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Das etwas andere Dreieckschaos

In neun Szenen lebt Florian Zellers Theaterstück «Der Andere» genauen Wortwitz und skurril-groteske Wortgefechte aus. Die Inszenierung der Kellerbühne setzt in dieser Schweizer Erstaufführung auf Klarheit und Konzentration.
Martin Preisser
Der Kühlschrank als Bühnen-Angelpunkt: Simone Stahlecker und Alexandre Pelichet in «Der Andere». (Bild: Benjamin Manser)

Der Kühlschrank als Bühnen-Angelpunkt: Simone Stahlecker und Alexandre Pelichet in «Der Andere». (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Man atmet kurz nach dem Start des Schauspiels auf, weil man merkt: Hier kommt nicht die nächste psychologisierende Dreiecksgeschichte auf die Bühne. Eine Dreiecksgeschichte ja, aber eine, die ganz anders gemacht ist. Der französische Autor Florian Zeller zeigt die Unmöglichkeit der Liebe mit einem messerscharfen, sehr ausgefeilten Text. Der leicht daherkommt, sich aber glasklar beim Zuschauer festbohrt. «Der Andere» ist nicht einfach Wortakrobatik, sondern präzis austariertes Wortewetzen. Und mit einmal wird das banale Dreiecksthema spannend, weil raffiniert neu aufgerollt. Zellers Wortgenauigkeit und sein feines Sätzeschleifen zeitigen eine hintergründige Leichtigkeit und Komödiantik.

Der Genauigkeit des Textes entspricht die Genauigkeit der Inszenierung. Kellerbühnenleiter Matthias Peter bringt das Stück klar auf die Bühne. Die vielen surrealen und grotesken Momente erscheinen plastisch. Das trägt viel zum Theatergenuss bei. Man bleibt beim Geschehen, bei der Wortkunst wirklich dabei.

Wandern im Nebel

Allen Beteiligten gelingt es, das sich theatralisch subtil stets verändernde Beziehungsdreieck, die immer neuen Konstellationen von Wort- und Gefühlsgefechten in einer beweglichen, spannenden Balance zu halten. Feste Gewissheiten gibt es keine in diesem Stück. «Man wandert im Nebel. Wie irrende Schatten, das ist immer so. Das nennt man Leben», lässt der Autor «Sie» resümieren, verkörpert durch Simone Stahlecker, die den beiden Männern herrlich abgerundeten und intelligenten Gegenpart gibt. Die Schauspielerin bewegt sich souverän durch die Traumwelten und durch die phantastischen Szenerien, die dieses Stück auch immer wieder überraschend präsentiert. Simone Stahlecker zieht mit subtiler Bühnenpräsenz und leichter Hand ihre Schlussfolgerungen aus den Wirrnissen von Liebe, Betrug und Tod.

Ihren Partner «Er» spielt Alexandre Pelichet, in grauem Pulli und roten Socken schon rein äusserlich die Loser-Figur. Ein Mann, der für seine Beziehung Verbotsregeln aufstellt, der Sätze sagt wie: «Es ist die einzige Lösung, wenn wir für immer zusammen leben wollen: Nie zusammenzuleben.» Aus dieser Unlebendigkeitsfalle kommt die Figur, ebenfalls mit ruhiger, aber eindringlicher Präsenz gespielt, bis zum bitteren Ende nicht mehr heraus. Zusammen mit Simone Stahlecker zieht Pelichet unsichtbare, aber starke Fäden des Versagens.

Anspruchsvoll ist die dritte Rolle des «Anderen». Oliver Kühn muss hier als Darsteller nicht nur den Geliebten von «Ihr» spielen, sondern auch in die Rolle der Einsamkeit, des Psychologen, des Standesbeamten schlüpfen, der ein hier nicht verratenes Ende managen muss. Kühn macht diesen Rollenwechsel auf ruhige, aber fesselnde Art mit.

Sensible Musik

Genau richtig dosiert ist auch die Synthesizer-Theatermusik von Stefan Suntinger. Angenehm sensible Klang- und Geräuscheffekte, die genau die entscheidenden Übergänge, aber auch Brüche und Veränderungen der Konstellationen ankündigen und nachzeichnen. Auch diese nie überladen konzipierte Musik trägt zur Klarheit der Geschichte bei. Hoffnungsgrün, Eifersuchtsgelb, Einsamkeitsblau und Blutrot sind die monochromen Farbflächen des schlichten Bühnenbildes, die ebenfalls den packenden Wortschlachten und schnellen Dialogen viel Raum bieten.

Im Zentrum der Bühne steht ein Kühlschrank, der als Metapher für verschiedene Ideen herhält. In manchen Szenen mag er das Unbewusste symbolisieren oder die geheimen Wünsche. Jedenfalls: Immer wenn er geöffnet wird, passiert Überraschendes. Dass er viel mehr als nur ein Kühlschrank ist, merkt man spätestens, wenn eine Frau aus ihm ihren Orgasmus herausschreit.

Die Kellerbühne hat als Schweizer Erstaufführung ein überraschendes, ungewöhnliches Theaterstück nach St. Gallen gebracht. Mit einem Text, der so ganz anders ist als das sonst übliche Dreiecksgeschichtengerede auf der Bühne.

Fr/Sa, 4./5.3., Do–Sa, 10.–12.3., jeweils 20 Uhr; So, 13.3., 17 Uhr (Kellerbühne St. Gallen)

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