Coronakrise: Das St.Galler Kinok bietet mit einem Pantoffelkino Netflix und Co. die Stirn

Um seinem cinephilen Publikum trotz Pandemie ein Angebot bereitzustellen, hat das Programmkino in Zusammenarbeit mit Schweizer Verleihern und Streaming-Anbietern Filme für zu Hause zusammengestellt. Eine Aktion auch gegen die Vormachtstellung der globalen Player.

Christina Genova
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Leere Sitzreihen im St.Galler Kinok. Online aber bietet das Programmkino in Zusammenarbeit mit Schweizer Streaming-Plattformen als Trostpflaster exklusive Premieren.

Leere Sitzreihen im St.Galler Kinok. Online aber bietet das Programmkino in Zusammenarbeit mit Schweizer Streaming-Plattformen als Trostpflaster exklusive Premieren.

Hanspeter Schiess

Zu Hause Filme streamen  gehört in Lockdown-Zeiten zur Lieblingsbeschäftigung vieler, deren Leben sich überwiegend in den eigenen vier Wänden abspielt.  Netflix, Sky Show und wie die grossen  Player alle heissen, gehören jetzt schon zu den grossen Gewinnern der Coronapandemie.

Sandra Meier leitet das St.Galler Programmkino Kinok.

Sandra Meier leitet das St.Galler Programmkino Kinok.

Hanspeter Schiess

Einige Schweizer Programmkinos setzen gegenüber dieser Übermacht ein Zeichen.  Mit dabei ist ab sofort auch das St.Galler Programmkino Kinok: «Es geht darum, den globalen Anbietern etwas entgegenzusetzen», sagt dessen Leiterin Sandra Meier. So wie man jetzt nicht bei grossen Konzernen Bücher bestellen solle sondern bei lokalen Buchhandlungen. «Ausserdem möchten wir unseren zahlreichen regelmässigen Kinogängern die Abstinenz etwas versüssen und stellen ihnen deshalb ein von uns kuratiertes Angebot zur Verfügung.»

Dank Partnerschaften mit unabhängigen Schweizer Streaming-Plattformen und Schweizer Filmverleihern ist es möglich, einen Teil des Programms, das derzeit im Kinok zu sehen wäre, zu Hause zu streamen. 
Auf Filmingo, der Streaming-Plattform der Stiftung Trigon-Film, finden sich neun vom Kinok ausgewählte Filme,  zum Beispiel Pablo Larraíns «Ema y Gastón», der kurz vor der Coronakrise dort angelaufen war. Oder die Premiere von «You Will Die at 20», die nun ausschliesslich online stattfindet. Die Einzelmiete kostet bei Filmingo acht Franken, das Monatsabo gibt es ab neun Franken.

Auf dem Filmportal Cinefile findet das Publikum vier vom Kinok zusammengestellte Filme:  Darunter die Premieren von Andrea Štakas «Mare» (Einzelmiete 16 Franken) und Roy Anderssons «About Endlessness» (Einzelmiete 18 Franken), die aufgrund der Schliessung nur kurz zu sehen waren. Diese Mietpreise entsprechen ungefähr den Kosten eines regulären Kinobilletts. Konkurrenzfähig mit Netflix ist man damit nicht, dafür unterstützt man mit jedem Film, den man via Homepage des Kinok aussucht und anschaut,  gleichzeitig das Kinok: «Für die Vermittlung bekommen wir von den Anbietern einen minimalen Anteil an den Einzelmieten», sagt Meier. Es sei aber für niemanden ein lukratives Geschäft:

«Für uns ist es schön, dass wir auf Schweizer Anbieter zurückgreifen können. Diese haben im Gegenzug  die Möglichkeit, über uns auf ihre Plattformen hinzuweisen.»
Filme schauen mit Pantoffeln an den Füssen: Mit diesem Bild bewirbt das St.Galler Kinok sein Streaming-Angebot.

Filme schauen mit Pantoffeln an den Füssen: Mit diesem Bild bewirbt das St.Galler Kinok sein Streaming-Angebot.

Bild: PD

Kurzarbeit für Kassen- und Operateuerpersonal

Seit gestern Donnerstag findet zudem die Online-Premiere von Bruno Dumonts «Jeanne» statt. Das Billett kostet 10 Franken, die Hälfte kommt dem Kino zugute, die andere Hälfte «Outside the Box», dem Verleiher des Films, der die Aktion initiiert hat. Dies sei eine kleine Massnahme, um einen Sektor zu unterstützen, der mit voller Wucht von den aktuellen Einschränkungen getroffen worden sei, schreibt «Outside the Box».

«Für die Schweizer Kinos ist die momentane Situation eine Katastrophe», sagt denn auch Sandra Meier. Wie geht man im Kinok um mit der Schliessung? «Es geht uns so wie allen: Wir arbeiten, so gut wir können. Das, was möglich ist, bereiten wir vor, zum Beispiel unsere Filmreihen. Oder wir arbeiten auf, was sonst im Alltag liegenbleibt.» Für das Kassen- und Operateurpersonal werde man Kurzarbeit beantragen. Meier kann der Krise aber auch positive Aspekte abgewinnen:

«Es tut gut, zu entschleunigen und andere Prioritäten zu setzen.»
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