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Briefe von Elias Canetti: «Das Leben bröckelt von mir ab»

Unter dem Titel «Ich erwarte von Ihnen viel» sind 600 Briefe von Elias Canetti erschienen. Sie belegen, dass der Literaturnobelpreisträger sein Leben lang an seinem Nachruhm gearbeitet hat.
Elias Canetti 1905 -1994

Elias Canetti 1905 -1994

«Wer wird mir Nachricht geben, wenn ich nicht mehr bin, wer wird mir berichten?» schreibt Elias Canetti in seinen Aufzeichnungen. 1994 ist der Autor und Denker in Zürich gestorben. Doch von ihm wird weiterhin berichtet, seit kurzem durch die neu herausgegebenen Briefe «Ich erwarte von Ihnen viel». Canetti lebt. Das hätte er gern gehört. Denn wie man in seinen Korrespondenzen lesen kann, hat er nicht daran gezweifelt, dass er ein Autor von Weltrang und somit unsterblich ist, aber bitter geklagt, dass er so lange Jahre weitgehend unbeachtet blieb, trotz Erscheinens seines Romans «Die Blendung» 1935 und des Monumentalwerks «Masse und Macht» 1960. Erst 1981 erhält er den Literaturnobelpreis.

Canettis Laufbahn ist in den Briefen nachzuverfolgen vom ersten Brief an Thomas Mann 1935, in dem er ihm seinen Roman schickt und abgewimmelt wird bis zu seinen letzten Briefen aus Zürich kurz vor dem Tod. 1905 in Rustschuk im heutigen Bulgarien ­geboren, hat Elias Canetti in Wien, London und in Zürich gelebt. Wien hat er die intellektuellen Impulse seines Lebens verdankt, London hat ihm Exil gewährt, und in Zürich hat er die letzten Jahre seines Lebens gern gelebt. Seine Briefe richten sich an Schriftstellerkollegen, Freunde und Freundinnen, Verleger und Lektoren.

Viele dokumentieren seinen starken Willen zum erfolgreichen Schriftsteller, zeugen aber auch von seiner Liebesfähigkeit. Manche Passagen können etwas ratlos machen, wenn man das Gegenüber nicht kennt, weil nur Canettis Briefe vorliegen. Denn Canetti kann ziemlich austeilen. Auf Kritik reagiert er empfindlich, scharf und treffend. Für Zeitungen war solch ein Gezeter ein gefundenes Fressen. Canetti hält sich jedoch nicht damit auf. Er schreibt seine eigenwilligen Bücher. Und seufzt dennoch:

«Ach, warum lässt man sich nicht öfters zu Ohrfeigen hinreissen?»

Wie wahr! Diese Briefe werfen auch ein Schlaglicht auf den damaligen Literaturbetrieb.

Elias Canetti: Ich erwarte von Ihnen viel. Briefe. Hrsg. von Sven Hanuschek und Kristian Wachinger. Hanser Verlag, 863 S., Fr. 58.90

Elias Canetti: Ich erwarte von Ihnen viel. Briefe. Hrsg. von Sven Hanuschek und Kristian Wachinger. Hanser Verlag, 863 S., Fr. 58.90

Die letzten Jahre lebte er mit seiner Tochter in Zürich

Herausgegeben haben die Briefe der Canetti-Biograph Sven Hanuschek und Kristian Wachinger. Viele private Briefe aus dem Nachlass bleiben weiterhin unter Verschluss. Die nun vorliegenden 600 Briefe liest man als Ergänzung zur Biografie und vernimmt auch Privates. Elias Canetti hat in späten Jahren zur Milde gefunden. Nach dem Tod seiner ersten Frau Veza Canetti 1963 in London schreibt er: «Das Leben bröckelte von mir ab, als wäre ich plötzlich morsch geworden.» Später gelingt ihm die erfolgreiche Herausgabe ihres Werkes. Das ist «das Schönste, was in meinem Leben passiert ist», meint er dazu. Seit seinem Tod kümmert sich seine innig geliebte Tochter Johanna um das nachgelassene Werk ihres Vaters, um den Zugang zum literarischen Kosmos Elias Canetti.

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