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COMEDY: «Föhn, Sie zu sehen!»

Der Thurgauer Kabarettist Jan Rutishauser stellt sein zweites Soloprogramm als Vorpremiere in Romanshorn vor. Nach dem ersten Soloprogramm «Burnout» wendet er sich der «Gepflegten Langeweile» zu.
Brigitte Elsner-Heller
Jan Rutishauser greift bei Weltschmerz und für seine «Defekten Liebeslieder» zur Gitarre. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Jan Rutishauser greift bei Weltschmerz und für seine «Defekten Liebeslieder» zur Gitarre. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Zuerst kommt der Burnout, dann die Gepflegte Langeweile. Wie bitte? In der Tat, mit Jan Rutishauser ist dies möglich. Drei Jahre, nachdem er mit seinem ersten Soloprogramm «Burnout» auf der Bühne stand, wagte er mit der Vorpremiere von «Gepflegte Langeweile» die Nagelprobe vor Publikum – auf der Bistrobühne der Aula Rebsamen in Romanshorn. Ein Heimspiel, denn Rutishauser hat hier die Kantonsschule besucht, bevor ihn die Leidenschaft für Zauberei, Sprache und Theater in die Ferne zog. Genug geschleimt, wie er auf der Bühne vielleicht auch offen sagen könnte. Denn er wendet sich immer wieder so an sein Publikum, als liesse er sich in die Karten schauen, in die Tricks des Bühnenauftritts. Tut er nicht wirklich, dazu ist er zu sehr der Zauberer geblieben, als der er gestartet ist. Was ist also «original» Jan Rutishauser an diesem künstlerischen Ich, das er vorstellt als einen von den Tücken des Alltags gebeutelten Einzelgänger («Ich bin Single»)? Dass er nervös ist, wie er mitteilt, scheint der Realität zu entsprechen. Wen sollte das wundern?

«Ich und der Anfang, wir haben uns nie verstanden»

Rutishauser startet mit einem Tempo, das der Nervosität geschuldet ist. Als roter Faden durch das Programm, das bis zur offiziellen Premiere im September noch seinen letzten Schliff erhalten wird, dient ihm das Thema Schreibblockade und deren Folgen. Es ermöglicht wie in einem Baukastensystem, all das einzufügen, was einem so durch den Kopf geht, wenn man sich von dem ablenken möchte, was «eigentlich» (ein verräterisches Füllwort) getan werden sollte: «Ich und der Anfang, wir haben uns nie gut verstanden.» Rutishauser spielt also den jungen Mann Rutishauser – oder eher den Jan von nebenan –, der sich abmüht, ein weiteres erfolgreiches Programm zu schreiben. Und das, obwohl er gerade wieder Single ist und erneut bei seinen Eltern eingezogen. Und was taten junge Menschen schon immer, wenn sie der Weltschmerz überkam? Sie griffen zur Gitarre. Kein Blues folgt freilich (zu wenig Ironie im Spiel!), sondern eine Reihe verknappter Lieder, die Rutishauser als «Defekte Liebeslieder» vorstellt. Auch das kann «irgendwie» (Achtung: Füllwort) Liebe sein – hier ist es die Liebe zum Wortspiel. Wobei das eine oder andere, das im Zusammenhang damit steht, dass der Bühnen-Jan den «Kinderwunsch erst mal nur üben» wollte, doch etwas uninspiriert daherkommt. Die Moral von der Geschicht’: Sex sells. Für grosse Erheiterung beim Publikum sorgen die Einlassungen zum Friseurbesuch. Ein Termin, bei dem man zugetextet wird, zum Ergebnis des Prozederes nichts beitragen kann und dabei auch noch der Kreativität bei der Namengebung des Haar-Etablissements ausgesetzt ist. Na dann: «Föhn, Sie zu sehen!» Bei seinen weiteren Ausführungen verlässt sich Jan Rutishauser zunehmend auf die Kunst, Sprachspiele zu entwerfen beziehungsweise sprachliche Alltagswendungen auf den in ihnen schlummernden Irrsinn hin abzuklopfen. Auch liest er Gedichte oder kurze Betrachtungen einfach vor. Dabei scheint ihm zwischendurch die interne Analyse (es handelt sich schliesslich um eine Vorpremiere) ein bisschen zu sehr in den Vordergrund zu geraten: «Der Text ist noch so neu, ich weiss noch nicht, was lustig ist.» Gut, dass am Ende die Langeweile wie ein Deus ex Machina aus dem Hut gezaubert wird. Denn erst die führe dazu, dass sich im Menschen der Drang rege, etwas zu tun. Na dann. Bis zur «eigentlichen» Premiere im September bitte hübsch ausspannen.

Brigitte Elsner-Heller

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

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