Schweizer Bandleaderin und Sängerin Yumi Ito: «Das Karge, Nordische spricht mich an»

Doch auch ihre japanischen Wurzeln sind im neuen Werk der aufstrebenden Schweizer Bandleaderin und Jazz-Sängerin Yumi Ito zu hören.

Stefan Franzen
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Yumi Ito setzt in ihrem Orchester auf Flöten, Streicher, Vibrafon und Harfe.

Yumi Ito setzt in ihrem Orchester auf Flöten, Streicher, Vibrafon und Harfe.

Bild: Maria Jarzyna

Mit ihren knapp 30 Jahren ist die Basler Sängerin, Pianistin, Komponistin und Bandleaderin Yumi Ito bereits eine feste Grösse in der Schweizer Szene. Am Jazzfestival Basel stellt sie jetzt mit ihrem Orchestra ihre Scheibe «Stardust Crystals» vor.

Weshalb haben Sie Ihre Songs für ein elfköpfiges Orchester arrangiert?

Ito: Ich lag auf einer Wiese und hab’ in den blauen Himmel gestarrt. Da hörte ich plötzlich Klänge, hatte die Vision von einem grösseren Ensemble, wusste aber überhaupt nicht, wie ich da hinkomme. Es erschien mir sehr unrealistisch. Mein Cellist Jo Flüeler meinte nur: «Mach es doch einfach».

Wie sind Sie beim Arrangieren vorgegangen?

Es war mir wichtig, dass jeder Musiker und jede Musikerin miteinbezogen wird. Deswegen habe ich versucht, für jeden und jede differenzierte Parts zu komponieren, damit sich die Rollen verteilen. Im Song «Unwritten Stories» beginne ich nur mit Flöte und Saxofon, im Titelstück «Stardust Crystals» nur mit Streichern, bei «Little Things» nur mit Harfe. Ich wollte vor allem auch die Streicher aktiv rhythmisch miteinbeziehen, sie sollten keinen Teppich legen.

Gab es für die Klangfarben konkrete Vorbilder?

Es gibt reine Streicherversionen von Björks Album «Vulnicura», das war ein Einfluss. Dieses Karge und Nordische spricht mich mehr an als das Romantische, Flächige. Ebenso der Einfluss meines japanischen Vaters: Er hat neben dem Klavier auch Flöte studiert. Ich glaube, deshalb habe ich auch die Besetzung gewählt: Flöte, Harfe, Vibrafon. Das erinnert mich sehr an Japan. Das Experimentelle der Neuen Musik, wie bei Toru Takemitsu, das hat mich auch inspiriert.

In Ihren Texten sprechen Sie oft von der Natur und ihrer Verletzlichkeit. Sorgen Sie sich um die Zukunft?

Ich habe eine Dokumentation über die Antarktis gesehen, und da wurde ich auf die schmelzenden Eisberge aufmerksam. Das hat mir die Idee gegeben, mit dem Titelstück einen Song über unsere zerstörerische Seite zu schreiben. Ich wollte das nicht herausschreien, eher die Menschen zur Selbstreflexion bringen. Im Song «Old Redwood Tree» geht es um die Muir Woods in San Francisco. Als ich diesen Mammutbaumwald besucht habe, hat er mich so beeindruckt, dass ich ganz still wurde. Das wollte ich auf eine poetische Art in diesem Song festhalten.

Wird die Arbeit mit dem Orchestra weitergehen?

Ich habe schon neue Stücke für ein neues Album arrangiert. Genauso wichtig ist mir, dass meine Songs in kleinen Besetzungen gespielt werden, denn das sind die Rohversionen, so entstehen sie auch. Wenn meine Stücke aber erblühen können in einer Grossformation, ist es für mich das Grösste, mit den Musikerinnen und Musikern dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu spüren.

Yumi Ito, Stardust Crystals. Live: 25.9. im Atlantis Basel.