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«Da kann die Puste ausgehen»

Am Schluss seines vierten Jahres als Intendant des Opernhauses Zürich inszeniert Andreas Homoki Vincenzo Bellinis «I Puritani» und äussert sich im Gespräch zum Umgang mit Stars – die ebenfalls Teil des Ensembles werden müssen.
Tobias Gerosa
Homokis «Fliegender Holländer» – mit Anja Kampe und Bryn Terfel, dem Star mit gewissen Sonderrechten. (Bild: T+T Fotografie/Toni Suter, Tanja Derendorf)

Homokis «Fliegender Holländer» – mit Anja Kampe und Bryn Terfel, dem Star mit gewissen Sonderrechten. (Bild: T+T Fotografie/Toni Suter, Tanja Derendorf)

Herr Homoki, Sie inszenieren am Opernhaus Vincenzo Bellinis «I Puritani». Warum hat Intendant Homoki den Regisseur Homoki auf dieses Stück angesetzt?

Andreas Homoki: Unser kleiner Bellini-Zyklus war ein Wunsch von Fabio Luisi, dem Generalmusikdirektor des Opernhauses. Da ich Bellini bislang noch nicht inszeniert hatte, dachte ich, dass ich mich der Zürcher Belcanto-Tradition einmal selber stellen sollte.

Sehen Sie spezielle Herausforderungen bei Belcanto-Opern?

Homoki: Bei Bellini liegt der Fokus nicht immer auf äusserer Logik, sondern auf intensiven Emotionen, gesanglich virtuos ausgestaltet. Da lässt sich nichts eins zu eins erzählen, es braucht gute szenische Lösungen, sonst können Dinge leicht lächerlich wirken. Die Abläufe werden von starken traditionellen Formen geprägt, Situationen werden aus musikalischen Gründen zeitlich ausgedehnt, da kann einem Regisseur schon mal die Puste ausgehen und dann stehen die Sänger halt einfach an der Rampe. Das kennen wir ja zur Genüge.

Was machen Sie, wenn Ihnen die Puste in einer Szene ausgeht?

Homoki: Das passiert nicht!

Und wenn doch?

Homoki: Dann hätte ich meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich sitze deshalb lange Stunden vor dem Bühnenbildmodell und spiele, probiere durch.

Wie sieht Ihr Konzept aus?

Homoki: Vor der Premiere möchte ich nicht zu viel verraten. Aber uns ist wichtig, die Gewalttätigkeit, die im Stück als Hintergrund ständig präsent ist, nicht aus den Augen zu verlieren. Das Stück spielt zur Zeit der Religionskriege, da ging es zu wie heute mit dem IS in Syrien.

Zeigen Sie das auch so?

Homoki: (Stöhnt) Och... Statisten mit Maschinengewehren? Das kauft einem doch keiner mehr ab. Nein, wir erzählen die Geschichte aus ihrer Zeit heraus, mit stilisiert historischen Kostümen – wie auf Rembrandts Bild «Nachtwache».

Eben sagten sie, 1:1 gehe nicht.

Homoki: So wird es auch nicht. Wir zeigen die historischen Figuren in einem abstrakten Raum, stark stilisiert in einer Schwarz-Weiss-Ästhetik, betont antinaturalistisch. Von vordergründigen Aktualisierungen habe ich noch nie viel gehalten.

Wie geht der Intendant Homoki da mit dem Regisseur Homoki um?

Homoki: Homoki als Regisseur bekommt die gleichen Bedingungen wie andere Regisseure. Keine Sonderbehandlung, keine «Chef-Inszenierungen».

Aber Star-Inszenierungen: Diese «Puritani» haben Sie gezielt mit dem Tenorstar Juan Diego Florez geplant. Jetzt sagte er ab.

Homoki: Wir planen gerade mit Stars wie Florez bis zu fünf Jahre im voraus. In der Zwischenzeit singt er den Arturo nicht mehr. Das kommt vor. Aber wir haben mit Larry Brownlee einen mehr als adäquaten Ersatz, zudem einen hervorragenden Darsteller.

Wie wichtig sind Stars in Ihrer Planung?

Homoki: Grosse Namen mit Newcomern zu mischen ist wichtig. Ebenso wichtig ist es aber, dem Publikum auch die Künstler vorzustellen, die unserer Meinung nach die grossen Grossen von morgen sind.

... und die auch die Kosten überschaubar halten.

Homoki: Richtige Stars spielen ihre Mehrkosten durch höhere Besucherzahlen und Ticketpreise leicht wieder ein. Aber das sind wenige. Und sie müssen in unser Gesamtkonzept passen.

Was heisst das?

Homoki: Auch der grösste Star muss Teil eines Ensembles werden, wenn eine szenisch glaubwürdige Aufführung entstehen soll. Dazu braucht es Proben. Wir planen in Zürich insgesamt sechs Wochen für eine Neuproduktion. Wenn ein Künstler so gefragt ist, dass er meint, er bräuchte erst drei Wochen später dazuzustossen, fühlen sich die Kollegen zu Recht deklassiert.

Hand aufs Herz: Keine Ausnahmen?

Homoki: Na ja. Es gab auch schon Kompromisse. Bryn Terfel kam für den «Fliegenden Holländer» zwei Wochen später. Das ging, weil er in der ganzen Oper insgesamt nur 40 Minuten auf der Bühne steht. Da musste ich halt bestimmte Szenen vorziehen, kein Problem. Grundsätzlich sind Proben aber nicht verhandelbar, sonst bekommen wir keine vernünftigen Regisseure mehr.

Wird dies nicht auch kompromittiert, wenn für Wiederaufnahmen die Besetzungen stark wechseln?

Homoki: Die Wiederaufnahmen brauchen selbstverständlich ebenfalls ausreichende Proben.

Sie haben eben Ihre fünfte Zürcher Saison vorgestellt. Sind Sie mit dem Opernhaus, wo Sie sein wollten?

Homoki: Nach meinen Erfahrungen aus zehn Jahren Berlin konnte ich alles sehr gut vorbereiten. So lief bereits die erste Saison ziemlich gut – und die laufende Saison finde ich im Hinblick auf unsere Neuinszenierungen sogar besonders gelungen.

Das Publikum hat Ihr Programm rasch angenommen.

Homoki: Ich hoffe, man merkt, dass wir uns um Seriosität bemühen. Aber ein wenig Glück brauchts dann halt auch noch...

Vincenzo Bellini: I Puritani, Premiere Sonntag, 19. Juni 2016, Opernhaus Zürich

Andreas Homoki Intendant Opernhaus Zürich (Bild: ky)

Andreas Homoki Intendant Opernhaus Zürich (Bild: ky)

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