Gassers Aussagen gewähren. Der Einkehr-Charakter dominiert das Oratorium. Grössere klangliche Ausbrüche wagt der Komponist eher selten. Dann gelingen aber kurzzeitig reizvolle Klangballungen, die auch mit dem Reiz verschiedener Temperierungen und mit Vierteltönen arbeiten.

Hervorragende Soli

Bewunderung für den logistischen Gesamtüberblick darf man für Hauptdirigent Peter Siegwart haben. Das Schwebende der Partitur immer wieder aufwertend, präsentierten sich hervorragende Solostimmen des Vokalensembles Zürich. Konzentriert agierten die beiden weiteren Chöre (Bach-Chor Konstanz und Cäcilienchor Rheinau). Eine ausgewogene Klangpalette steuerten acht Instrumentalisten und – geistvoll ins Gesamtgeschehen eingebettet – der Posaunenchor Marthalen bei, der bläserisch die volksfrömmige Seite dieser anspruchsvollen musikalischen Litanei umsetzte.

Radio SRF hat «Exvoto» mitgeschnitten. Zu hören am Mittwoch, 8. Juli, 22.05 Uhr, auf SRF II Kultur.

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