Das Husten eines Unterhunds

Dem Krankenpfleger Schluep geht es dreckig, doch dann entscheidet er sich für ein anderes Leben. Das Glauser Quintett hat sich erneut einer Erzählung Friedrich Glausers angenommen und verleiht ihr Zwischentöne, Rhythmus und Stimmungen.

Dieter Langhart
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Der Erzähler: Markus Keller (b, tb).

Der Erzähler: Markus Keller (b, tb).

WEINFELDEN. Der Nebel war dick. Derart dick, dass das «ck» so hart aus Schlueps Hals dringt wie sein Husten. Und das Leben erträgt er fast nicht mehr: ein Nagel fährt in den Velopneu, seine Frau liegt im Spital, das Geld reicht weder für die Hauszinsen noch für das Radio. Und jetzt verleumden ihn seine Kollegen beim Direktor.

Friedrich Glausers Erzählung ist voller Leben und voller Elend, Humor auch, und endet auf einem hoffnungsvollen Akkord. Sie lässt sich lesen, besser aber hören. Der Frauenfelder Schauspieler Markus Keller erzählt sie mit krächzendem Schweizerhochdeutsch, gestaltet sie so lebendig, als stünden der Schluep und die andern auf der Bühne.

Mehr als musikalische Lesung

Keller ist nicht allein, ist Teil des Glauser Quintetts, das die Kraft und Direktheit Glausers auf der Bühne lebendig werden lässt. Samstag hatte «Schluep» Vorpremiere im Theaterhaus Thurgau, und nach «Elsi – oder sie geht um» 2011 und «Knarrende Schuhe» 2012 schliesst sich die Trilogie, die sich Glausers zu wenig bekanntem erzählerischem Werk widmet.

Der Wallenwiler Musiker Daniel R. Schneider hat wiederum die Musik komponiert. Die Sequenzen greifen zwischen die Erzählung, schieben sich darunter, stellen sich bisweilen quer zu ihr. Am Klavier gibt sich Schneider sanft und melodiös, an den Gitarren minimalistisch bis rockig verzerrt, und auch Keller nutzt mit Kontrabass und Posaune konträre Klangfarben.

Wiederkehrende Motive

Martin Schumacher wirft mit Saxophon und Klarinette jazzige Noten ein – oder färbt mit der Maultrommel die Heil- und Pflegeanstalt Randlingen grau ein, während Perkussionist Fredi Flükiger Schlueps Krächzen nachahmt, dann die Schlegel wirbeln lässt, um immer wieder an einem Armleuchter den Takt zu schlagen – wie ganz am Anfang und ganz am Schluss. Motivisch allerdings wünschten wir uns die Musik etwas variantenreicher.

Do–So, 27.–30.11., sogar theater Zürich; Do/Fr, 5./6.2., Eisenwerk Frauenfeld; Fr, 29.5., Gong Aadorf www.glauser-quintett.ch

Fredi Flükiger (dr, perc).

Fredi Flükiger (dr, perc).

Martin Schumacher (sax, cl).

Martin Schumacher (sax, cl).

Der Komponist: Daniel R. Schneider (p, g). (Bilder: Dieter Langhart)

Der Komponist: Daniel R. Schneider (p, g). (Bilder: Dieter Langhart)

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