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Thriller-Tipp: Das Böse erobert eine fragile Realität

Man fragt sich, warum einer derart finstere Literatur verfasst. Und warum man sich davon faszinieren lässt. Dan Chaon versenkt einen Psychiater in dessen eigene Abgründe.
Arno Renggli
Dan Chaon (53) hat fünf Jahre am Buch gearbeitet. (Bild: Ulf Andersen)

Dan Chaon (53) hat fünf Jahre am Buch gearbeitet. (Bild: Ulf Andersen)

Dan Chaon aus Cleveland, Ohio, schreibt echt krankes Zeug. Dies macht er so gut, dass etwa in den USA Leser wie Kritiker begeistert sind. Was fast unvermeidlich ist, derart raffiniert lockt einen der Autor in die Abgründe der menschlichen Psyche. Dorthin, wo das Böse lauert, das sich jedem Verständnis entzieht. Dorthin, wo wir selber – natürlich im Schutz der Fiktion – nur zu gerne mitgehen. Denn tragen wir nicht alle unter der meist gut sortierten Oberfläche auch das Böse in uns?

Sicher trifft das zu auf Dustin Tillman, Psychiater und Protagonist des Romans. Das Leben des scheinbar braven Familienvaters gerät gründlich aus dem Lot. Vor 27 Jahren war sein Adoptivbruder Rusty wegen des Mordes an ihrer beider Eltern verurteilt worden, nicht zuletzt wegen der Aussage von Dustin, der damals noch ein Knabe war. Doch nun wird Rusty freigelassen, weil neue DNA-Analysen seine Unschuld beweisen. Ist er auf Rache aus?

Auch leidet Dustin unter dem Krebstod seiner Frau, während die Beziehung zu seinen Söhnen immer mehr Risse bekommt. Da behauptet einer seiner Patienten, der Ex-Cop Aquil, einem Serienmörder auf der Spur zu sein, der junge Männer ertränkt. Dustin lässt sich immer mehr darauf ein, mit Aquil zusammen dem Täter nachzuspüren. Und es kommt zu einem neuerlichen Mord.

Mehrere Erzählstränge teils auf gleichen Buchseiten

Dan Chaon wechselt Zeitebenen und Erzählperspektiven munter durch, über mehrere Strecken sind die Buchseiten gar dreigeteilt, um ein «gleichzeitiges» Erzählen von drei Strängen zu ermöglichen. Dies alles geschieht nach dramaturgisch ausgeklügeltem Plan. Allmählich zeigt sich, dass es für den damaligen Elternmord verschiedene mögliche Abläufe gibt und Dustin selber eine dubiose Rolle spielte. Derweil in einem späteren Handlungsstrang auch sein Teenagersohn in den Dunstkreis der Verderbnis gerät.

Im Zentrum aber steht weiterhin Dustin, der zunehmend den Realitätsbezug verliert. Seiner Wahrnehmung kann auch der Leser immer weniger trauen. Weshalb sich vermischt, was real passiert und was sich in Dustins Kopf abspielt. Wäre es real, dann wäre es schrecklich. Denn das absolut Böse, das ohne rationales Motiv agiert, zeigt sein Gesicht.

Soll man so etwas wirklich lesen? Jedenfalls ist es aufregend, psychologisch packend, lockt die Fantasie des Lesers ins Dunkle, entzieht einem den Boden der Gewissheit. Und das alles erzählerisch auf Topniveau.

Dan Chaon: Der Wille zum Bösen. Heyne, Fr. 23.-

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