«Das ist ein Objekt, keine Kunst»

Bernhard Licini stellt im Kunstverein Frauenfeld seine neuesten Objekte aus. Er erklärt, warum er sie nicht als Kunst bezeichnet und welchen Einfluss eine Produktionspanne auf seine Arbeiten hatte.

Christina Peege
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Bernhard Licini im Kunstverein Frauenfeld: «Früher bin ich häufig von Quadraten ausgegangen, heute interessiert mich eher das Rechteck.» (Bild: Christina Peege)

Bernhard Licini im Kunstverein Frauenfeld: «Früher bin ich häufig von Quadraten ausgegangen, heute interessiert mich eher das Rechteck.» (Bild: Christina Peege)

Sind Sie mit einem fixen Konzept nach Frauenfeld gekommen oder haben Sie sich von den Räumen im Bernerhaus inspirieren lassen?

Bernhard Licini: Der Schwerpunkt der Ausstellung lag von Anfang an auf den neuesten Arbeiten. Die meisten Objekte, die zu sehen sind, zeige ich zum ersten Mal. Nur den mittleren Raum habe ich mit etwas älteren Arbeiten bespielt, damit der Prozess sichtbar wird, der zu den heutigen Werken geführt hat. In der Ausstellung habe ich nichts dem Zufall überlassen; Farben und Formen sollen miteinander spielen.

Die Wand da drüben ist noch leer…

Licini: Ich habe absichtlich weniger Arbeiten ausgestellt als möglich gewesen wäre. So kommen sie besser zur Geltung. Die Besucher sollen Platz haben, um sich vor den Wandobjekten zu bewegen. Man kann beispielsweise sehen, wie die Stahlwalze formal mit den ausgeschnittenen Kreisen in den Aluminium-Verbundplatten korrespondiert. Nur so kann man die Ruhe erleben, die von den Exponaten ausgeht.

Was ist inhaltlich neu an Ihren neuen Arbeiten?

Licini: Früher bin ich häufig von Quadraten ausgegangen, heute interessiert mich eher das Rechteck. Das Verhältnis von Breite und Höhe erzeugt eine Spannung. Je nachdem, ob eine Arbeit hochkant oder quer präsentiert wird, entsteht eine andere Wirkung auf den Betrachter. Auch den Würfel mit einem integrierten Objekt habe ich weiterentwickelt. Ich habe die Wände weggelassen, die integrierten Elemente bestehen neu aus offenen statt geschlossenen Körpern.

Dann ringen Sie aber immer noch um Reduktion und Perfektion?

Licini: Ich mag beide Begriffe nicht. Meine Arbeiten entstehen in einem langen Schaffensprozess. Ich fertige Modelle an und lasse sie stehen. Wenn sie in meinen Augen auch nach längerer Zeit Bestand haben, dann arbeite ich an ihnen weiter. Ich konzentriere und verdichte die Idee, die ich im Modell angelegt habe. Bei den Würfeln sind die Elemente nur noch zusammengesteckt, nicht mehr verschweisst. Nur der Arbeitsaufwand ist reduziert. Fertig ist ein Objekt, wenn die Proportionen stimmen.

Wann wissen Sie, dass ein Objekt fertig ist?

Licini: Ich arbeite nach Gefühl. Als gelernter Schlosser habe ich einen Bezug zu Stahl. Ich rede daher nie von Kunst, sondern von Objekten. Weil sie Konstruktionen sind.

Wie sind Sie als Schlosser auf Dibond, also Aluminium-Verbundplatten gekommen?

Licini: Eine Firma hat mir einmal meine bereits aufwendig bearbeiteten Metallplatten falsch eingefärbt. Ich musste alle wegwerfen! Dann habe ich die Dibond-Platten entdeckt, die es vorgefertigt in unterschiedlichen Farben gibt. Und ich kann sie selber bearbeiten.

Das ist doch ein ganz anderer Arbeitsprozess als das Schneiden und Walzen von Stahl.

Licini: Auf jeden Fall. Zunächst musste ich meine Maschinen in der Werkstatt umbauen, weil sie für die Bearbeitung der Platten zu klein waren. Das ist mir nach längerem Tüfteln geglückt. Dann musste ich einen Weg finden, wie ich die Platten zu dreidimensionalen Wandobjekten zusammen baue – ich wollte ja keine Bilder, sondern Objekte machen. Die Trennelemente zwischen den Platten erzeugen ein räumliches Volumen. In diesen Elementen ist die Aufhängung gleich mit integriert. Man kann also auch diese Wandobjekte um neunzig Grad drehen.

Der Betrachter kann Ihre Arbeiten beträchtlich verändern – akzeptieren Sie das?

Licini: Wenn eine Arbeit verkauft ist, habe ich keinen Einfluss mehr darauf, wie sie verändert wird. Ich muss das «Baby» loslassen können.

Schaut man Ihre Arbeiten im Garten draussen an, kommt einem Ihr Namensvetter, der Eisenplastiker James Licini in den Sinn. Werden Sie manchmal verwechselt?

Licini: (schmunzelt) Früher kam das vor. Das liegt am Rost, den haben seine und meine Arbeiten aus Eisen gemeinsam. Ein Problem haben wir mit allfälligen Verwechslungen keine, er ist mein Onkel. Und vielleicht kommt er an die Vernissage.

Vernissage: Sa, 18.4., 17.30 Uhr (Tür 16.30 Uhr), Bernerhaus, Frauenfeld; Sa 10–12 und 14–17, So 14–17 Uhr; bis 17.5.

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