Corona statt Plattentaufe: Wie die drei Brüder aus Flawil mit ihrer Band The Rule trotzdem Erfolg feiern

Treibende Riffs und Psychedelik: Drei Flawiler Brüder mischen mit ihrer Band The Rule den Ostschweizer Rock auf. Die Plattentaufe konnte zwar wegen des Lockdowns nicht stattfinden, trotzdem verfolgen Sven, Finn und Noah Rupp ihren Traum: eine Konzerttournee im Ausland. 

Urs-Peter Zwingli
Drucken
Teilen
Die Brüder Sven, Finn und Noah Rupp aus Flawil sind die Band The Rule.

Die Brüder Sven, Finn und Noah Rupp aus Flawil sind die Band The Rule.

Bild: PD

Sven, Finn und Noah Rupp sitzen an einem Samstagabend Ende März zu Hause und reden via Skype-Videotelefon über ihre Musik. In dieser Nacht hätten die drei Brüder aus Flawil die EP «Ogre» ihrer Band The Rule taufen wollen. Doch wie alle Kulturanlässe fiel ihr Konzert in der Grabenhalle der Coronakrise zum Opfer.

«Wir regen uns nicht auf. Die Taufe wird irgendwann nachgeholt und wir machen in der Zwischenzeit viel Musik», sagt der 21-jährige Schlagzeuger Sven Rupp. Weit haben es The Rule bis zu ihrem Proberaum nicht: Er ist im Keller des Hauses, wo die drei bei ihren Eltern wohnen.

Die drei machen rotzigen Rock’n’Roll – das erinnert an die US-Band Kings of Leon, die ebenfalls aus drei Brüdern und einem Cousin besteht. «Wir haben schon viele Vergleiche gehört», sagt der 18-jährige Sänger und Bassist Finn Rupp und lacht. Oft gemacht wird auch jener mit Led Zeppelin: Finns Stimme, die zwischen rauen und hohen Tönen wechselt, erinnert an den legendären Gesang von Led Zep-Frontmann Robert Plant.

Zudem tragen The Rule Hippiehemden, enge Hosen, Hüte und wallend lange Haare. «Led Zeppelin sind ein wichtiger Einfluss für uns. Ihre musikalische Vielfalt ist inspirierend», sagt Finn Rupp. Der 1970er-Look ihrer eigenen Band sei aber kein Konzept. «Das ist unser Stil, weil er uns gefällt. Wir haben uns nicht abgesprochen.»

2016 Band gegründet, 2019 am Clanx und Openair Val Lumnezia gespielt

Auch musikalisch schaffen es The Rule, Zutaten aus den 1970ern mit aktuellen Elementen zu mischen. So entstehen einerseits schnörkellose Zwei-Minuten-Songs wie etwa «Talking To Me» von der ersten EP, dessen treibendes Gitarrenriff an den frühen Danko Jones erinnert.

Auf der jüngst erschienenen EP «Ogre» finden sich andererseits ausufernde Lieder, wie «In A Little Village». Der Song vereint über seine sieben Minuten ruhige, fast psychedelische Parts mit harten Abschnitten, zwischendurch ertönt eine Hammondorgel.

«Wir haben uns im letzten Jahr musikalisch noch besser gefunden. So können wir experimentieren und mehr Effekte einsetzen», sagt Sven Rupp. An ihrem Zusammenspiel haben The Rule 2019 auf vielen Bühnen gefeilt: Die 2016 gegründete Band spielte im vergangenen Jahr so oft live wie nie zuvor.

«Highlights waren sicher die Auftritte am Open Air Lumnezia, am Appenzeller Clanx Festival und am Out in the Gurin in Sargans», sagt der 23-jährige Gitarrist Noah Rupp. Irgendwie habe 2019 vieles zusammengepasst.

«Mit jedem Konzert, das du spielst, lernst du wieder neue Leute kennen. So ergeben sich oft weitere Auftritte.»

Das sagt Sven Rupp, der für das Booking zuständig ist. Hilfreich sei auch der zweite Platz am bandXost-Contest 2018 gewesen.

Fünf Songs in drei Tagen

Die Band kümmert sich selber um Organisatorisches wie Konzerte oder ihre Website. Auch sonst haben sie eine unkomplizierte Arbeitsweise. Ihre neue EP mit fünf Songs haben sie innerhalb von drei Tagen im Lowcutproduction Studio in Romanshorn aufgenommen. Die Musik hat die Band live eingespielt, nur der Gesang wurde gesondert aufgenommen. «So kommt musikalisch einfach eine bessere Energie auf», sagt Finn Rupp.

Stichwort Energie: Wie ist es eigentlich, mit seinen Brüdern, mit denen man zusammenlebt, in einer Band zu sein? «Ich sehe nur Vorteile. Wir können ehrlich miteinander umgehen. Und wenn es doch mal Streit gibt, vertragen wir uns schnell wieder», sagt Noah Rupp, und seine Brüder stimmen zu.

Diese Nähe erlaubt es The Rule auch, viel Zeit in ihre Musik zu investieren. Die drei Flawiler proben fünfmal pro Woche; jeden Abend, wenn sie von ihren Berufen als Schreiner, Elektriker und Automechaniker nach Hause kommen. «Ein Traum wäre es, Konzerte im Ausland zu spielen und zu touren», sagt Booker Sven Rupp.

Vorerst hoffen The Rule wie viele andere Musiker darauf, 2020 doch noch einige Konzerte zu spielen. Als nächster Schritt soll zudem ein ganzes Album entstehen. «Es gibt keinen fixen Zeitplan dazu», sagt Finn Rupp. Sowieso sei das Organisatorische nicht ihre grosse Stärke, fügt Noah Rupp an: «Wir wollen einfach Musik machen. Das ist das Wichtigste.»

therule-official.com; beide EPs von The Rule auf Spotify. Die neue EP «Ogre» ist auch auf Vinyl erschienen und kann über die Band bestellt werden.

Appenzellerin gewinnt bandXost-Nachwuchswettbewerb

Nach über vier Stunden Musik und Party stand fest: Die Sängerin Riana aus Appenzell gewinnt den diesjährigen bandXost-Nachwuchswettbewerb vor «The Rule» aus Flawil und den Thurgauern «The Solar Temple».
Sascha Erni

Musikstars rufen mit Wohnzimmer-Konzert zum Durchhalten auf

Die grossen Stars der Musikszene haben die Amerikaner in der Corona-Krise mit einem emotionalen Wohnzimmerkonzert zum Durchhalten aufgerufen. Der TV-Sender Fox strahlte das von Elton John moderierte «iHeartRadio Living Room Concert for America» aus.