Das Alltagsgefühl des Schweizers wird vertont – doch die CD dazu wird erst während der Tour aufgenommen

Mundart-Poet Pedro Lenz und Gitarrist Max Lässer gehen gemeinsam auf Tour: Eine Hommage an das Mittelland.

Stefan Künzli
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Mundartpoet Pedro Lenz (links) und Saitenvirtuose Max Lässer im Übungsraum an der Kronengasse in Baden. Bild: Colin Frei (21. Oktober 2019)

Mundartpoet Pedro Lenz (links) und Saitenvirtuose Max Lässer im Übungsraum an der Kronengasse in Baden. Bild: Colin Frei (21. Oktober 2019)

«Baby, Baby, Baby. I fahre dür ds Land, i luegen use und au paar hundert Meter stöu i mer d Frog, wie lang, dass me son es Schüud im Durchschnitt muess lo hange».

Nein, das Stück «Baby» handelt nicht vom Schweizer Schilderwahlkampf. Vielmehr beschreibt der Berner Mundartpoet Pedro Lenz mit feiner Ironie die Geburtstafel- und Babyschilder-Manie der Lina, Lea und Lolo, die seit einiger Zeit die eidgenössischen Gärten und Häuser von Jungfamilien schmücken oder, je nach Sicht, verunstalten.

«Mittelland» heisst das neue Programm von Pedro Lenz und dem Badener Saitenkünstler Max Lässer. Abgeleitet von Lässers Überlandorchester geht es um den Alltag im Lebensraum Mittelland. «Es ist eine Hommage an die Normalität. Wir sind beide Mittelländer, seit Jahren bereisen wir dieses Gebiet, selten den alpinen Raum. Ich reibe mich daran und nerve mich, und doch ist es unser Zuhause», sagt Lenz.

Am besten kommt die mittelländische Normalität im Stück «Fiiuschen» zum Ausdruck. «Mir si Fiiuschen», sagt Lenz. Darin stehen «Bündner Nusstorte und Thai-Curry», die beliebtesten Speisen in den SBB-Speisewagen, für helvetische Fusion. «Vermuetlech steit das für üsi Gägend und für üsi Zit. Exotik und Romantik, Färnweh und Heiweh, Heiweh und Färnweh», spricht Lenz in markantem Dialekt.

Pedro Lenz: Eine Annäherung an Gesang

In Lässers Proberaum an der Kronengasse Baden geben die Mittelländer Kostproben ihres Programms. «Keine Angst, ich singe nicht», sagt Lenz lachend. Und doch: So nah an so etwas wie Gesang war er noch nie. Dazu bewegt sich der lange Berner im Rhythmus der Musik. Pedro Lenz hatte schon immer eine Affinität zu Musik.

«Ich bin Rock-’n’-Roller und Rock ’n’ Roll kommt für mich aus Langenthal»

,sagt er. Schon seit Jahren vertont er mit dem Ochsner-Pianisten Christian Brantschen seine Romane. «Das ist etwas ganz anderes», sagt Lenz, «ich lese, Brantschen reagiert.» «Im neuen Projekt sind es dagegen eigentliche Songs, mit Strophe und einem refrainartigen, wiederkehrenden Teil», wie Lässer betont. Und Pedro wird Musiker.

«Ich war schon Fan von Max, als er noch mit dem Bündner Liedermacher Walter Lietha unterwegs war», sagt der 54-jährige Lenz über den 69-jährigen Lässer. Vor zehn Jahren ist die Idee der beiden AZ-Kulturpreisträger geboren, doch gepasst hat es nie. Jetzt ist der Zeitpunkt ideal.

«Nach 17 Jahren mit meinem Überlandorchester war es Zeit für eine neue Herausforderung»

,sagt Lässer und legte sein Orchester erst einmal auf Eis. Er hatte Lust, wieder elektrisch zu spielen und die ganze Bandbreite seines Könnens zu nutzen. Lenz wiederum war nach einer Babypause wieder hungrig auf kreative Arbeit.

Fast zehn Jahre hatte Lässer nichts mehr komponiert. Umso grösser war der Schaffensdrang, als er vor einem Jahr begann und gegen 50 Nummern und Stimmungen kreierte. Music first, erst danach kamen die Texte. Lenz hat sich Stücke ausgesucht, die von der Atmosphäre her zu den Inhalten passen könnten. Dann wurde der Text angepasst, die Musik verändert.

In diesem kreativen Prozess stecken die beiden noch. Vor einer Woche war Premiere im Café Mokka in Thun. «Sie ist gelungen, aber wir und das Songmaterial müssen auf der Tour noch weiter wachsen», sagt Lenz, «wir müssen aneinander wachsen.» Die CD wird deshalb erst mitten in der Tour aufgenommen.

Dabei agieren die beiden auf der Bühne wie eine Band. «Es soll ein Freiraum bleiben. Die Stücke verändern sich und bleiben nie gleich», sagt Lässer. Sehnsuchtsmusiker Lenz ergänzt: «Sprache ist Rhythmus. Jetzt lerne ich, wie wichtig Pausen sind.» «Ich habe es geahnt: Von Musikern lerne ich mehr als von Schauspielern.»

Live an folgenden Daten

26. 10. Wetzikon 
30. 10. Chur
1. 11. Seon
2.11. Liestal
6. 11. Frick
22. 11. Luzern
23.11. Herisau
29./30. 11. Baden 
5. 12. Langenthal 
13.–15. 12. Olten