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Das neue Album von Banks: So schön kann sich ein gebrochenes Herz anfühlen

Ihre Electropop-Balladen sind immer noch traurig, sie selbst aber nicht mehr so sehr. Banks hat auf ihrem dritten Album «III» erkannt, dass sich die Liebe nicht erzwingen lässt.
Steffen Rüth
Jillian Banks singt zwar traurige Electropop-Balladen, sucht aber selbst den Liebeskummer nicht mehr. (Bild: Steph Wilson)

Jillian Banks singt zwar traurige Electropop-Balladen, sucht aber selbst den Liebeskummer nicht mehr. (Bild: Steph Wilson)

Was würde die studierte Psychologin Jillian Banks wohl der Musikerin Banks raten? Die 31-jährige Amerikanerin streckt den Rücken auf ihrem Sofa im Londoner Plattenfirmenbüro durch und lächelt. «Sie würde ihr sagen: ‹Mädchen, du bist nicht perfekt, aber du bist in Ordnung.›» Zweifel, die sich in Teenagerjahren zu Depressionen auswuchsen, begleiten die im kalifornischen Orange County geborene und in Los Angeles lebende Banks zwar nach wie vor. Aber sie sind, auch durch den Erfolg der ersten beiden in feinstem Synthie-Soul-Pop-Metier beheimateten Alben «Goddess» (2014) und «The Altar» (2016) leiser geworden. An ihre Stelle getreten: Selbstbewusstsein. Selbstglaube. Selbstliebe.

Früher war sie süchtig nach dem Liebeskummer

«Ich bin in den vergangenen Jahren reifer und weiser geworden», sagt Jillian, die sich bei ihren kunstvoll-elektronischen Balladen bis heute deutlich von Aaliyah, Lauryn Hill oder Fiona Apple inspirieren lässt.

«Es gibt immer noch Dinge, die wehtun. Aber ich kann die Schmerzen heute besser aushalten. Auf der anderen Seite weiss ich immer besser mit der Liebe umzugehen. Früher habe ich den Liebeskummer förmlich gesucht. Ich war schon fast süchtig danach, traurig und niedergeschlagen zu sein.»

Wobei sich Banks immer noch zu der Schönheit des Gebrochenes-Herz-Gefühls hingezogen fühlt, wie sie zugibt. In «Alaska» singt sie über einen Traum, dass sie der Liebste verlässt, um nach Alaska zu ziehen. «Dabei war ich weder jemals in Alaska noch kenne ich jemanden dort.»

«Liebe ist immer ungewiss»

Im intensiv nachhallenden und bemerkenswert traurigen «What About Love», dem finalen Stück auf «III», gehe es hingegen um eine Liebe, die es im Leben der Jillian Banks wirklich gegeben hat. Dumm nur: Er war mit jemand anderem liiert und kehrte letztlich zu seiner Partnerin zurück. «Ich habe akzeptiert, dass Liebe immer ungewiss ist», so Banks. «Man kann nicht in den anderen hineinschauen, man weiss nicht, wie sehr die andere Person liebt, wie lange oder ob überhaupt. Dennoch glaube ich heute, dass die Liebe am Ende immer siegen wird – selbst dann, wenn sie es augenscheinlich nicht tut.»

In Songs wie dem etwas bassbetonteren «Look What You’re Doing To Me» oder dem aufs Äusserste gefühlvollen «Contaminated» singt Banks so sinnlich und mit so starkem erotischen Unterton wie vielleicht noch nie. Banks:

«Sex ist sinnlich. Wut ist sinnlich. Tränen sind sinnlich. Ich bin ein Mensch, der immer alle Dinge sehr hart gefühlt hat und sie dann meist von der negativen Seite her betrachtete.»

Das ist vorbei, vielleicht der grösste Entwicklungsschritt für Banks. «Heute kann ich die Liebe als solche auch mal zulassen», sagt sie. So wird sie in «Gimme», einer starken und für ihre Verhältnisse schnellen Disconummer, nicht nur forsch, sondern gar fordernd. «In dem Lied will ich einen Typen unbedingt», sagt Banks und lacht. Hat sie ihn bekommen? «Ja.» Hat sie ihn behalten? «Nein. War zu kompliziert.»

Banks III (Capitol).

Banks III (Capitol).

Es war ein traumatisches Erlebnis, das Banks zum Songschreiben brachte: Die Trennung der Eltern, damals war sie 14. «Ich übte und schrieb wie eine Verrückte», sagt sie, «meine Songideen kamen von einem Ort der Einsamkeit und aus dem Gefühl heraus, alleingelassen und ungehört zu sein.»

Glücklicher und zufriedener in der Einsamkeit

Doch erst nach abgeschlossenem Studium und dank eines immer grösser werdenden Zuspruchs auf Streaming-Angebote beschloss sie, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. «Früher war es total schwer für mich, einen Song zu schreiben, wenn es mir gut ging,» sagt sie. Auch diese Lebensphase ist glücklicherweise vorbei. Heute könne Familienmensch Banks in jedem Zustand schreiben, «ausser am Ende der letzten Tour, als ich mich körperlich wie mental komplett wie durch den Wolf gedreht fühlte.»

Ein Dreivierteljahr zog sich Banks zurück, «um mich daran zu erinnern, was zum Teufel noch mal meine Hobbys waren.» Lesen, Wandern und Freunde treffen, irgendwann fiel ihr das dann doch wieder ein. Heute lebt sie in den Bergen, noch weiter weg vom Geschehen. «Ich bin jetzt eine Einsiedlerin, aber das scheint mir zu bekommen. Menschen, die mich eine Weile nicht gesehen haben, meinen, ich sehe glücklicher aus.»

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