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Das Glück des Augenblicks

Nichts Dramatisches passiert in Hirokazu Kore-edas «Our Little Sister». Doch die Feinfühligkeit des Japaners macht dieses Meisterwerk zum puren Glück.
Walter Gasperi
Szene aus «Our Little Sister». (Bild: pd/Trigon)

Szene aus «Our Little Sister». (Bild: pd/Trigon)

Die Familie ist das grosse Thema des 1962 geborenen Hirokazu Kore-eda. Von der Mutter verlassene Kinder begleitete er in «Nobody Knows» (2004) durch den Alltag, familiären Bruchlinien spürte er in «Still Walking» (2008) nach, und unterschiedliche Vater-Sohn-Beziehungen stellte er in «Like Father, Like Son» (2013) gegenüber.

Mit «Our Little Sister» hat Kore-eda einen Manga verfilmt – und die Vorlage «Umimachi Diary» doch zum unverkennbar eigenen Film gemacht, in dem sich Motive seines bisherigen Werks finden. Wie in «Nobody Knows» wurden die inzwischen erwachsenen Frauen Sachi, Noshino und Chika als Kinder von ihren Eltern verlassen. Früh musste Sachi die Rolle der Mutter übernehmen. Die Krankenschwester hat diese Aufgabe geprägt, sie ist die Strenge und Strukturierte im Trio, während die lebenslustige Bankangestellte Noshino eine unglückliche Liebe nach der anderen erlebt und Chika noch nicht ganz erwachsen wirkt. Als die drei beim Begräbnis des Vaters ihre 13jährige Halbschwester Suzu kennenlernen, laden sie diese ein, zu ihnen ins Haus am Rand der Küstenstadt Kamakura zu ziehen.

Vergängliche Schönheit

Wie Kore-eda beiläufig diese Stadt einfängt und immer wieder die Handlung ins Ambiente zwischen Meer und Hügel einbettet und gleichzeitig die Jahreszeiten von den leuchtenden Farben des herbstlichen Laubwaldes über die überwältigende Kirschblüte bis zur Ernte der Pflaumen verstreichen lässt, ist allein schon meisterlich. Gleichzeitig erzählt «Our Little Sister» im Wechsel der Jahreszeiten aber auch schon von der Vergänglichkeit der Schönheit, vom Wandel – vom Augenblick, den man deshalb geniessen und auskosten soll. Denn wie die Kirschblüte oder ein Feuerwerk – nie betonen solche Bilder bei Kore-eda das Symbolhafte, wirken nie aufgesetzt – ist auch das Leben insgesamt nur ein kurzes Aufflackern im Lauf der Weltgeschichte.

Ode an das Leben

Ganz auf das Alltägliche beschränkt sich der Nachfolger des japanischen Meisterregisseurs Yasujiro Ozu, er dramatisiert nicht, sondern erzählt lakonisch. Zwar werden familiäre Bruchlinien aufgedeckt, doch spätestens bei einer gemeinsamen Mahlzeit versöhnt man sich wieder. Und gekocht und gegessen wird hier immer wieder. Voll Empathie und Sanftheit blickt Kore-eda auf seine Protagonistinnen und appelliert sanft, in der Härte des Alltags nicht abzustumpfen, sich die Sensibilität für die Menschen zu bewahren, sich von der Schönheit des Lebens berühren zu lassen.

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