Das Leben ist kein Ponyhof

Die Suche nach dem Sinn: Das prägt Grundstimmung und Plot des neusten Theaterstücks «One Way 15» des Jugendtheaters U21. Mitten in der St. Galler Altstadt sind bei der Premiere am Freitagabend auch Passanten zu Protagonisten geworden.

Virginia Alder
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Strassentheater am Bärenplatz: Darran Murray als Nigel und Simon Schmalz als Moritz. (Bild: Urs Bucher)

Strassentheater am Bärenplatz: Darran Murray als Nigel und Simon Schmalz als Moritz. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN Moritz ist ein Tagträumer und tapst im Alltag in seiner Phantasiewelt herum. Er ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und begibt sich für seine Antworten mitten ins St. Galler Altstadt-Getümmel. Dort trifft er auf Nigel, einen Jungen, der sich und sein Leben schon längst aufgegeben hat. «Das Leben ist kein Ponyhof», sagt sein Vater, doch diese harten Worte helfen dem arbeitslosen Jungen bei seiner Findung nicht weiter. Provokant und voller Witz versucht Moritz Nigels Freundschaft zu gewinnen und als Antwort auf dessen Ignoranz macht er selbst vor Passanten nicht halt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kann er Nigel aber doch noch aus der Reserve locken und die beiden unterschiedlichen Jungen freunden sich allmählich an.

Öffentlicher Raum als Bühne

Dieser geradlinige Plot ist Teil des Stücks «One Way 15» vom Theater U21, das am vergangenen Freitagabend unter der Leitung des Theaterpädagogen Adrian Strazza seine Premiere feiern durfte. Nicht wie gewohnt im Jugendzentrum Flon, sondern beim Bärenplatz, unter freiem, wenn auch bedecktem Himmel. Und zum ersten Mal wagte sich Strazza an ein Stück mit nur zwei Darstellern: Simon Schmalz als Moritz und Darran Murray als Nigel, die ihre Rolle mit viel Witz und Charme verkörpern und durchaus schauspielerische Qualitäten an den Tag legen. Ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild und Kostüme sind für die Aufführung der anderen Art fehl am Platz. Die Kulisse des St. Galler Altstadtviertels ist perfekt für das Zweimann-Stück, und legere Kleidung wie Jeans, Shirt und Cap verleihen den beiden die nötige Echtheit. Authentisch ist auch der Text, der sinnigerweise in Mundart gehalten ist.

In einer eigenen Welt

Das Spezielle an dem Stück ist, dass die beiden Protagonisten mit Funkmikrophonen ausgestattet sind und die Zuschauer das Stück nur mit Kopfhörern mitverfolgen können. «Ich fühlte mich wie in einer eigenen Welt», sagte ein zufriedener Zuschauer nach dem Stück. In dieser eigenen Welt werden teils auch Passanten zu Protagonisten, etwa wenn Moritz ein Mädchen auf der Strasse fragt: «Wie lange leben wir noch?» Etwas peinlich berührt entgegnet sie ihm: «Wir leben für immer.»

Rot vor Scham

Für Fussgänger, die das Spektakel von aussen beobachten, mag es etwas seltsam wirken: Zwei Jungen, die sich mitten in der Altstadt provozieren und rund zwanzig Personen mit Kopfhörern, die am Bärenplatz herzhaft lachen. So unterschiedlich sind dann auch die Reaktionen der Passanten: Einige setzen sich neben die Zuschauer hin und lauschen gespannt oder gruppieren sich um die Jugendlichen und fotografieren. Andere versuchen schnell durch die Szenerie zu huschen, und nicht selten sieht man einen roten Kopf vor Scham. Genau dadurch erhält das Stück aber seinen ganz eigenen Charme.

Spielplan: Mo/Mi/Fr, 22./24./26.6., jeweils 14 und 18 Uhr. Tickets sind am Bärenplatz erhältlich oder unter der Nummer 077 223 38 43.