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Interview

Blue-Balls-Direktor Urs Leierer: «Da sind Welten aufeinandergeprallt»

Ab kommendem Freitag dominiert das Blue Balls wieder das Luzerner Nachtleben. Dabei hat zum zwanzigsten Mal das KKL eine Hauptrolle. Festivaldirektor Urs Leierer spricht über Stolz, Konflikte und Verluste.
Michael Graber
Das allererste Blue-Balls-Konzert, das im KKL stattfand: US-Blues-Legende Buddy Guy am 28. Juli 1999. (Bild: Peter Appius)

Das allererste Blue-Balls-Konzert, das im KKL stattfand: US-Blues-Legende Buddy Guy am 28. Juli 1999. (Bild: Peter Appius)

Urs Leierer, dieses Jahr sagen Sie zum zwanzigsten Mal auf der KKL-Bühne Konzerte an. Geniessen Sie diese Momente jeweils?

Es ist nicht so, dass ich das besonders suche. Ich mache das auch nicht wegen mir und meinem Ego, sondern weil ich es schön finde, wenn ein Künstler nicht einfach so auf die Bühne kommen muss. Wenn es die Künstler nicht wünschen, dann verzichte ich gerne drauf. Letztes Jahr habe ich Patti Smith angesagt. Sie hat mir vorher verraten, dass sie noch nie in ihrer Karriere eine Ansage hatte, beziehungsweise tolerierte. Das war eine Ehre.

Ich kann mich noch an das Konzert von James Bay erinnern, als Sie ausgebuht wurden, weil der Künstler Ver­spätung hatte. Geht einem so etwas nah?

Nein. Da legt man sich über die Jahre eine dicke Haut zu. Ich wurde auch ausgebuht, als ich George Clinton nach dreieinhalb Stunden von der Bühne holte. Gekniffen habe ich bei der Abmoderation von Airbourne. Bei diesen Rockern ist im Publikum so viel Bier durch die Luft geflogen, dass ich «pflotschnass» geworden wäre, wenn ich da auf die Bühne wäre.

Sie sagten mal, das Blue Balls habe die KKL-Bühne entjungfert. Wie war das damals?

Wir sind immer organisch gewachsen und waren vorher ein bisschen ein Wanderfestival: mal Union, mal Schüür, mal Pavillon. So sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir in Luzern nicht mehr wachsen konnten. Als dann das KKL eröffnete, war sofort klar, dass wir auch dahin wollten. Das habe ich dann auch durchgezogen. Wir waren die Ersten, die Rock und Blues-Shows im Konzertsaal machten.

Wurden Sie mit offenen Armen begrüsst, oder gab es von der Klassik-Front einige skeptische Blicke?

Nein, da sind schon Welten aufeinandergeprallt. Im ersten Jahr hatten wir sechs Blues-Shows da. Unter anderem kam Johnny Winter. Der wollte erst auf die Bühne, wenn das Saallicht aus war. Die Techniker des KKL wollten das Licht aber erst dimmen, wenn auch der letzte Platz besetzt war. Ich hatte diesbezüglich heftigen Streit im Backstage. Sie haben am Anfang unsere Welt einfach nicht verstanden. Es gibt ja auch keine Dirigenten, die noch einen grossen Schluck Whiskey nehmen, bevor sie auf die Bühne gehen. Das kommt bei Rockstars durchaus vor.

Festivaldirektor Urs Leierer: «Letztlich ist die Höhe der Gage leider immer noch wichtiger als die Location.» (Bild: Key/Sigi Tischler)

Festivaldirektor Urs Leierer: «Letztlich ist die Höhe der Gage leider immer noch wichtiger als die Location.» (Bild: Key/Sigi Tischler)

Wäre ein Blue Balls ohne KKL denkbar?

Ja. Vielleicht im Landesmuseum in Zürich. In Luzern aber kaum. Es fehlt an Alternativen.

Und umgekehrt: Wäre das KKL ohne Blue Balls denkbar?

Natürlich. Das Blue Balls hat einfach geholfen, das KKL zu öffnen. Wir haben gezeigt, dass dort auch Shows abseits von Klassik möglich sind.

Wie ist die Beziehung zwischen Lokal und Festival? Ist sie mittlerweile symbiotisch? Es gab ja auch Zeiten, als Sie etwas klagten.

Ja, diese Zeiten gab es. Aber momentan ist die Zusammenarbeit hervorragend. Sie hat sich markant verbessert unter der Leitung von Dominik Isler, der damals als COO beim KKL war. Vorher waren die Verhandlungen zäh und teilweise mühsam. Mittlerweile wissen beide Parteien, was sie aneinander haben. Das ist eigentlich immer eine gute Ausgangslage, um miteinander zu sprechen.

Hat das KKL bei den Stars noch einen besondern Status?

Am Schluss ist die Höhe der Gage leider immer noch wichtiger als die Location. Aber natürlich: Das KKL hat eine ausserordentliche Qualität – dafür Defizite bei der Quantität, also bei der Anzahl Plätze. Aber gleichzeitig muss man auch genügend ehrlich sein, dass es zwar ein sehr guter Saal ist, aber es weltweit Dutzende aussergewöhnliche Venues gibt. Wenn ich da einem Künstler vom «besten Saal» vorschwärme, sagen die nur: «Ich habe schon alles gesehen.» Das ist so eine Luzerner Tendenz, dass man alles immer mit Superlativen schmückt. Man soll doch einfach ehrlich sagen, was es ist: Es ist ein sehr ­guter Konzertsaal in einer der schönsten Städte der Schweiz.

Sind Sie stolz, dass Sie seit zwanzig Jahren Konzerte im KKL machen?

Stolz ist das falsche Wort. Ich bin eher überrascht. Oft hatten wir keine Ahnung, wie wir das nächste Festival überhaupt noch finanzieren können. Das KKL ist nicht nur eine grosse Chance, sondern auch eine grosse Aufgabe. Ein grösserer Saal verlangt nach grösseren Namen, die wollen grössere Gagen und so weiter. Ich hätte damals nicht gedacht, dass wir das 2018 immer noch machen.

Sind Sie mittlerweile immer noch jedes Jahr überrascht, oder sind die Festivalbeine etwas solider geworden?

Es ist ein Kampf, der jährlich härter wird. Vielen ist nicht bewusst, dass ein Festival dieser Art enorm viel kostet. Das Festival generiert eine riesige Wertschöpfung, aber wir tragen das gesamte Risiko. Wir haben in den letzten Jahren hohe Verluste gemacht. Die Stadt bezahlt weniger, der Kanton gar nichts, Sponsoren wollen weniger bezahlen, aber natürlich mehr Leistung. Es hört bei den Leuten auf, die für die Events rund ums Seebecken keinen Pin kaufen. Es ist mühsam, dass man das Jahr für Jahr immer von neuem ins Bewusstsein rufen muss.

Entjungfert haben Sie das KKL mit Ihrer Liebe: dem Blues. Der hat es aber zunehmend schwer. Dieses Jahr hält Gary Clark Jr. das Fähnlein recht einsam aufrecht.

Aber der Blues lebt. Und gerade auf Gary Clark Jr. freue ich mich. Dieses Konzert lasse ich mir nicht entgehen, obwohl ich während des Festivals kaum Zeit habe.

Auf was freuen Sie sich sonst noch an dieser Ausgabe?

Ich freue mich, wenn alles gut läuft. Und auf Eels.

Blue Balls: 20. bis 28. Juli. Info: www.blueballs.ch

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