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Tanzkompanie Rotes Velo tanzt in St.Gallen Dada mit Worten

Berge mit zerfetzten Buchseiten, groteske Wesen, Sprachspielereien: «Revolution Dada» der St. Galler Tanzkompanie Rotes Velo führt in eine Welt, die im Chaos versinkt. Am Donnerstagabend hatte es in der Grabenhalle in St. Gallen Premiere.
Nina Rudnicki
Sie tanzen in ihren schrillen Kostümen über Buchseiten: Die Performer der Kompagnie Rotes Velo. (Bild: Urs Bucher)

Sie tanzen in ihren schrillen Kostümen über Buchseiten: Die Performer der Kompagnie Rotes Velo. (Bild: Urs Bucher)

Die Bühne ist zentimeterdick mit herausgerissenen Buchseiten bedeckt. Im Dunkeln leuchten auf Tafeln die Begriffe «Absence», «Beginning» und «Light». Aus dem Nebel tauchen zombiehafte Gestalten ohne Gesichter auf, die sich durch diese Trostlosigkeit bewegen. Im Laufe des Stücks «Revolution Dada» wandeln sie sich zu Aufziehpuppen, die in einem Kabinett gefangen zu sein scheinen. Sie verschmelzen zu einem organisch verschlungenen Körper, der sich an einer bühnenfüllenden Wandtafel entlang bewegt und dort mit Kreide die Spuren einer erstarrten Revolution hinterlässt. Sie erscheinen als Dragqueens, deren Tanz zunehmend kriegerischer wirkt. Sie ­verkörpern die Figuren «Lampedusa», «die syrische Braut», «die Näherin von Bangladesch» und «das somalische Bankett». Schliesslich erwecken sie eine Puppe, deren Körper lediglich aus einem Migrossack besteht, zum Leben. Beinahe wirkt diese wie ein reales Wesen. Nur: Den hohlen Kopf stopft sich die Puppe mit Buchseiten voll.

Aus einem Migrossack wird eine Puppe. (Bild: Urs Bucher)

Aus einem Migrossack wird eine Puppe. (Bild: Urs Bucher)

«Wieso also nicht den Autor umbringen?»

Es ist eine abstossende, aber auch eine zarte und filigrane Welt, welche die St. Galler Tanzkompanie unter der künstlerischen Leitung von Emilio Diaz Abregu und ­Exequiel Barreras in ihrem neuen Stück erschafft. So entsteht in «Revolution Dada» eine Welt im Geiste jener Künstler, die vor ­ 103 Jahren in Zürich das Cabaret Voltaire gründeten. In «Revolution Dada» fasziniert diese Welt, was auch an den schrägen und futuristischen Musikinstrumenten liegt, die Marie Delprat am Bühnenrand zum Einsatz bringt.

Rotes Velo im Blättermeer vor der Schrifttafel. (Bild: Urs Bucher)

Rotes Velo im Blättermeer vor der Schrifttafel. (Bild: Urs Bucher)

Acht Kapitel dauert es, bis die Revolution abgeschlossen ist und die Performer Yannick Badier, Viva Foster, Petr Nedbal und Jack Widdowson erschöpft in der Dunkelheit verschwinden. Sie starren auf die Wandtafel, die sich mit Dutzenden Worten und Begriffen gefüllt hat. Der Zusammenhang bleibt unklar. Einzelne Szenen bleiben in Erinnerung, und Sätze: «Die Welt entsteht durch Worte. Worte zu besitzen, bedeutet Macht haben, zu erschaffen. Wieso also nicht den Autor umbringen?» Die Zuschauer müssen sich auf Chaos und Unkonventionelles einlassen wollen. Offen bleibt, ob das Stück verstanden werden oder das Geschehen auf der Bühne einfach ausarten soll – Dada eben.

Hinweis
Weitere Vorstellungen in St. Gallen, Wil, Frauenfeld und Herisau.

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