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Seit 1937 nicht mehr aufgeführt:
«Diese Oper ist auch für mich Neuland»

Die in Konstanz aufgewachsene Corinna Niemeyer dirigiert übermorgen in St. Gallen die Oper «L’Incoronazione di Poppea». Die Musikerin steht am Beginn einer erfolgversprechenden Karriere.
Martin Preisser
«Typisch weibliches Dirigieren gibt es nicht», sagt die deutsche Dirigentin Corinna Niemeyer. (Bild: Ralph Ribi)

«Typisch weibliches Dirigieren gibt es nicht», sagt die deutsche Dirigentin Corinna Niemeyer. (Bild: Ralph Ribi)

Als Corinna Niemeyer anlässlich eines Orchesterkonzerts für junge Hörer gefragt hat, wer einmal das Orchester dirigieren möchte, hätten sich spontan acht Mädchen gemeldet. «Für sie war das ganz natürlich, sie wussten noch nichts von der immer noch von Männern dominierten Dirigierszene.» Auch für Niemeyer ist die Frauenrolle kein Thema, auch wenn sie im Studium immer allein unter Männern war. «Für mich ist das nichts Besonderes. Ich muss mich ja nicht daran gewöhnen, dass eine Frau am Pult steht, allenfalls das Publikum oder die Orchestermusiker.»

Dass es demnächst in Paris ­einen Wettbewerb nur für Dirigentinnen gibt, findet sie gut. «Es ist eine sehr gute Gelegenheit, mehrere Dirigentinnen kennen zu lernen.» Sie selbst muss das nicht mehr mitmachen. Ihre Karriere geht, nur drei Jahre nach dem Abschluss des Dirigierstudiums, gerade recht steil aufwärts. Sie hat eine Assistenz beim Rotterdam Philharmonic und 2020 ihr Début mit dem Orchestre de Paris. An der Oper Köln hat sie bereits «La Traviata» und 2016 in Augsburg Udo Zimmermanns «Weisse Rose» dirigiert.

Ein Werkzeugkasten voller Methoden

Die Liebe zum Orchester und seinem Klang hat sie schon während ihrer Konstanzer Gymnasialzeit entdeckt, danach aber zuerst Cello und Schulmusik studiert. Aber das Dirigieren hat sie nicht mehr losgelassen. In Zürich hat sie bei Johannes Schläfli ihren Master gemacht. «Er gehört ganz sicher zu den drei besten Lehrern in Europa. Bei ihm habe ich einen vollen Werkzeugkasten an Methoden mitbekommen. Wie gehe ich mit einer Partitur um und wie mit stets wechselnden Orchestern? Welche Strategien gibt es, ein Werk wirklich einer genauen Analyse zu unterziehen? Da habe ich in Zürich ex­trem viel gelernt.» Einen Meisterkurs bei Bernhard Haitink hat sie in ebenso guter Erinnerung.

Heute assistiert Corinna Niemeyer bei internationalen Grössen wie François-Xavier Roth (SWR Sinfonieorchester) oder Ivan Fischer. Die junge Orchesterleiterin ist ziemlich gefragt und viel auf Reisen. «Wenn ich einmal eine Woche am Stück daheim in Strassburg bin, ist das viel.» In Strassburg leitet sie das Universitätsorchester. «Ich benutze es ein wenig wie mein Labor, wo ich vieles einfach ausprobieren kann.»

An Helmut Kohls Abdankung gespielt

Mit den Studenten dort hat sie auch den europäischen Staatsakt für den verstorbenen Helmut Kohl musikalisch umrahmt. «Das war ein besonderer Moment, für den ich nur acht Tage Vorbereitungszeit hatte. Helmut Kohl war ja irgendwie auch der Kanzler meiner Kindheit.» Man spürt ihre Affinität zu Frankreich, zum Leben zwischen zwei benachbarten Kulturen. Ausgezeichnet wurde sie 2018 denn bereits auch vom Deutschen Generalkonsulat in Strassburg mit dem "Preis der deutsch-französischen Freundschaft".

Auf die St. Galler Oper «L'Incoronazione di Poppea» freut sich Corinna Nie­meyer. Das neu instrumentierte Stück wurde seit seiner Uraufführung 1937 nie wieder szenisch aufgeführt. Eine Alte-Musik-Szene gab es damals nicht. Der österreichische Komponist Ernst Krenek hatte für seine Orchestrierung nur eine Melodie- und eine Bassstimme aus dem damals entdeckten Manuskript von Claudio Monteverdis Oper aus dem 17. Jahrhundert.

Frauen am St. Galler Dirigentenpult

Corinna Niemeyer ist nicht die erste Operndirigentin in St. Gallen. Bereits 1981 dirigierte Marie-Jeanne Dufour am damaligen Stadttheater Rossinis «Barbier von Sevilla». Ein Jahr zuvor war sie die erste Frau am Pult des Opernhauses Zürich. Letztmals leitete in der Saison 2017/18 eine Frau das Sinfonieorchester St. Gallen. Die estnische Dirigentin Kristiina Poska dirigierte damals das Weihnachtskonzert in der Tonhalle. Sie wird auf die nächste Spielzeit Generalmusikdirektorin am Theater Basel. (map)

So ist das Stück also keine nur bearbeitete Barockoper, sondern ein Werk, das ursprünglich barocke Musik farbig und voll spannender Orchestereffekte der 1930er-Jahre mit neuen Harmonien auffüllt. «Da steckt viel Filmmusik à la Hollywood, aber auch Puccini, Debussy oder Strauss drin», verrät Corinna Niemeyer den Stil dieses Musiktheaters. «Das ist auch für mich völliges Neuland, ein echte Entdeckung.» Hier am Theater sei sie auf ein offenes, engagiertes Orchester und eine spannende Regie gestossen. Überhaupt gefällt es der Konstanzerin in St. Gallen. «Hier läuten so viele Glocken, und es gibt viel mehr Vögel als bei mir zu Hause in Strassburg.»

Hinweis

Premiere: Sa, 11.5., 19.30 Uhr, Theater St. Gallen

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