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Vincent Peirani rettet in Montreux die Ehre des Jazz – mit einem Akkordeon

Die famose Band «Living Being» des französischen Akkordeonisten Vincent Peirani hat eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt. Ein Höhepunkt am Montreux Jazzfestival.
Stefan Künzli
Der französische Bandleader und Akkordeonist Vincent Peirani. (Bild: ZVG)

Der französische Bandleader und Akkordeonist Vincent Peirani. (Bild: ZVG)

Für die Freunde des Jazz hat die diesjährige Ausgabe des Montreux Jazz Festival enttäuschend wenig zu bieten. Sogar im neuen, schmucken Montreux Jazz Club, der im letzten Jahr eröffnet wurde und der den spannendsten Trends aus der Welt des Jazz und verwandten Stilen eine willkommene Plattform bot, ist der namengebende Stil, schon wieder in der Minderheit. Vor allem den innovativen europäischen Jazz sucht man auf den drei Hauptbühnen in Montreux vergebens. Einzige Ausnahme: Living Being, das gefeierte Quintett des französischen Akkordeonisten Vincent Peirani mit dem famosen Sopransaxofonisten Emile Parisien.

Wobei! Klanglich, formal, harmonisch, rhythmisch und melodisch hat die Musik des französischen Quintetts nur noch wenig mit herkömmlichem Jazz amerikanischer Herkunft zu tun. Vielmehr ist «Living Being» auf bestem Weg, eine ganz eigene, musikalische Sprache mit einem ganz und gar europäischen Sound zu definieren.

Die Wiederentdeckung der Melodie

Melodien, singbare, schöne Melodien waren noch vor einigen Jahren verpönt - gerade auch im europäischen Jazz. Vincent Peirani erklärt sie dagegen zur Hauptsache. Seine Kompositionen sind geprägt von meist wehmütig-melancholischen Linien mit mediterranem Flair. Es sind folkloristisch anmutende und im besten Sinn des Wortes schöne Melodien, die zum Schwelgen und Geniessen einladen.

Entscheidend für den Bandsound ist das Akkordeon des Bandleaders. Dieses Arme-Leute-Keyboard, das der Band einen folkloristischen Touch gibt und das Melancholische verstärkt. Zusammen mit Emile Parisien bildet Vincent Peirani so etwas wie das Traumpaar des französischen Jazz. Kennen gelernt haben sich die Beiden in der Band des Schweizer Schlagzeugers Daniel Humair. Seither sind sie scheinbar unzertrennlich und sind in den verschiedensten Formationen anzutreffen, auch mit dem Schweizer Stimmakrobaten Andreas Schaerer.

Interessant ist, dass der Sopransaxofonist Parisien seine Spielweise dem Bandsound anpasst. «Vincent bat mich, in seinem Projekt singbare Melodien zu spielen, ich liebe das», sagt er im Gespräch. In Montreux spielt er denn auch einfacher, hymnischer und poppiger, aber nicht weniger ekstatisch. Dabei biegt, krümmt, reckt und dehnt sich der klein gewachsene Franzose. Parisien ist der Zappelphilipp des Jazz. Ein physisches Erlebnis, bis in die Zehenspitze von der Musik durchdrungen. Auf dem geraden Saxofon ist Parisien zur Zeit das Mass aller Dinge.

Die Band verarbeitet auch Led Zeppelin

Die Band verarbeitet Elemente aus Folklore, Chanson, Musette, Pop und klassischer Musik mit den Mitteln des Jazz zu einem neuen Ganzen. Im in Montreux vorgestellten neuen Programm verarbeitet sie aber auch Rockklassiker wie «Kashmir» und «Stairway To Heaven» von Led Zeppelin. Ob die Zep-Adaptionen aber einen Mehrwert bieten, zumal die Stücke fast originalgetreu übernommen wurden, sei hier bezweifelt. Immerhin beweist die Band damit, dass sie auch rocken kann und bestätigt ihren nach allen Seiten offenen Jazz. «C’est le bordel», meint dazu Vincent Peirani. «Das grosse stilistische Durcheinander» - das grosse europäische Durcheinander.

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