Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das kulturelle Erbe braucht Geld

Rechtzeitig zu den Europäischen Tagen des Denkmalschutzes am Wochenende hat Alliance Patrimoine die Einsparungen bei den Geldern für den Erhalt des kulturellen Erbes kritisiert. Adrian Schmid begründet dies.
Richard Clavadetscher
Adrian Schmid Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz (Bild: pd)

Adrian Schmid Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz (Bild: pd)

Herr Schmid, Alliance Patrimoine und damit auch der Schweizer Heimatschutz setzen sich für den Erhalt des kulturellen Erbes ein. Wie definieren Sie denn diesen Begriff?

Adrian Schmid: Es sind die kulturellen Leistungen der Vergangenheit in ihrer Vielfalt. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Identität – ein Teil dessen, was Heimat ausmacht. Man kann also sagen: Unser kulturelles Erbe macht uns eigentlich zu dem, was wir Menschen heute sind.

Und was umfasst es konkret?

Schmid: Primär sind es die wertvollen historischen Bauten, Infrastrukturbauten wie Brücken und Strassen, Gärten und Parks, aber auch ganze Ortsbilder – oder dann die einmaligen Kulturlandschaften.

Und was bedeutet in diesem Zusammenhang denn Erhalt?

Schmid: Erhalt verbindet sich immer mit Gestalten. Gestalten heisst an der Zukunft bauen und dabei ist immer auch die Nutzung der Baudenkmäler zu berücksichtigen. Hier sind wir vom Heimatschutz aktiv: Mit dem öffentlichen Heimatschutzzentrum in der Villa Patumbah in Zürich vermitteln wir Baukultur hautnah. Mit unserer Stiftung Ferien im Baudenkmal ermöglichen wir Ferientage in einem historischen Objekt zu erleben und zu geniessen.

Sie beklagen nun, dass der Bund seine Mittel für den Erhalt unserer schützenswerten Denkmäler, Ortsbilder und archäologischen Fundstellen stetig abbaue. Nötig seien mindestens 30 Millionen Franken, der Bund stelle aber nur deren 28 zur Verfügung. Wie kommen Sie auf Ihre Zahl?

Schmid: Damit wird einerseits die hohe Baukostenteuerung kompensiert, anderseits trägt die Anpassung den in den letzten Jahren neu klassifizierten Baudenkmälern Rechnung.

Nun könnte man sagen, auf 30 Millionen seien eingesparte zwei Millionen verkraftbar…

Schmid: Der Bund hält in seiner Kulturbotschaft fest, dass ein Bedarf von 100 Millionen Franken besteht! Im Jahr 2004 sprachen National- und Ständerat 38 Millionen Franken. 2014, also zehn Jahre später, sind es nur noch 28 Millionen. Das ist ein Abbau von zehn Millionen in zehn Jahren. Das ist gravierend!

Denkmalpflege ist ja nicht nur Bundessache, auch die Kantone sind involviert. So könnte man doch von dort ein grösseres Engagement erwarten, wenn es aus konkretem Anlass angezeigt ist.

Schmid: Die Finanzierung des Erhalts der Baudenkmäler ist eine Verbundaufgabe der Eidgenossenschaft und sämtlicher Kantone. Hinzu kommen private Stiftungen. Wenn sie von diesem Kuchen ein Stück wegschneiden, entsteht ein Domino-Effekt: In der Folge fahren auch die Kantone und die privaten Stiftungen ihr finanzielles Engagement zurück. Leidtragende sind die Baudenkmäler.

Wir wissen es alle: Das Wort Denkmalpflege ist insbesondere bei Bauherren nicht nur positiv besetzt. Diese beklagen hin und wieder, dass Bauvorhaben verteuert würden, weil sich die Denkmalpflege einmische. Was entgegnen Sie darauf?

Schmid: Die Denkmalpflege nimmt einen Gesetzesauftrag wahr und setzt ihn um. Die Festlegung der Objekte unter den Denkmalschutz liegt in der Verantwortung des Regierungsrats der jeweiligen Kantone.

Man wolle keine Ballenbergisierung der Schweiz, heisst es oft, wenn der Denkmalschutz kritisiert wird. Diese Gefahr besteht nicht auch?

Schmid: Es sind rund fünf Prozent von insgesamt 1,8 Millionen Bauten in der Schweiz unter Schutz gestellt. Konkret sind das 90 000 Baudenkmäler. Das ist bescheiden, gemessen an der baukulturellen und volkswirtschaftlichen Bedeutung. Tourismus Schweiz baut im Marketing auf intakten Kulturlandschaften und historischen Objekten auf.

Dass gerade die Denkmalpflege bisweilen übereifrig sei, weisen Sie also als Unterstellung zurück?

Schmid: Das müssen sie die Denkmalpflege und nicht mich vom Heimatschutz fragen. Wir sind zwei unterschiedliche Organisationen: Die Denkmalpflege mit Gesetzesauftrag, der Schweizer Heimatschutz als private Non-Profit-Organisation.

Könnte es allenfalls sein, dass Gelder knapp gehalten werden, um Sie und Ihre Mitstreiter auf diesem Weg zu einer gewissen Zurückhaltung zu zwingen?

Schmid: Wenn dies so wäre, wäre dies ohne Zweifel fatal! Leidtragende wären dann ganz klar die Baudenkmäler.

Heute und morgen werden europaweit die Tage der Denkmalpflege begangen. Wie empfehlen Sie uns, diese zu begehen?

Schmid: Was gestern von hoher Qualität gebaut wurde, ist heute Heimat und schafft Identität für uns Menschen. Ich rege an, sich Zeit zu nehmen, um diese Denkmäler bewusst zu erleben, einzutauchen in ihre Geschichte, Details zu studieren und sich daran zu freuen. Gleichzeitig sollten wir bedenken, dass das, was wir heute bauen, morgen zur Heimat wird. Und Heimat ist in einer globalisierten und immer stärker ökonomisierten Welt ein nicht zu unterschätzender Wert.

Mehr zum Programm der Europäischen Tage des Denkmalschutzes in der Schweiz von heute und morgen ist im Internet auf folgendem Link zu finden: www.nike-kultur.ch/herein- spaziertch-denkmaltage/ programm-2014/

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.