Danke für den Kaktus

Villa Kunterbunt

Bettina Kugler
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Das Schönste an einem Fest sei der Tag davor, las ich kürzlich in einem dieser kleinen Heftchen, in die man, wenn man zu viel Zeit hat, persönliche Vorlieben und Erinnerungen eintragen kann. Für den Muttertag trifft das, wenn ich meine Vorlieben ehrlich befrage, nicht zu. Auch sonst finde ich den Tag nach einem Fest viel schöner: Alle Sorgen, die hochgesteckten Erwartungen nicht zu erfüllen, haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Man hat es heil überstanden; es war nicht halb so schlimm wie befürchtet. Beim Muttertag kommt hinzu, dass man nichts zum Gelingen beitragen darf. Nicht leicht für Mütter! Allfällige Vorbereitungen muss man geflissentlich übersehen. Man muss sich feiern lassen für etwas, das sich oft eher wie Scheitern anfühlt. Sich freuen über riesige Blumensträusse und aufwendig hergestellte Brunches. Wie herrlich wäre es stattdessen, in Ruhe Zeitung zu lesen ...

Das Schönste entdeckte ich auch diesmal am Tag danach, auf der Kinderseite der «Zeit»: die Anleitung für ein Last-Minute-Muttertagsgeschenk, einen Kaktus aus bemalten Steinen. Kein Witz! Den hätte ich gern bekommen, denn er passt zu mir: genügsam, steinhart in vielen Dingen, überraschend im Blühverhalten (sicher nicht am Muttertag!). Und die Stacheln? Sind bloss aufgepinselt.

Bettina Kugler

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