Das Besinnliche und das Theatralische

Das Lucerne Festival bekennt sich in seiner Osterausgabe wieder vermehrt zu den ursprünglichen Wurzeln. Mit dabei sind Mariss Jansons und Teodor Currentzis.

Mario Gerteis
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Entscheidendes Gewicht liegt in der Osterausgabe des Lucerne Festivals auf geistlicher Musik. Dafür werden auch einheimische Kräfte herangezogen und zwar gerade für Raritäten: etwa das geistliche Singspiel «Die Schuldigkeit des Ersten Gebots» des elfjährigen Mozart oder die spätbarocke Passionsmusik «Der Tod Jesu» von Carl Heinrich Graun. Dabei müssen sich die Luzerner Ausführenden dem Vergleich mit den Koryphäen der internationalen Szene stellen.

Zum Beispiel mit Spitzenensembles aus München, dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter ihrem Chefdirigenten seit 2003, dem Letten Mariss Jansons. Die Aufführung von Antonin Dvoráks Stabat Mater wurde, trotz gewissen Einschränkungen bei den Solisten, zu einem markanten Schwerpunkt des diesjährigen Festivalgeschehens.

Jansons, mit seinen 72 Jahren ein Altmeister im Maestrofach, dirigiert mit runden, kreisenden Bewegungen, gelassen, ohne Hektik. Da muss nichts demonstriert werden, die Musik fliesst gewissermassen von selbst – tief in ihrer Emotionalität, ergreifend in ihrer Besinnlichkeit. In diesem Werk, mit dem Dvorák die Türe zum Weltruhm aufstiess, reagierte der Komponist auf den Tod dreier seiner Kinder. Es ist eine Musik des Schmerzes und zugleich des Trostes – packend, wie Jansons den weiten Bogen spannte, das Meditative immer wieder zu lapidaren Steigerungen führte – ein bewegender Abend.

Tönende Show

Ein Festival wie Luzern braucht auch seine Sensation. Dafür zuständig war eine exotische Gruppierung. Der griechische Dirigent Teodor Currentzis hat in Russland ein Ensemble auf Originalinstrumenten gegründet, das anders sein will als alle andern. Musica Aeterna tritt dort auch im Opernhaus auf, und das Theatralische gehört unabtrennbar eben dazu. Leider konnte die geplante Kombination von Werken Johann Sebastian Bachs mit solchen seines französischen Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau wegen der Erkrankung der Sopranistin nicht realisiert werden. Stattdessen gab's eine abendfüllende orchestrale Rameau-Suite, mit Ouverturen, Intermezzi und Balletteinlagen aus dessen Opern.

Es knallte und hämmerte an allen Ecken. Das grossbesetzte Ensemble (fünf Kontrabässe!) mit verstärktem Schlagzeug bot hochaufgeregten Barock. Zwischendurch kam es zu leisen Tönen, selbst das können die russischen Musiker. Lieber aber stampfen sie den Rhythmus mit, tanzen zwischendurch auf dem Podest, steuern einen Geschwindigkeitsrekord an.

Spiel mit dem Licht

Natürlich spielt das Licht mit, von völliger Dunkelheit bis zu grellen Scheinwerferkaskaden im Klangfarbenrausch. Vorne der Chefdirigent mit kantigen Bewegungen. Am Schluss, wenn Currentzis mit der grossen Trommel durchs Orchester schreitet und mit den Musikerinnen schäkert, ahnen wir, warum er in Russland auch als Schauspieler in Kinofilmen auftritt.

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