COMEDY: Für Gucci geht sie über Leichen

Im ersten Soloprogramm «Alles beschtens» singt Chrissi Sokoll von ihrer Handtaschensucht und der Hockey-Mütter-Mafia – dem ganz normalen Wahnsinn einer Mutter. Demnächst in Herisau, Wil und Frauenfeld.

Mirjam Bächtold
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Chrissi Sokoll verwandelt sich dank einem Föhn in Kate Winslet in Titanic-Stimmung. (Bild: PD)

Chrissi Sokoll verwandelt sich dank einem Föhn in Kate Winslet in Titanic-Stimmung. (Bild: PD)

Mirjam Bächtold

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Die All-Inclusive-Ferien sind gebucht und alles könnte so schön sein. Doch unterwegs im Auto riecht es plötzlich nach Erbrochenem und der Mann macht eine Vollbremsung, sodass sie gegen die Windschutzscheibe schlägt und sich die Nase bricht. «Alles beschis … Alles beschtens!», singt Chrissi Sokoll. Mit dem gleich­namigen Comedyprogramm tritt sie ab nächster Woche dreimal in der Ostschweiz auf.

Chrissi Sokoll wurde in der Schweiz bekannt durch Haupt­rollen in den Musicals «Space Dream», «Melissa» und «Twist of Time». Später tourte sie mit der Comedygruppe «Peperonis» durch die Schweiz. «Das war mein Einstieg in die Comedy», sagt Chrissi Sokoll im Gespräch nach der Vorstellung in Zürich. Vor acht Jahren fand jedoch die letzte Vorstellung mit der Gruppe statt und Chrissi Sokoll widmete sich ihrem Mann und ihren drei Kindern. «Ich musste mich entscheiden: Entweder ich trete gar nicht mehr auf, was für mich sehr schlimm gewesen wäre, denn mein Herz gehört auf die Bühne. Oder ich schreibe ein eigenes Programm, damit ich die Probe- und Auftrittszeiten selbst bestimmen kann.» Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit und liess sich dafür von ihrem Familien­alltag inspirieren. Sie holte ihre alten Tagebücher hervor und ­begann, ihre Erlebnisse für eine comedytaugliche Version auf die Spitze zu treiben.

Überraschung trotz Klischees

Auf der Bühne träumt Chrissi ­Sokoll von vergangenen Zeiten. Der Steinzeit etwa, in der sich Frauen nicht mit Problemen wie Orangenhaut oder Krampfadern plagen mussten, weil es schlichtweg keine Spiegel gab. «Vom Sammeltrieb der Steinzeit stammt wohl unser Suchtverhalten ab», philosophiert sie. Und singt dann von ihrer eigenen Sucht. Haschisch, Alkohol, Kokain, das kann ihr nichts anhaben. Wovon sie nie die Finger lassen kann, sind Handtaschen. «Au wenn sich die meiste tüend gliiche, für Gucci gang ich über Liiche», singt sie. Ein Klischee, das an die Serie «Sex and the City» erinnert. Der Humor ist teilweise etwas vor­hersehbar. Doch Chrissi Sokoll bringt immer wieder über­raschende Pointen. Da bleibt es nicht bei unzähligen Taschen­käufen. Sie veranstaltet einen «Neuselabend», bei dem sie in alten Handtaschen stöbert und nicht Alltägliches daraus hervorkramt. Etwa die nie abgeschickten Liebesbriefe aus der fünften ­Klasse oder ein uralter Nuggi vom Sohn, der mittlerweile zwölf Jahre alt ist.

Eishockey und andere Drogen

Viele Episoden aus Chrissi Sokolls Comedyprogramm hat die Künstlerin tatsächlich erlebt. «Ich war wirklich einmal der einzige Gast in einem Ayurveda-Hotel in Sri Lanka. Dabei hatte ich auf Gleichgesinnte gehofft», sagt sie. Viele Episoden hat sie jedoch dazu­erfunden oder übertrieben. Etwa die Ode an die beste Freundin, mit der sie sich die Kleider teilt und mit der sie gemeinsam durch dick und dünn und sogar bis aufs Klo geht. Doch die Freundschaft artet wegen Eifersucht aus und Chrissi Sokoll fesselt die Freundin im Keller.

Übertrieben sind auch die ­Erinnerungen an die Eishockey-Karriere ihres Sohnes. Für sie ist seine Leidenschaft für den Sport gleichbedeutend wie ein Absturz in Drogen und Alkohol. «Ich fühlte mich in dieser Hockey-Mütter-Mafia wie eine Vegetarierin an einer Metzgete.» Sie erzählt von den Müttern, die ihre Kinder auf Leistung trimmen und sich über die ersten an einem Hockeymatch ausgeschlagenen Zähne freuen.

Genauso vielseitig wie die Geschichten sind auch die Musikstile, zu denen Chrissi Sokoll singt. Dabei geht sie in den unterschiedlichen Rollen richtig auf, man merkt ihr die Bühnenerfahrung aus Musicals an und sieht, dass sie sich auf der Bühne zu Hause fühlt. Anfang April hat sie ihr Programm in Zürich präsentiert. Auch ihr Mann und ihr ältester Sohn haben es gesehen. Es mache ihnen nichts aus, dass ­Episoden aus ihrem Privatleben auf die Bühne kommen, sagt Chrissi Sokoll. «Sie sind stolz auf mich und stehen hinter mir.» Und ihr Sohn singt zu Hause bereits ihre Lieder nach.

• Fr, 5.5., Alte Stuhlfabrik Herisau • Fr, 12.5., Eisenwerk Frauenfeld • Fr, 19.5., Chällertheater Wil je 20 Uhr