Filmfestival Locarno
Mit Publikum, aber mit einem Dschungel an Coronaregeln: Das Filmfestival Locarno versucht es

Das Filmfestival Locarno findet mit Publikum statt, doch wegen Corona mit einem Dschungel an Regeln. Reservation ist obligatorisch.

Gerhard Lob, Locarno
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Letztes Jahr ohne Live-Publikum, dieses Jahr mit: Das Filmfestival Locarno fährt aber im August mit leicht angezogener Handbremse.

Letztes Jahr ohne Live-Publikum, dieses Jahr mit: Das Filmfestival Locarno fährt aber im August mit leicht angezogener Handbremse.

Pablo Gianinazzi / KEYSTONE

Grosses Aufatmen: Nach der hybriden Schmalspurausgabe von 2020 findet Locarno 74, die diesjährige Festivalausgabe, wieder mit Publikum statt. Der neue künstlerische Leiter, Giona Nazzaro, der nach dem raschen Abgang von Lilli Hinstin letzten Herbst das Zepter übernahm, darf bei seiner ersten Edition in direkten Kontakt mit Zuschauerinnen und Zuschauer treten.

Doch der Zugang zu den Veranstaltungen ist wesentlich komplizierter als früher. Wichtigste Feststellung: Spontaneität hat ausgedient, für jede Vorstellung muss zuvor ein Platz online reserviert werden, egal ob auf der Piazza Grande oder in einem Saal. Dies gilt für alle Besucherinnen und Besucher. Die obligatorische Reservation kann über die Festival App auf dem Smartphone erfolgen oder über die Internetseite. Die Nutzer müssen online ein Konto anlegen. Wer neben Partner, Familienmitgliedern oder Freunden sitzen will, muss deren jeweiligen Daten eingeben. Sonst sitzt jeder für sich.

Das Festival rechnet mit einem Besucherrückgang

Ob sich potenzielle Besucherinnen und Besucher von diesem Regelwerk abschrecken lassen? Eine lokale Tageszeitung sprach von einem «Festival in der Modalität Booking». Raphaël Brunschwig, operativer Leiter des Festivals, rechnet mit einem Rückgang des Publikums gegenüber vorpandemischen Zeiten, zumal die Auslastung in den Sälen auf zwei Drittel beschränkt ist. Bei den Einnahmen aus dem Billettverkauf wird eine Abnahme von 30 Prozent erwartet. Schon jetzt steht fest: Die Ausgabe 74 wird die Kassen des Festivals erheblich belasten.

Infografiken sollen helfen, die Dispositionen zu verstehen. Ab dem 30. Juli bis 14. August sind zudem eine telefonische Hotline sowie drei Info-Points in Betrieb, um bei organisatorischen Fragen zu helfen. Trotz des Wirrwarrs haben die neuen Regeln sicherlich auch Vorteile. Wer etwa einen Film auf der Piazza Grande schauen will, muss nicht mehr Stunden vorher kommen, um einen guten Platz zu ergattern.

Masken-Obligatorium bei Saalvorführungen

Zur obligatorischen Sitzplatzreservation kommen die Corona-Schutzmassnahmen: Für die Piazza Grande ist ein Covid-Zertifikat obligatorisch, das nur gemeinsam mit einer Identitätskarte gültig ist. Im Palexpo (Fevi), wo die Filme des internationalen Wettbewerbs gezeigt werden, muss zudem zwingend eine Gesichtsmaske getragen werden. Dieses Masken-Obligatorium gilt auch für alle anderen Vorführsäle, etwa das Palacinema oder GranRex, die jedoch im Gegensatz zu Piazza Grande und Fevi auch ohne Covid-Zertifikat betreten werden dürfen. Piazza-Grande- und Wettbewerbsfilme können somit in einigen Sälen ohne Covid-Zertifikat gesehen werden.

Auch im Image-and-Sound-Büro des Filmfestivals herrscht Maskenpflicht.

Auch im Image-and-Sound-Büro des Filmfestivals herrscht Maskenpflicht.

Pablo Gianinazzi / KEYSTONE

Doch das ist noch nicht alles: Wer das Festivaldorf Rotonda by La Mobiliare besuchen will, muss sich über eine separate App einchecken (Mindful Check-in App). Dort finden ein Rahmenprogramm sowie Events für Professionals statt. Nach 18 Uhr braucht es neben dem Check-in zusätzlich ein Covid-Zertifikat, um eingelassen zu werden. Wer kein Zertifikat hat, kann sich in einem eigens eingerichteten Center testen lassen.

Filmfestival Locarno, 4.- 14.8.

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