Das Phänomen «Die Schweizermacher»

Das Buch «Die Schweizermacher – Und was die Schweiz ausmacht» erscheint zwar aus Anlass des 80. Geburtstags von Rolf Lyssy. Die über 300seitige Publikation feiert aber nicht einfach nur den erfolgreichen Filmemacher aus Zürich und seine berühmteste und populärste Komödie in zahlreichen Facetten.

Andreas Stock
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Auf Hausbesuch: Emil Steinberger und Walo Lüönd in «Die Schweizermacher». (Bild: T&C Film, 1978)

Auf Hausbesuch: Emil Steinberger und Walo Lüönd in «Die Schweizermacher». (Bild: T&C Film, 1978)

Das Buch «Die Schweizermacher – Und was die Schweiz ausmacht» erscheint zwar aus Anlass des 80. Geburtstags von Rolf Lyssy. Die über 300seitige Publikation feiert aber nicht einfach nur den erfolgreichen Filmemacher aus Zürich und seine berühmteste und populärste Komödie in zahlreichen Facetten.

Film als Spiegel der Gegenwart

Die Herausgeber Georg Kohler und Felix Ghezzi verstehen die «Die Schweizermacher» auch als «Ausdruck seiner Zeit und ihrer kollektiven Schwingungen» und unternehmen darum einen breiteren Blick: «Wir begreifen Lyssys Film immer noch als eine Anleitung zur Gegenwartsanalyse in praktischer Absicht», schreiben sie im Vorwort. Im Kapitel «Landeskunde» schreibt Georg Kohler darüber, «was die Schweiz ausmacht», und Psychiater Mario Gmür «über die Schweizermacherei».

Zu komplex für eine Komödie

Doch das Hauptgewicht des lesenswerten Buches ist dem Film, seiner Entstehungsgeschichte und Rezeption gewidmet. Über eine Million Menschen haben 1978/79 «Die Schweizermacher» im Kino gesehen. Dem Phänomen nähern sich Interviews mit Regisseur Lyssy und dem Produzenten Marcel Hoehn, der beispielsweise sagt, ein Remake könnte ebenfalls erfolgreich sein («Aber das soll jemand anders tun…»).

Beinahe vergessen wird, wie steinig der Weg zum Erfolg war. Unter dem Titel «Das Filmwunder und der Alltag» wird nachgezeichnet, warum der Bund die Förderung der Produktion zweimal ablehnte – unter anderem mit der Begründung, «dass ein so komplexer Stoff nicht in der Form einer Komödie dargestellt werden könne»! Thomas Zaugg beleuchtet, wieso Komödien im Schweizer Film vor und nach 1964 einen schweren Stand hatten und wieso Lyssy zahlreiche Filme nicht realisieren konnte – dies ergänzt, was Rolf Lyssy bereits in seinem autobiographischen Bericht «Swiss Paradise» schilderte.

Neben «Freundespost», unter anderem von Emil Steinberger, Xavier Koller und Charles Lewinsky, gehört der Beitrag von Dominik Bernet erwähnt. Er beschreibt die Zusammenarbeit mit Lyssy und umschreibt «das Schwebende» in dessen Komik als «eiserner Wille zur Elastizität, der die Welt ganz bewusst in den Angeln lässt».

Georg Kohler/Felix Ghezzi (Hg.): Die Schweizermacher – Und was die Schweiz ausmacht. Rüffer & Rub, Zürich 2016, S. 336, Fr. 29.80. Rolf Lyssy: Swiss Paradise. Rüffer & Rub, 2001, S. 217, Fr. 36.–