Das Paradies und andere schöne Orte

Feldbach und Frauenfeld, Kalchrain und Klingenzell, Tänikon und Tobel: Reich an Klöstern ist der Kanton Thurgau. War, denn die dreizehn noch bestehenden hat er 1848 aufgehoben (St. Katharinental 1869).

Dieter Langhart
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Klosterkirche Paradies. (Bild: Reto Martin)

Klosterkirche Paradies. (Bild: Reto Martin)

Feldbach und Frauenfeld, Kalchrain und Klingenzell, Tänikon und Tobel: Reich an Klöstern ist der Kanton Thurgau. War, denn die dreizehn noch bestehenden hat er 1848 aufgehoben (St. Katharinental 1869). Immerhin, im Unterschied zu andern Kantonen hatten sie die Reformation überlebt, denn die Gemeine Herrschaft Thurgau wurde bis 1798 von den Alten Orten regiert, und die waren teils katholisch, teils evangelisch. Die Gleichstellung der Konfessionen, die Parität, wirkt im Thurgau fort; es gibt noch zehn Simultankirchen.

Die ältesten Klöster im Thurgau waren das Chorherrenstift St. Pelagius in Bischofszell und das Augustinerkloster zu Kreuzlingen; sie sind bereits vor dem Jahre 1000 gegründet worden. Und es gab klösterliche Gemeinschaften wie die Propstei Aadorf oder das Kloster Salmsach, die nur wenige Jahre bestanden.

Benediktiner kehren zurück

Das jüngste Kloster im Thurgau ist Fischingen – und das einzige, in dem eine Mönchsgemeinschaft lebt: Benediktiner aus Engelberg haben es 1977 wieder errichtet. 1973 war in der Bundesverfassung der «Ausnahmeartikel» aufgehoben worden; so war es wieder erlaubt, aufgehobene Klöster wiederherzustellen oder neue zu gründen.

In die Schlagzeilen geraten ist Fischingen wegen Missbräuchen im Kinderheim St. Iddazell. Das Kloster liegt, wie auch Tobel, am Schwabenweg, dem Stück des Jakobswegs zwischen Konstanz und Rapperswil.

Und wer hatte das Sagen in den Klöstern? Bis vor etwa 200 Jahren gehörte der Thurgau, wie auch die Kantone St. Gallen und Appenzell, zum Bistum Konstanz, das grösste im deutschen Sprachraum. Seit 1830 gehört der Thurgau zum neuen Bistum Basel, St. Gallen hat sein eigenes Bistum, und die beiden Appenzell sind direkt dem Vatikan unterstellt.

Im Paradies am Rhein

Von den dreizehn erwähnten Thurgauer Klöstern waren fünf Frauenklöster: Feldbach, Kalchrain, St. Katharinental, Tänikon – und Paradies. Vier waren Zisterzienserinnenklöster, eines ein Klarissinnenkloster – Paradies.

Das Paradies liegt also am Südufer des Rheins in der Gemeinde Schlatt, nur 4 Kilometer oberhalb Schaffhausens. Bevor ein Konvent gegründet wurde, 1253 «conventui de Paradyso», standen da das Dorf Schwarzach und eine Kirche. Die Klarissen von St. Damian zu Konstanz verpflichteten sich 1257, ein Kloster zu errichten. Die Kirche und das Dorf gingen im Kloster auf, das allmählich unter die Verwaltung der Stadt Schaffhausen, die es in der Reformation aufhob. 1578 richteten die fünf katholischen Orte das Paradies wieder ein.

Vom Gebet zum Eisen

Der Kanton hob das Kloster 1836 auf. Die Kirche ging an die Kirchgemeinde, die Gebäude wurden versteigert und kamen 1918 an die Georg Fischer AG. Neben der restaurierten Klosterkirche lockt die Eisenbibliothek ins Paradies, die eine Stiftung nach dem Krieg aufgebaut hat.