Das Nest

LESBAR SCHMÖKER

Florian Weiland/Valeria Heintges
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Bild: Florian Weiland/Valeria Heintges

Bild: Florian Weiland/Valeria Heintges

LESBAR SCHMÖKER

Seine besten Zeiten hat Little Wing im Norden Wisconsins schon lange hinter sich. Ein Provinznest, in dem nicht viel los ist. Und doch ist es für die fünf Freunde, von denen Nickolas Butler in seinem Débutroman erzählt, der Ort, an dem sie hängen und zu dem es sie, falls sie überhaupt je weggezogen waren, immer wieder zurückzieht. Sogar der international erfolgreiche Rockstar Lee erkennt schliesslich, wie wichtig ihm dieses Stück Heimat ist. Die wechselnden Erzählperspektiven geben diesem geschickt ineinander verzahnten Roman seinen besonderen Reiz, auch wenn es dem Autor leider nicht gelingt, jedem der fünf Freunde eine eigene Sprachmelodie zu geben. Doch die Figuren wachsen einem schnell ans Herz. Es wird geliebt und gestritten, man heiratet und trennt sich wieder. Ein lange bewahrtes Geheimnis kommt ans Licht und zum Schluss fallen sogar Schüsse. Butler legt ein grosses und wunderbar sentimentales Buch über die Freundschaft vor und singt ein Loblied auf die Provinz.

Nickolas Butler: Shotgun Lovesongs, Klett-Cotta 2013, 424 S., Fr. 23,90

Mord an der Elite-Uni

Alex' Frau Rachel wurde erschlagen, am See auf dem Gelände ihrer alten Universität. In langen Gesprächen mit ihrem Literaturprofessor erfährt Alex immer mehr Details aus dem Leben seiner Frau, «Bevor sie mich liebte». In den sechs Monaten, die sich Alex gibt, um den Mörder zu finden, muss er feststellen, dass ihm seine Frau trotz ihrer grossen Liebe füreinander unbekannt war. Elanor Dymotts Werk ist Krimi, Liebes- und Universitätsroman, chronologisch geschickt verschachtelt, aber verständlich erzählt. Immer plastischer werden die Personen: Alex, der rationale, trauernde Anwalt, der ehrgeizig seine Karriere verfolgt. Rachel, sprunghaft, neugierig, unkonventionell, umschwärmt von allen, schert sie sich nicht um Gerede. Dymott erzählt pendelnd zwischen Wahrheit und Lüge, Vergangenheit und Gegenwart. Und wissend, dass wir eigentlich nichts wissen. Da sieht man auch darüber hinweg, dass nicht alle Details glaubhaft sind.

Elanor Dymott: Bevor sie mich liebte, Kein & Aber 2013, 512 S., Fr. 29.90

Bild: Florian Weiland/Valeria Heintges

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