Das Dada-Abc

Von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp bis Tristan Tzara, von Poesie bis Tanz: Wir flanieren durch die Weiten des Dada-Universums und lernen einige seiner Bewohner kennen.

Rolf App
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Hugo Ball: Karawane. (Bild: Dada-Almanach)

Hugo Ball: Karawane. (Bild: Dada-Almanach)

Arp Hans. Geboren 1886 in Strassburg (gestorben 1966), waren Dichtung und bildende Kunst seine Domänen. 1915 kam er nach Zürich und propagierte die «Poesie ohne Sinn». Seine Frau Sophie Taeuber-Arp war die einzige Schweizerin im Dada-Bund.

Baargeld Johannes. Um den in der Versicherung tätigen Vater zu provozieren, legte der Sohn (1892–1927) sich das Pseudonym Baargeld zu und nahm mit missionarischem Eifer an der Dada-Bewegung teil. Mit Collagen parodierte er die Kunstgeschichte – und gab schon 1921 die Kunst auf. Um Ökonomie zu studieren.

Ball Hugo. Ohne ihn hätte es in Zürich kein Cabaret Voltaire gegeben. Hugo Ball (1886–1927) war neben seiner Frau Emmy Hennings der einzige Gründungsdadaist, der Variété-Erfahrung hatte. Im kubistisch-priesterlichen Kostüm trug er da gerne seine Lautgedichte vor.

Duchamp Marcel. Er war der grösste Anreger der Kunst im 20. Jahrhundert und verbrachte den grössten Teil seines Lebens in New York. Mit seinen «Ready-mades» machte er durch Signatur industrielle Serienprodukte zum Kunstwerk. Zu Marcel Duchamps' (1887–1968) dadaistischen Erfindungen gehört etwa die mit Schnauz und Bart geschlechtsverwandelte Mona Lisa. Oft arbeitete er mit dem Fotokünstler Man Ray.

Ernst Max. Zusammen mit Johannes Baargeld hielt Max Ernst (1891–1976) von 1919 bis 1921 die Berliner Dada-Bewegung in Schwung. Künstlerisch arbeitet er vor allem mit Collagen.

Fotomontage. Die Fotomontage baut auf der 1912 erfundenen Collage auf. Der Begriff sowie die Technik der Fotomontage wurde 1916 im Dadaismus entwickelt. Wer der Erfinder war, ist umstritten, da sowohl Raoul Hausmann und Hannah Höch wie auch John Heartfield und George Grosz behaupteten, sie entdeckt zu haben.

Glauser Friedrich. 1916 brach Friedrich Glauser (1896–1938) sein Chemiestudium ab, im Jahr darauf lernte er den Dadaisten Tristan Tzara kennen. Ausgiebig beteiligte er sich an Dada-Soireen, rezitierte Texte und bearbeitete ein Tamburin.

Grosz George. Als «Propagandamarschall» von Dada-Berlin entwarf George Grosz (1893–1959) Collagen aus Bild und Wort, auch Parolen wie «Dada siegt!» stammten von diesem Maler und Dichter, dem es vor allem die vielen Gesichter der Grossstadt angetan hatten.

Hausmann Raoul. Seine berühmteste Plastik, «mechanischer Kopf», zeigt den Menschen als ein von Zahlen und Technik verwirrtes Wesen. Raoul Hausmann (1886–1971) nannte sich «Dadasoph», Satire, Manifest, Fotomontage und Collage waren seine Arbeitsfelder.

Heartfield John. Die Berliner Spielart von Dada hatte im Unterschied zur spielerischen Zürcher Variante eine deutlich politische Stossrichtung. Das zeigt sich etwa bei John Heartfield (1891–1968), der Maler, Grafiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner war, ein Pionier zwischen Kunst und Medien.

Höch Hannah. Sie machte grotesk-abstrakte Puppen und Collagen, die Marionetten und der Tanz verbanden Hannah Höch (1889–1978) auch mit Sophie Taeuber-Arp.

Laban-Tanzschule. Auch der Tanz befreite sich im Dadaismus vom Zwang einer Erzählung und Repräsentation. Prägend war dabei der ungarische Tänzer Reszö Laban de Váraljas, der sich Rudolf von Laban nannte. Er machte aus dem Tanz ein eigenes Kunstwerk.

Lautgedicht. Hugo Balls «Karawane» ist ein besonders einprägsames Beispiel für jenen Aufbruch, den Dada für die Literatur bedeutete. Lautgedichte wie dieses spielten mit dem Klang der Worte. Ball sah sie als radikale Verneinung einer ihm suspekt und verlogen erscheinenden Sprache und fand dankbare Nachahmer.

Mehring Walter. Im Jahr 1919 stiess zu den Berliner Dadaisten ein Mann, der jede Veranstaltung zum Erfolg führen konnte. Walter Mehring (1896–1981) war ein begnadeter Texter von bissigen Couplets und Dramoletten; wenn gar nichts mehr lief, konnte man sich auf eine Einlage von ihm verlassen.

Picabia Francis. «Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann»: Das war Francis Picabias Lebensmotto. Mit seinen Bildern und Installationen machte der 1879 Geborene schon vor Dada von sich reden. Durch Vermittlung von Tristan Tzara kam er 1919 nach Zürich, hier und in Paris spielte er eine wichtige Rolle. Künstlerisch trat er unter anderem mit Collagen wie Cure-dents hervor.

Schwitters Kurt. Wie Hans Arp war Kurt Schwitters (1887–1949) ein Multitalent. Er malte, collagierte, bastelte, schrieb Nonsens-Lyrik und schuf visuelle Poesie.

Taeuber-Arp Sophie. «Es war Sophie Taeuber, die mir durch das Beispiel ihrer klaren Arbeiten und ihres klaren Lebens den rechten Weg, den Weg zur Schönheit, zeigte», hat Hans Arp von der Frau gesagt, die er 1922 heiratete. Sophie Taeuber-Arp, geboren 1889 in Davos und aufgewachsen im ausserrhodischen Trogen, war als Malerin, Bildhauerin, Textilgestalterin, Innenarchitektin und Tänzerin eine der bedeutenden, leider schon 1943 verstorbenen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Tzara Tristan. Zusammen mit seinem Landsmann Marcel Janco zog Samuel Rosenstock (1896–1963) von Rumänien nach Zürich und nannte sich fortan Tristan Tzara. Unermüdlich rührte er hier die Trommel für Dada, er machte die Dada-Soireen zu hochexplosiven Erlebnissen. Und er war ein Verfechter des Lautgedichts.

Marcel Duchamp: L.H.O.O.Q. (Bild: Fotoagentur nordlicht)

Marcel Duchamp: L.H.O.O.Q. (Bild: Fotoagentur nordlicht)

Francis Picabia: Cure-dents. (Bild: Dada100zürich2016)

Francis Picabia: Cure-dents. (Bild: Dada100zürich2016)

focus - dada

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