Das Kajal-Auge im Blues der Südstaaten

Im Palace ist morgen ein «Grandseigneur des Rock'n'Roll» angekündigt: Tav Falco und seine Band The Panther Burns. Vor dem Konzert präsentiert der Psychobilly-Urvater einige seiner Dok-Kurzfilme.

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Tav Falco (Bild: pd)

Tav Falco (Bild: pd)

Wer Gustavo «Tav» Falco und Willy de Ville für musikalische Gesinnungsgenossen hält, hat nicht genau genug hingehört. Mit Rüschenhemd, Menjoubärtchen und Siegelring sieht Tav Falco zwar ein bisschen so aus wie der dürre Pferdenarr aus New Orleans, doch mit dessen gepflegter Swamp-Rock-Langeweile hatte Tav Falco sein Leben lang nichts am Hut.

Giftpfeil ins Herz

Düsterer und verschrobener klingt das Kajal-Auge des Südstaatenblues bis heute: Scheppernder, verzerrter, hallender Rockabilly, ein bisschen Tango und spooky Memphis-Blues stehen auf dem Programm, wenn der ehemalige Bandkollege von Alex Chilton zum heissen Tanz ruft. An diesem Abend ist der schräge Ton der Fixstern, aber auch die Liebe zu einem Sound, der so heiss klingt wie ein Panther in Flammen.

So nennt sich die Combo, mit der Tav Falco seit den 70er-Jahren unterwegs ist und Anfang der Achtziger sein erstes Album «Behind The Magnolia Curtain» aufnahm, im Gepäck stets den Giftpfeil, der direkt ins Herz trifft: Outsider-Blues der etwas anderen Sorte, wie man etwa auf dem aktuellen Album «Conjurations» hören kann. Jon Spencer wird es lieben.

Kommentierte Kurzfilme

2004 gab Tav Falco, der früher gelegentlich seine Shows damit begann, Gitarren mit einer Kettensäge zu massakrieren, ein grossartiges Konzert in der Grabenhalle. Jetzt kehrt er nach St. Gallen zurück und wird bei seinem Auftritt im Palace auch als Dokumentarfilmer zu entdecken sein. Der heute in Ljubljana lebende Psychobilly-Urvater und ehemalige Zugbremser, Eisfabrikarbeiter und Autoreifenflicker aus Memphis zeigt vor dem Konzert eine Auswahl seiner Kurzfilme, die zwischen 1974 und 1996 in Memphis, Paris oder auch in Wien entstanden sind. «Filme über Motorradrocker oder wahre Honky-Tonker wie R. L. Burnside», wie es in der Ankündigung heisst, die Tav Falco persönlich kommentieren wird. Übrigens: Die renommierte Cinémathèque Française in Paris hat einige dieser Filme in ihre Sammlung aufgenommen.

Marc Peschke

Morgen Sa, Palace, 20 Uhr Beginn Filmprogramm; Konzert 21.30 Uhr; Türöffnung 19.30 Uhr