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Theater ohne Schauspieler – alles andere als langweilig

Die Künstlerformation Collectif barbare erforscht in ihrer Produktion «Revox – A Tale of Phantoms» neue Spielformen des Theaters. Dabei experimentieren sie mit installativen Elementen und auditiver Wahrnehmung. Wie dies aussieht, zeigen sie in der Aarauer Tuchlaube.
Nadine Meier
Ein Bühnenbild ohne Schauspieler. Das Experiment des Collectif barbare geht auf. (Bild: HO)

Ein Bühnenbild ohne Schauspieler. Das Experiment des Collectif barbare geht auf. (Bild: HO)

Es ist fast wie an einer Kopfhörerparty – nur dass man nicht tanzt, sondern im Publikum sitzt. Und gespannt darauf wartet, dass das Stück beginnt. Wer sich vorab informiert hat, weiss aber: Die Bühne wird leer bleiben. Auch wenn das Bühnenbild in Form eines Wohnzimmers noch so zum Bespielen einlädt.

Die Geschichte spielt sich nämlich im Kopf ab, oder vielmehr über die Ohren. Über eine Off-Stimme beginnt eine Erzählerin die Geschichte des Protagonisten Paul Stiller. Dieser berühmte Komponist habe über 50 berühmte Filmsoundtracks geprägt, machte sich als Meister des Klangs einen Namen. Eines Tages verschwand aber seine Frau unter mysteriösen Umständen spurlos. Sein Trost ist ein Tonbandgerät der Marke Revox. Dieser Marke ist der Tonmeister treu geblieben, seit er als Kind ein Gerät ebendieser Marke geschenkt bekam.

«Die Stille in der Stille finden»

Eines Tages entdeckt er ein Fragment der Stille in alten Aufnahmen. War er all die Jahre von Klängen besessen gewesen, hat es ihm plötzlich die Stille angetan. Er will «die Stille in der Stille finden», wie wir von der Erzählerin im Laufe des Abends weiter erfahren. Dafür entwickelt Paul Stiller eigene Tongeräte, die auf der Bühne zu sehen sind und eines nach dem anderen zum Leben erwachen.

«Revox – A Tale of Phantoms», frei übersetzt «eine Geschichte von Geistern» (Konzept, Text, Regie: Astride Schlaefli), ist gemäss Macher ein installatives Musiktheater und gleichzeitig ein 3D-Hörspiel. Eine Geschichte von Geistern wohl deshalb, weil nie jemand die Bühne betritt, dieses Wohnzimmer aber unheimlich lebendig wirkt, ständig in Bewegung ist und sich in ihm wie von Geisterhand Dinge bewegen, verschieben, umfallen. Die ganze Handlung spielt sich über Kopfhörer ab. Durch die hochrealistischen Tonspuren kommt das Gefühl auf, dass die Erzählerin unmittelbar hinter einem steht, jeden Moment an den Sitzreihen vorbeiläuft und auf die Bühne tritt.

Der Illusion in die Falle tappen

In Wirklichkeit ist dies aber eine Illusion, der man während des gesamten Stücks immer wieder aufs Neue in die Falle geht. Erreicht wird dieser Effekt durch Kunstkopf-Mikrofonaufnahmen, eine Aufnahmetechnik, die Töne räumlich abbildet. Ähnlich einem 3D-Kinofilm, bei dem man die Bildfläche unscharf sieht, sobald mal die 3D-Brille abnimmt.

Revox ist eine Inszenierung, die völlig ohne physische Schauspielerpräsenz auskommt. Eine neuartige Darstellungsform, an die das Collectif barbare die Zuschauer behutsam und gleichzeitig unterhaltsam heranführt.

Die Produktion lebt von mehreren Ebenen, ähnlich dem Film «Inception» des Regisseurs Christopher Nolan, der mehrere Traumebenen miteinander verwebt und dabei zwischen ihnen wechselt. Auf der Tonspur, die die Zuhörer zu Hören bekommen, ist bereits ein Publikum vorhanden. Es tuschelt, flüstert, kommentiert den Verlauf des Stücks oder sucht nach verloren gegangenem Popcorn.

Dieser akustische doppelte Boden verleiht der Produktion noch mehr Authentizität und Leben. Dabei steht die Handlung des Stücks gar nicht so sehr im Vordergrund. Vielmehr ist sie ein spannender Aufhänger, um alle Details, die im Kopfhörer und auf der Bühne zu entdecken sind, mit kindlicher Faszination zu beobachten.

«Revox - A Tale of Phantoms». Tuchlaube Aarau: 1./2./3.11. Theater Winkelwiese, Zürich: 21./22./23.11. Gare du Nord, Basel: 17./18.3. 2020. Tojo Theater, Bern: 24./25./26.11. 2020.

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