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COMEDY: Der Radsport-Experte im Gümmeler-Cabaret: "Nicht viel radsportlicher Tiefsinn"

Das musikalische Comedy-Duo Les Trois Suisses singt und spielt sich in die Seele von Amateur-Radrennfahrern. Wie kommt das beim Radsportexperten an? Sportredaktor Daniel Good sass mit in der Kellerbühne.
Hansruedi Kugler
Eine ihrer gelungenen Nummern: Resli Buri und Pascal Dussex spielen pantomimisch eine abenteuerliche Trainingsfahrt mit dem Rennrad nach. (Bild: Urs Bucher)

Eine ihrer gelungenen Nummern: Resli Buri und Pascal Dussex spielen pantomimisch eine abenteuerliche Trainingsfahrt mit dem Rennrad nach. (Bild: Urs Bucher)

Hansruedi Kugler

Nach einer Stunde beisst Sportredaktor Daniel Good im Publikum auf die Zähne. Resli Buri und Pascal Dussex, die beiden Velo-Komiker auf der Bühne, listen ihre erfundenen Verletzungen auf: 5 Schrauben im Oberarm, 50 Gramm Titan, 20 Zentimeter Narbe auf der Brust, fünf Monate Reha. Good ist seit frühester Jugend Radsportfan, hat 15 Jahre lang jedes Jahr die Tour de France vor Ort als Journalist begleitet und hat selbst ein langes Stück Metall im Oberschenkel – seit ihn ein Autofahrer vom Rennrad geschleudert hat. Die Leiden und die Faszination des Radsports kennt er genauestens. Und weiss auch um Geheimtipps. Zum Beispiel, wie man das härteste Radrennen der Welt mit heilem Steissbein übersteht: über die 53 Kilometer Kopfsteinpflaster müsse man auf dem Rad mit exakt 44,3 Stundenkilometer fahren, «dann spürt man die Pavées nicht mehr». Das Mietauto, in welchem er selbst den Fahrern jeweils vorausgefahren sei, habe da schneller schlappgemacht. Und weil Daniel Good viel Sinn für trockenen Humor hat, schlägt er gleich noch den Bogen ins heimische St. Gallen. Die äusserst hol­prige Busstrecke an der Fürstenlandstrasse hat er nämlich umgetauft: «Der Siebner ist der Paris-Roubaix-Bus.»

Hier wird «My Sharona» zur Radhymne «My Shimano»

Wie der St. Galler Sportjournalist sieht auch das Comedy-Duo die Welt gerne mit Radsportaugen an. Resli Buri und Pascal Dussex spielen zwei alternde Radsportfreunde und -rivalen. Sie bereiten sich auf ihr letztes Rennen vor, das Resli unbedingt gewinnen will – wegen Jolanda, die dann aber am falschen Ort an der Rennstrecke stehen wird. Ihre Rennvorbereitung würzen sie mit einer Menge Songs, die sie zu ­Velosongs umdichten und mit einem Dutzend Instrumenten begleiten. Grossartig und einfallsreich. Simpler Wortersatz ist da charmant und wirkungsvoll: statt «Carbonara» gröhlen sie «Cancellara» und «My Sharona» dichten sie in die Veloschaltung-Hymne «My Shimano» um. Virtuos, wie sie den musikalischen Stilmix auf die Bühne bringen. Pascal gibt Reslis Mentaltrainer, lässt diesen schon nach 15 Sekunden Aufwärmen wieder vom Rad steigen, muntert ihn auf («wir sind hart im Nehmen«) und bringt das Radsport-Mantra von Ferdi Kü­bler national: «Quäle Deinen Körper, sonst quält er Dich!» Daniel Good nickt: «Der Spruch ist so legendär, dass Hausi Leuten­egger ihn später für sich verwendet hat.» Und eine heftigere und wahre Story über Radfahrer-Rivalität hat Good auch auf Lager: «Der Sauhund ist für mich gestorben!», schimpfte einst Beat Breu, nachdem sein Teamkollege Godi Schmutz ihn an der Tour de Suisse 1981 nicht unterstützt hatte.

Die besseren Geschichten erzählt der Sportjournalist

Das Leben der beiden Bühnen-Amateur-Radler scheint eher trist: Als Unterhaltungsduo Tandem musizieren sie an Treffen von Radballveteranen, erzählen sie. Fast so, wie der frühere Bergfloh Beat Breu, der sich nach seiner Velokarriere als Komiker versuchte. Unter anderem mit dem Lied «Trampe, trampe ...». Daniel Good schüttelt den Kopf: «Schlimm war das.» Musikalisch machen es Resli Buri und Pascal Dussex natürlich um Längen besser als Beat Breu. Hier können sie mühelos in der Profiliga mitradeln, hier sind sie zu Hause und bieten wunderbare Unterhaltung. Schauspielerisch jedoch ist das amateurhaft. Die Figuren sind schwach konturiert, die Dialoge sind bedächtig und flau, die Gags zu selten überraschend. Die mögliche Komik im Gegensatz zwischen dem Schlaksigen und dem Pummeligen bleibt ungenutzt. Buri und Dussex bleiben zu bieder. Da macht es etwa das Comedy-Duo Lapsus viel besser. So lautet auch Daniel Goods Bilanz des Comedy-Abends mit Les ­Trois Suisses: «Bunter Unterhaltungsabend ohne viel radsportlichen Tiefsinn.» Am Ende fällt denn auch der Befund eindeutig aus: Die besseren Geschichten hat eigentlich der Sportjournalist zu erzählen.

Hinweis

Nächste Vorstellungen: Mi, 7.3., Heerbrugg, Kulturkino Madlen; Fr, 23.3., Degersheim, Kulturpunkt.

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