«Das ist ein Durchbruch»

Gestern abend hiess es zum letzten Mal «I Lombardi» auf dem Klosterplatz. Theaterdirektor Werner Signer zieht Bilanz: Die 6. St. Galler Festspiele brachten einen Publikumsrekord.

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In höchsten Tönen gelobt: «I Lombardi» auf dem Klosterhof. (Bild: Michel Canonica)

In höchsten Tönen gelobt: «I Lombardi» auf dem Klosterhof. (Bild: Michel Canonica)

Herr Signer, wie fällt Ihr Kurzfazit der 6. St. Galler Festspiele aus?

Werner Signer: Die Bilanz fällt sowohl emotional wie auch von den Fakten her überaus erfreulich aus. Emotional, weil es gelungen ist, mit Oper, Tanz und den Konzerten dem Publikum extrem positive Erlebnisse zu bieten. Ich bin noch nie von so vielen Leuten begeistert angesprochen worden wie dieses Jahr. Es ist ein Durchbruch, wir sind angekommen.

Keine Kritik an der problematischen Kreuzzugsthematik?

Signer: Zu mir persönlich ist keine solche Kritik gelangt. Die Oper hat szenisch wie musikalisch überzeugt, und es war ein Stoff, der prädestiniert ist, hier aufgeführt zu werden. Zudem hat die Anordnung der Bühne, der grössere Abstand zu den Türmen Anklang gefunden. Bei der Tanzproduktion «Pert Em Hru» haben wir uns erstmals entschieden, auch Hörplätze zu verkaufen, weil der Andrang so gross war. Die Resonanz war auch hier sehr positiv.

Und die Fakten?

Signer: Die gestrige letzte Vorstellung mitgerechnet, haben wir praktisch «volles Haus». Eine Auslastung von 95 Prozent zahlender Besucher, das ist phantastisch. Insgesamt zählten «I Lombardi» damit über 10000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Beim Tanz ergibt sich dank der verkauften rund 200 Hörplätze rechnerisch sogar eine kuriose Auslastung von 115 Prozent. Die Konzerte waren im üblichen Rahmen besucht; sie haben sicher ein weniger grosses Wachstumspotenzial, aber gehören zwingend zum Programm und geben ihm Tiefe.

Ist 2011 damit ein Rekordjahr?

Signer: Es geht bei der Kunst ja nicht unbedingt um Rekorde, aber publikumsmässig waren das mit Abstand die bisher erfolgreichsten Festspiele.

Auch dank Wetterglück allerdings.

Signer: Das hatten wir letztes Jahr auch schon. Überhaupt konnten wir in den letzten vier Festspieljahren, seit 2008, nur eine einzige Vorstellung nicht draussen spielen – 2007 war das einzig verregnete Festival bisher. Denkt man zurück, wie immer von St. Gallen und seinem angeblich so unwirtlichen Klima die Rede ist, dann ist das bemerkenswert. Kurzum: Wir sind sehr dankbar.

Der Tanz in der Kathedrale war in den letzten Jahren nicht unumstritten. Wie sieht es jetzt aus?

Signer: Wir haben die Bewilligung für das nächste Jahr, danach muss man weitersehen. Generell wird geschätzt, dass wir mit den Partnern im Gespräch sind und mit der Neuanordnung der Bühne auf dem Klosterplatz ein Anliegen der Kirche aufgenommen haben. Der Dompfarrer war dieses Jahr jedenfalls absolut begeistert.

Nächstes Jahr steht «La damnation de Faust» auf dem Programm. Gehört Faust auf den Klosterplatz?

Signer: Absolut. Gut und Böse, die Thematik vom Verkauf der Seele: Da geht es ans Eingemachte. Zu unserer Politik gehört, dass wir nicht den populären «Faust» von Gounod spielen, sondern die selten zu hörende Oper von Berlioz. Sie fordert noch einen grösseren Chor und ein grösseres Orchester. Wir bleiben also nicht beim Erreichten stehen, sondern versuchen, immer wieder neue Farbe in die Festspiele zu bringen.

Interview: Peter Surber

Werner Signer Direktor Konzert und Theater (Bild: Quelle)

Werner Signer Direktor Konzert und Theater (Bild: Quelle)