Comics: So wird Batman zum Heftliheld

David Boller hat jahrelang in Amerika Superhelden-Serien gezeichnet: Batman, Spiderman, X-Man. Worauf es bei Panels und Strips ankommt, zeigt er gern in Workshops – zum Selberausprobieren.

Bettina Kugler
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Erst kommt die Vorzeichnung mit Bleistift, dann wird nachgezogen und farbig ausgemalt. Superhelden wirken riesig, wenn «die Kamera» weit unten ist. (Bild: Ralph Ribi)

Erst kommt die Vorzeichnung mit Bleistift, dann wird nachgezogen und farbig ausgemalt. Superhelden wirken riesig, wenn «die Kamera» weit unten ist. (Bild: Ralph Ribi)

Bettina Kugler

Nichts geht über die eine Sekunde, in der das Glühbirnchen aufblinkt wie beim Erfinderhuhn Daniel Düsentrieb. Ohne Idee keine Geschichte, ohne Geschichte kein gedrucktes Comic-Heft. David Boller weiss das nur zu gut. Hunderte von Seiten mit ­Panels (so heissen die einzelnen, schwarz umrandeten Bilder eines Comics) hat er skizziert und ausgearbeitet. Erst mit Bleistift, dann mit Tusche, die weiteren Schritte mit dem Scanner und mit Fotoshop zur Bildbearbeitung. Früher gab es das aber nicht.

David Boller ist einer der be­kanntesten Comic-Zeichner in der Schweiz. Schon als Bub fing er damit an, Geschichten in Bildern zu erfinden. Die ersten Heftli vervielfältigte er selbst und verkaufte sie direkt, für fünfzig Rappen das Stück. Jetzt ist er bald fünfzig Jahre alt, zeichnet immer noch gern und gibt Workshops für Kinder und Jugendliche. Da verrät er Tricks und Kniffe, erzählt ein wenig von seinen Lehrjahren in Amerika, wo er bei weltbekannten Verlagen wie Marvel Superhelden gezeichnet hat: Batman, Spiderman, X-Man. Als er wieder zurückkam in die Schweiz, machte er Wilhelm Tell zum Comic-Helden. Wie er da vorgegangen ist, zeigt er an Beispielen. Vor allem aber will er zum Selbermachen anregen.

An diesem Nachmittag nehmen knapp zwanzig Mädchen und Buben teil. Die jüngsten sind Primarschüler, die ältesten sechzehn Jahre alt. Jeder hat Papier vor sich und Bleistifte, Farbstifte, einen schwarzen Fineliner. Manche fangen schon an zu kritzeln, bevor es losgeht. Manchmal klappt es dabei bereits mit der zündenden Idee. Andere warten ab, was David Boller mitbringt an Wissen. Oder sie spicken, was ihre Nebensitzerin strichelt. Den ersten Einfall aber braucht jeder für sich, und er kommt nicht auf Knopfdruck. Danach muss man überlegen, wie sich die Idee in Bildern umsetzen lässt. Ziel ist im Workshop eine einzige Seite – die aber von A bis Z. Aus der Idee soll eine kleine Story werden. Für die brauchen wir ein Seitenlayout, eine Abfolge von Einzelbildern. Bei längeren Geschichten macht man ein Szenario, wie ein Filmdrehbuch. Dann werden die Bilder vorgezeichnet, später mit Filzstift nachgezogen, am Ende ausgemalt.

Erst Totale, dann Nahaufnahme: Die Abfolge muss logisch sein

David Boller erinnert sich noch gut an seine ersten eigenen Versuche. «Ich habe vor allem das nachgemacht, was es damals so am Kiosk gab, ‹Raumschiff Enterprise›, ‹Planet der Affen› und solche Sachen.» Er hat auch nicht vergessen, dass Comics früher nicht so gern gesehen waren, vor allem bei Lehrern nicht. Sie galten als «Schund» im Gegensatz zu guten Büchern. «Heute sind die meisten Erwachsenen schon froh, wenn Kinder überhaupt lesen», sagt er. Doch eine kleine Fragerunde im Workshop zeigt, dass auch die Eltern oft schon begeisterte Comic-Leser waren. Einige haben die Sammlung von Disneys lustigen Taschenbüchern beim Papi abgestaubt, bis zu 200 Einzelbände.

Jetzt merken sie beim Zeichnen, dass die Bilder logisch aufeinanderfolgen müssen. Dass oft das erste Bild eine «Totale» ist, dann geht es näher ran bis zur Nahaufnahme. «Close-up» heisst die. Wenn sich die «Kamera» dreht, spricht man von Gegenschuss. Superhelden werden oft von unten gezeigt: So sehen sie viel riesiger und mächtiger aus. Wir Helden des Bleistifts beugen uns derweil über noch weisse Blätter. Und denken vorerst nicht daran, die Comic-Welt zu retten.