Zürcher Festspiele
Collage aus Rock und Klassik: Frank Zappa wird Dada

Das Argovia Philharmonic ehrt das amerikanische Multitalent Frank Zappa zum Dada-Jubiläum. Seine Werke haben die Rockmusik stark beeinflusst, nun werden sie von einem Klassik-Orchester vorgetragen.

Flavia Bonanomi
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Er verwendete für seine Kompositionen Techniken, die an Dada erinnern: Frank Zappa.

Er verwendete für seine Kompositionen Techniken, die an Dada erinnern: Frank Zappa.

Redferns

Man mag es kaum noch hören: Dada hier, Dada da, Dada überall – im Jubiläumsjahr 2016 ist Dada in aller Munde. So sind Dada auch die diesjährigen Festspiele in Zürich gewidmet. «Zwischen Wahnsinn und Unsinn» ist das Motto, unter dem vom 3. Bis zum 26. Juni unzählige Veranstaltungen rund um Dada realisiert werden. Mit dabei ist das Argovia Philharmonic: Das Aargauer Kantons-Orchester gibt drei Gastkonzerte im Theater Rigiblick. Das Thema: Dada, natürlich.

Der musikalischste Dadaist

Um dem Dada-Programm gerecht zu werden, hat sich Daniel Rohr, Leiter des Theaters Rigiblick und bekannt aus Filmen wie «Sternenberg» und «Sennentuntschi», etwas ganz Spezielles überlegt: Der wohl grösste Dadaist unter den Musikern, der Amerikaner Frank Zappa, soll mit dem Konzert «Symphonisch und in Rock» im Theater Rigiblick geehrt werden. «Es ist hochinteressant für ein klassisches Orchester, Werke von einem Musiker zu spielen, der dafür bekannt ist, die Rockmusik massgeblich beeinflusst zu haben», sagt Christian Weidmann, der Intendant des Argovia Philharmonic, der mit Daniel Rohr für die musikalischen Arrangements verantwortlich ist.

Wer aber denkt, dass ihn eine klassische Interpretation von «Oh, In The Sky» oder «Help! I’m A Rock» erwartet, täuscht sich: «Wir werden von Frank Zappa komponierte Orchesterwerke spielen – allerdings handelt es sich um Neue Musik im klassischen Sinne.» Dirigiert wird das Orchester von Douglas Bostock; er hat in dem ganzen Projekt die gesamtmusikalische Leitung inne.

Letztes Jahr war das Argovia Philharmonic bereits mit einem Peter-Gabriel-Programm im Theater Rigiblick zu Gast. Musik wie diese ist eine grosse Herausforderung für ein Orchester, wie auch Weidmann weiss. Zappa ist für ein Dada-Motiv aber genau der Richtige: Der schnurrbärtige, oftmals seltsam angezogene Musiker, der als Eigenbrötler galt und der in seiner Karriere mehr als 100 Musikalben veröffentlichte, verwendete die Mittel der Collage und Montage fast exzessiv: Nachdem er sich eine Platte von Edgar Varèse gekauft hatte und dort auf die Namen Béla Bartók und Igor Strawinsky stiess, begann er erstmals, sich für Neue Musik zu interessieren.

Ein Abend als Collage

Schliesslich inspirierte ihn besonders Anton von Webern zu seiner einzigartigen Kompositionstechnik, die an die Werke der Dadaisten erinnert: collagenhaft und satirisch, höchst raffiniert und immer wieder fremde Musik zitierend, komponierte Frank Zappa, immer auf der Suche nach Neuem und Ungewohntem. Ganz im Sinne von Dada wirkt der ganze Abend im Theater Rigiblick wie eine Collage: Neben dem Argovia Philharmonic wird eine Rockband zu hören sein, bestehend aus Tobias Schwab, Gerhard Gerste, Benjamin Heusch und Oli Kaiser.

Sie spielen Zappa, wie man ihn kennt, die Sänger sind George Vaine, Martina Schiller, Andreas Lareida und Daniel Rohr, der ebenfalls zwischen ihren Stücken und jenen des Argovia Philharmonic aus Frank Zappas Leben erzählen wird.

Die musikalische Leitung für den Teil, den die Rockband bestreitet, hat Tobias Schwab inne. Die Band war bereits in der Interpretation von «Faust» des Kollektivs Stern-Theater-Produktionen zu hören; jenem Kollektiv, welches mit dem Argovia Philharmonic schon die Tribute-Show für Peter Gabriel vom letzten Februar bestritt. Das Kollektiv hat schon mehrere Tribut-Abende gespielt, unter anderem für Leonard Cohen und Lou Reed.

Zürich macht Dada anders

Neben dem Zappa-Abend haben die Zürcher Festspiele noch anderes mehr zu bieten: Für eine Picabia-Retrospektive (Kunsthaus) arbeitet man mit dem MoMA in New York zusammen, das Schauspielhaus zeigt Bayers «der die mann», im Opernhaus erklingt Bellinis letzte Oper «I puritani», die Tonhalle und diverse Theater und Museen beteiligen sich am Festprogramm.

Weidmann ist dankbar für die Möglichkeit, bei den Festspielen Zürich dabei zu sein: «Es ist schön und wichtig, mit so einem ausserordentlichen Projekt in einer Stadt wie Zürich präsent zu sein. Das gehört zum ausserkantonalen Kontakt des Argovia Philharmonic und reiht sich in unsere Bemühungen ein, auf das Publikum zuzugehen.»

Pioniergeist, Dada und klassische Musik: «Symphonisch und in Rock» verspricht, einen bedeutenden Musiker ins Jetzt – und seine Musik näher ans Publikum zu bringen.

Symphonisch und in Rock von
Christian Weidmann, Daniel Rohr, mit: Argovia Philharmonic, dirigiert von Douglas Bostock. Mi 8.6., Sa 11.6. und Do 16.6., jeweils 20 Uhr, Theater Rigiblick.

Festspiele Zürich 3.6 bis 26.6., diverse Spielorte.