Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der neue Roman von Theres Roth-Hunkeler:
Das Basteln an der eigenen Familie hört nie auf

Familie bedeutet nicht einfach Glück. Sondern ist mit nie endenden Konflikten, Risiken und Ängsten verbunden. Dies zeigt Theres Roth-Hunkeler auf berührende Art. Lohnt es sich dennoch, Familie zu haben?
Arno Renggli
Die Luzerner Autorin Theres Roth-Hunkeler (65). (Bild: AyseYava/PD)

Die Luzerner Autorin Theres Roth-Hunkeler (65). (Bild: AyseYava/PD)

Ich habe einen Fehler gemacht. Und mitten im Buch ein wenig zu schmökern begonnen. Habe von einer Frau gelesen, die sich in riesige Collagen vertieft. Oder die sich an einem Englischkurs mit anderen Teilnehmern unterhält. Worum geht’s da eigentlich?

Dann also ganz konventionell von vorne: und so finde ich rein in die Story. Protagonistin Annabelle ist 55, hat drei erwachsene Töchter, lebt getrennt von deren Vater gerade in Kopenhagen.

Mütterliches Engagement ist nicht willkommen

Bei zwei der Töchter läuft es nicht schlecht, obwohl eine mit etwas konfrontiert werden wird, das sie durchschüttelt. Buchstäbliches Sorgenkind ist die dritte Tochter, Cora. Sie ist psychisch instabil, nimmt Drogen. Der Kontakt mit ihr schwierig. Cora ist in Berlin, lebt vermutlich auf der Strasse.

Es gibt noch andere Baustellen in Annabelles Leben: Zwar hat sie eine neue Beziehung, aber mit dem Ex verbinden sie immer noch gemeinsame Sorgen, vor allem um Cora. Und ihre Schwester, deren einziger Sohn an Krebs gestorben, wird diesen Verlust wohl nie überwinden können.

Also bastelt Annabelle: an Collagen, für die sie auch mal den neu gekauften teuren Mantel zerschneidet. An ihrem Englisch mit Hilfe einer toughen Kursleiterin, welche die Schüler anhält, einander Persönliches preiszugeben. An den Beziehungen zu ihren Töchtern, die mütterliches Engagement nicht immer gleich schätzen. Gerade in Bezug auf Cora muss Annabelle schmerzlich akzeptieren, dass ihr Einfluss begrenzt und unerwünscht ist. Dass andere mehr ausrichten können.

So die junge Rose, die Annabelle im Englischkurs kennen gelernt hat und die selber problematisches Verhalten zeigt, auch im Kontext mit Drogen. Doch dieser Rose gelingt es, halbwegs zu Cora durchzudringen. Und am Ende wird möglich, was als eine Art Cliffhanger dem Roman zusätzliche Spannung verleiht: die Begegnung Annabelles mit der Tochter. Jedoch fern jeder Familienromantik, mit offenem Ausgang. Ausser der Gewissheit, dass sie beide und ihre Beziehung schwierig bleiben werden.

Collagieren auch typisch für Arbeitsweise als Autorin

Der in Hochdorf geborenen und in Baar lebenden Theres Roth-Hunkeler ist ein spannendes Personen- wie Familienporträt gelungen. Das literarische Motiv des Collagierens passt zum Bemühen der Protagonistin, ihre Familie zu analysieren und quasi verbessert zusammenzusetzen. Es widerspiegle aber auch ihre eigene Schreibweise: «Ich schreibe nie von A bis Z, sondern immer wieder an einzelnen Szenen, auch entgegen der zeitlichen Abfolge.»

Hauptthema aber ist die Familie aus Sicht einer Mutter. Sie erlebt, dass Probleme, Konflikte, Sorgen und Ängste im Bezug auf Kinder nie aufhören. Gerade weil sich Situationen und Konstellationen immer wieder ändern. Diese Belastung führt unweigerlich zur Frage: Lohnt es sich: Theres Roth-Hunkeler, selber Mutter von drei erwachsenen Kindern und auch mit Schicksalsschlägen in der eigenen Familie vertraut, bejaht dies ohne Vorbehalt: «Familie bedeutet einen Reichtum an Emotionen und Erfahrungen».

Theres Roth-Hunkeler: Allein oder mit andern. Edition Bücherlese, 314 S., Fr. 36.--.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.