Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das filmreife Leben des Heinrich Kieber

Sebastian Frommelt und Sigvard Wohlwend zeichnen in «Heinrich Kieber – Datendieb» spannend das Leben des Liechtensteiners nach, der 2008 durch den Verkauf von Steuerdaten in die Schlagzeilen kam. Ab Freitag läuft der Film im Kinok.

Mit den Schlagzeilen vom Verkauf der Steuerdaten im Februar 2008 an den deutschen Bundesnachrichtendienst werfen Sebastian Frommelt und Sigvard Wohlwend den Zuschauer sofort hinein ins Geschehen und wecken Interesse, genauer zu erfahren, wer dieser Heinrich Kieber ist. Von diesem Endpunkt aus blenden die Filmemacher zur Kindheit Kiebers in den frühen 70er-Jahren zurück und zeichnen in den folgenden 50 Minuten seine Biographie nach.

Zwei Jahre lang recherchierten die Filmer sorgfältig, folgten den Spuren des Liechtensteiner Heimkindes nach Spanien und Australien und verdichteten das Material zu einem packenden Dokumentarfilm.

Unterschätzt und skrupellos

Wie bei einer soliden Fernsehreportage werden die Ereignisse zwar hauptsächlich durch einen Off-Kommentar referiert und strukturiert, doch die Fakten sind so unglaublich, dass man gebannt der Schilderung folgt.

Durch private Fotos und Filmausschnitte erhält man zudem ein Bild Kiebers und Interviews mit Bekannten, aber auch Behörden vermitteln persönliche Eindrücke dieses vielfach unterschätzten, ebenso vielschichtigen wie skrupellosen Mannes. An Spielfilme über Hochstapler wie «Catch Me If You Can», denen vielfach vorgeworfen wird, dass sie übertreiben, fühlt man sich erinnert, wenn man erfährt, dass Kieber schon mit fünfzehn eine «Karriere» als Hochstapler begann, sich später

mit immer kühneren Betrügereien Geld verschaffte, schliesslich gar den Fürst von Liechtenstein erpresste, ehe er zum grossen Coup ausholte.

Kompakt und sachlich

Ganz auf Kieber konzentrieren sich Frommelt und Wohlwend, verzichten auf Schnörkel und Nebengeschichten, sparen auch die Hintergründe zum Steuerparadies Liechtenstein aus.

Klar ist durch diese konsequente Fokussierung die Erzähllinie, immer übersichtlich bleibt der Film und verzettelt sich nie in Nebensächlichem. Gleichzeitig gewinnt «Heinrich Kieber – Datendieb» durch diese Kompaktheit seine Durchschlagskraft. Sachlich und neutral bleiben die Filmemacher dabei, lassen die Fakten sprechen und überlassen es dem Zuschauer, sich ein Urteil zu bilden.

Ganz nebenbei wird aber durch das blosse Referieren dieser Fakten eine grenzenlose Naivität und Gutgläubigkeit der liechtensteinischen Behörden und des Fürsten sichtbar, die man wohl nur mit Kopfschütteln quittieren kann.

Walter Gasperi

Kinok, Fr 6.8., 18.30; 15., 11 Uhr; 20.8., 18.30 Uhr; 29.8., 11 Uhr

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.