Clownerie im Strandmüll

Ein Abend mit skurrilem Strassentheater: Die Compagnie Buffpapier taucht im neuen Programm «Aqua Freakshow» vom Strand ins Meer ab – ohne Anspruch auf tieferen Sinn.

Hansruedi Kugler
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Die drei grotesken Figuren Marmelade, Madame Piscine (in eine Meerjungfrau verwandelt) und Gonzo im ironischen Unterwasser-Ballett. (Bild: Raph Ribi)

Die drei grotesken Figuren Marmelade, Madame Piscine (in eine Meerjungfrau verwandelt) und Gonzo im ironischen Unterwasser-Ballett. (Bild: Raph Ribi)

ST. GALLEN. In der Kellerbühne blubbert es leise. Das macht Sinn, schliesslich ist man hier in einer «Aqua»-Show. Drei schräge Vögel – pardon, Fische – stellen sich auf: Die Handtäschli-Tussi plappert fröhlich «Hello, are you alone? See you» in ihr Smartphone, ein Gummimann mit rosa Käppli stemmt einen Reisekoffer auf die Bühne und zupft ständig an seinen blauen Hosenträgern, und ein buckliger Kapitän mit einem Gebiss, das ihn so hässlich macht wie eine Muräne, stapft ungeduldig und griesgrämig hin und her. Allesamt sind sie überdrehte Karikaturen mit Glotzaugen.

Kindlicher Verwandlungsspass

Gesprochen wird kaum in «Aqua Freakshow». Franziska Hoby, Stéphane Fratini und Manuel Gmür nennen sich Mademoiselle Piscine (Schwimmbad), Gonzo und Marmelade und machen sich einen Mordsspass aus dem Erfinden von grotesken Figuren und Szenen. Was sie auf die Bühne zaubern, ist reine Clownerie: Unter einer über den Kopf gestülpten Strumpfhose verwandeln sie sich in japsende Fische oder vielbeinige Kraken, mit Plastikfolien mimen sie Quallen, und Gonzo stürzt sich auf den aufgeblasenen Plastik-Orca und würgt diesen gleich zu Tode.

Das wirkt alles sehr schräg, gar nicht mal auf Lachpointen hin zielend. Mit kindlichem Verwandlungsspass wird eine Show abgezogen, die wie tolles Strassentheater wirkt. Besser gesagt: Mit den Mitteln der Groteske wird das eitle Showbusiness satirisch unterlaufen. Dabei springen aber nicht viele Funken auf das Publikum über, das öfters ratlos bleibt ob dieser ulkigen Performance. Die Premiere des neuen Programms der St. Gallisch-Französischen Compagnie Buffpapier füllt am Mittwoch gut die Hälfte der Kellerbühne.

Potenzial für höheren Blödsinn

Clownesk geht das kurze, eine knappe Stunde dauernde Programm weiter: Wenn die drei auf der Strand-Müllhalde alte Plastikflaschen zu Smartphones verwandeln, einen Autopneu als Schwimmring nutzen und mit einem alten Besen auf dem Kopf zur Koralle werden, mag man das als Fasnachts-Spass empfinden. In diesen Momenten blitzt aber etwas auf, das Potenzial zu höherem Blödsinn hat, vielleicht sogar zum Theater des Absurden, das die Menschen in ihrer Sinnentleertheit zeigt. Aber so furchtbar ernst muss man die Sache auch nicht nehmen. Die Blödelei bleibt dem gruselig-skurrilen Spass verbunden: Die Einladung «Welcome to the Jellyfish-Restaurant» mag Mademoiselle Piscine nicht annehmen, da kommen bloss Knochen und ein alter Turnschuh auf den Teller. Getrunken wird aus zerknüllten Plastikbechern. Kein Wunder, stechen die drei von dieser apokalyptischen Müllhalde weg in Hohe See: «Beautiful, oh beautiful». Unter Wasser wird es dann noch romantisch: «Show me your feelings. Do you love me?», fragt die zur Meerjungfrau verwandelte Mademoiselle Piscine. Da bleibt Marmelade aber natürlich stumm – schliesslich ist er ja ein Fisch. Bei aller Clownerie gibt es am Schluss doch noch einen grossen, poetischen Moment. Gonzo nämlich, die hässliche Muräne, schält sich aus den schäbigen Klamotten und singt im engen, roten Glitzerkleid eine Schmerzensarie – unter Wasser beziehungsweise unter einer schwebenden Plastikfolie.