«Das bringt manche Städter zum Staunen»

Die Gemeindepräsidentin von Widnau, Christa Köppel, engagiert sich auch als Präsidentin der Rheintaler Kulturstiftung, die seit fünf Jahren besteht. Die Stiftung setzt sich unter anderem dafür ein, das Rheintal als Kulturregion bekannter zu machen. Zudem vergibt sie morgen erneut einen Kulturpreis.

Martin Preisser
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Christa Köppel, Gemeindepräsidentin von Widnau. (Bild: pd)

Christa Köppel, Gemeindepräsidentin von Widnau. (Bild: pd)

Kultur wird im Kanton vor allem über die Hauptstadt, über St. Gallen wahrgenommen. Die ländlichen Regionen gehen da oft ein wenig vergessen. Ist das im St. Galler Rheintal genauso?

Christa Köppel: Das ist im St. Galler Rheintal sicherlich genauso. Es wird ja in vielerlei Hinsicht unterschätzt. Angefangen bei der Wirtschaft und den sehr erfolgreichen Unternehmen. Aber auch in kultureller Hinsicht hat es mehr zu bieten, als von aussen wahrgenommen wird. Wir wollen uns aber nicht beklagen, denn wir sind dran, die Qualitäten des Rheintals sichtbar zu machen – auch als Kulturregion.

Warum hat es Kultur auf dem Land immer noch deutlich schwerer als in der Stadt?

Köppel: Da stellt sich zuerst einmal die Frage: «Wie definieren wir Kultur?» Und was heisst «auf dem Land»? Reden wir vom semiurbanen Lebensraum Rheintal: Hier wird der Kulturbegriff sicher etwas weiter gefasst. Nebst hochstehender professioneller Kultur gibt es ganz viel Laienkultur. Viel Kultur geschieht im regen Vereinsleben. Wenn man den Begriff also ein wenig weiter fasst, findet man im Rheintal reichhaltige kulturelle Auseinandersetzungen. Sie sind sicher weniger ambitioniert und kommerzialisiert, aber nicht minder spannend und kreativ als in der Stadt.

Warum braucht es eine eigene Rheintaler Kulturstiftung? Konkurrenziert sie die kantonale Kulturförderung oder ergänzt sie sie?

Köppel: Der Auftrag ist klar gefasst. Die Rheintaler Kulturstiftung will die Kulturkräfte im Tal bündeln und das Profil des Rheintals als Kulturregion stärken, indem sie für eine gemeinschaftliche Unterstützung von Kulturprojekten und -institutionen besorgt ist. Und nicht weniger wichtig: Sie vereinfacht die Kulturförderung, indem sie Kulturschaffenden einen «One stop shop» anbietet. Und die kantonale Kulturförderung konkurrenzieren wir keinesfalls, vielmehr ergänzen wir sie. Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur ist sehr eng. Und seit es die Rheintaler Kulturstiftung gibt, werden auch viel mehr Kulturprojekte im Tal durch das Amt für Kultur und den Lotteriefonds gefördert. In diesem Sinn ist es also gelungen, beim Kanton ein Mehr an Aufmerksamkeit auf interessante Kulturprojekte im Rheintal zu lenken.

Das Rheintal befinde sich im Prozess einer Neudefinition, auch als profilierte Kulturregion, heisst es auf der Homepage Ihrer Kulturstiftung. Wie weit ist das Rheintal bereits eine Kulturregion, die diesen Namen verdient?

Köppel: Das St. Galler Rheintal verbindet man sicher nicht in erster Linie mit Kultur. Zu Unrecht, denn wir haben wahre Trouvaillen. Wir verfügen über vier sehr aktive und vitale Kleintheater und über eines der letzten Landkinos im Kanton. Wir können auch mit musikalischen Leuchttürmen wie den Heerbrugger Schlosskonzerten oder den Blues- und Jazztagen aufwarten. Klar, es kann immer noch mehr Kultur geschehen. Wir sind da auf gutem Weg.

Wie wichtig ist Kultur als Standortvorteil im Rheintal?

Köppel: Kultur gehört zu einer guten Lebensqualität. Und sie ist Innovationskraft pur. Wir haben einiges an Kultur zu bieten. Wenn ich über den Rhein nach Vorarlberg oder Liechtenstein schaue, dann müssen wir den Vergleich mit anderen Regionen nicht scheuen. Es ist immer eine Gesamtbetrachtung: qualifizierte Arbeitsplätze, Natur und Naherholung, Wohnen und Arbeiten vor Ort und ein reichhaltiges kulturelles Angebot im Vierländereck. Das bringt manche Städter zum Staunen, wenn sie sich erst mal hier niedergelassen haben.

Was sind die Hauptstrategien der Rheintaler Kulturstiftung, um das Rheintal auch in kultureller Hinsicht zum «Chancental» werden zu lassen?

Köppel: Die Kräfte bündeln, Kulturförderung vereinfachen und Unterstützung bieten bei der Kulturvermarktung. Mit dieser wichtigen Basisarbeit hat die Rheintaler Kulturstiftung den Grundstein gelegt für mehr Kultur. Dies ist unsere Erfahrung aus fünf Jahren Kulturstiftung. Die Anzahl Gesuche und Kulturprojekte ist in dieser Zeit in der Region markant gestiegen.

Der Rheintaler Kulturpreis wird morgen zum drittenmal verliehen. Welche Bedeutung hat er für die Region, aber auch für die Kunstschaffenden und die Kulturszene?

Köppel: Der Preis ist sehr wichtig für unsere kulturelle Identität. Er zeigt, welch herausragende Kulturschaffenden wir haben. Die Verleihung des Goldiga Törgga würdigt die phantastische kulturelle Arbeit, die hier geleistet wird. Der Preis ist Anerkennung und Ansporn für uns alle.

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