Das Arbeitstier

Auf seinem neuen Album experimentiert der Schweizer Bastian Baker mit Stil und Stimme und verarbeitet gescheiterte Beziehungen.

Kathrin Reimann
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Er glaubt eher an Menschen als an Gott: Der Schweizer Sänger Bastian Baker. (Bild: François Berthier)

Er glaubt eher an Menschen als an Gott: Der Schweizer Sänger Bastian Baker. (Bild: François Berthier)

Bastian Baker, Ihr neues Album heisst «Too Old To Die Young». Dabei sind Sie mit gerade mal 22 Jahren definitiv nicht zu alt, um jung zu sterben.

Bastian Baker: Ich habe den Spruch in einem Club gelesen, und er hat mich ziemlich irritiert. Tagelang habe ich über seine Bedeutung nachgedacht, weil er eigentlich nicht logisch ist. Für mich bedeutet mein Albumtitel, dass es im Leben nicht um die Anzahl Jahre, sondern um Momente, Erlebnisse und Erinnerungen geht.

Ihr letztes Album hiess «Tomorrow May Not Be Better» – Morgen wird wahrscheinlich nicht besser. Woher kommt Ihr Hang zu pessimistischen Albumtiteln?

Baker: Sie sind eher philosophisch denn pessimistisch. Die Sprüche haben zwei Seiten und regen so zum Nachdenken an.

Sind Sie anders an Ihr zweites Werk herangegangen?

Baker: Ja, das neue Album haben wir live aufgenommen, dadurch konnte ich die Sache gemütlicher angehen. Bei der ersten Platte ist mir vor lauter Dingen, die ich beachten musste, fast der Kopf explodiert. Ich experimentiere auf dem neuen Album auch mehr, einerseits mit Hip-Hop und Elektro-Elementen, andererseits mit meiner Stimme. Beim ersten Album wollte ich vor allem korrekt singen, neu habe ich jedem Song eine eigene Farbe verpasst. Auch die Texte sind anders, während ich beim ersten mehr Fragen an das Leben hatte, sind die Texte des zweiten Albums das Resultat aus drei Jahren permanent Unterwegssein.

Haben Sie nie eine Pause gemacht?

Baker: Nein, ich arbeite seit fast drei Jahren Tag und Nacht. Als Independent-Künstler muss ich das, aber ich mache es gerne. Zwischendurch habe ich mir zwar auch mal einen Tag frei genommen, aber ich brauch das gar nicht unbedingt…

Da bleibt wohl auch nicht viel Zeit für die Liebe, von der Sie auf ihrem neuen Album oft singen.

Baker: Ja das stimmt, allerdings sind die Texte nicht immer autobiographisch. Aber auf zwei Songs verarbeite ich eine Beziehung von letztem Jahr. Ich war mit einem Mädchen von einem anderen Kontinent zusammen. Wir wussten, dass die Beziehung nach drei Monaten vorbei sein würde, da sie zurück musste. Es war, wie wenn man eine unheilbare Krankheit hat; man will intensiv und schnell leben, so viel wie möglich erleben. Auch eine ältere Beziehung habe ich aufgearbeitet. Dabei geht es um eine extrem besitzergreifende Liebe und wie es ist, wenn Partner unterschiedliche Lebensgeschwindigkeiten haben.

Sie gelten als Mädchenschwarm, gefällt Ihnen diese Rolle?

Baker: Ich kannte den Begriff gar nicht, aber die Medien verwenden ihn gerne. Das Wort ist schön, ich sehe mich aber nicht unbedingt als Mädchenschwarm. An meine Konzerte kommen nicht nur kreischende junge Frauen, sondern die unterschiedlichsten Leute. Sogar Hells Angels in Lederkluft habe ich schon gesichtet.

Auf Ihrem T-Shirt prangt eine Marienfigur, sind Sie religiös?

Baker: Das T-Shirt stammt von einer Lausanner Firma, die ich sehr mag. Die verwenden viele religiöse Symbole, die mir aber nicht viel bedeuten. Ich glaube eher an Menschen als an Gott.

Bastian Baker: Too Old To Die Young (Phonag Records), ab 27.9. erhältlich. Live: Am 14.12. im Komplex 457 in Zürich

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