Cinémathèque holt keine Offerten ein

Die Cinémathèque Suisse vergibt Aufträge für die Restaurierung von alten Filmen häufig ohne Vergleich von Offerten. Und obwohl vom Bund finanziert, bevorzugt die Cinémathèque ausländische Betriebe.

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Die Cinémathèque Suisse vergibt Aufträge für die Restaurierung von alten Filmen häufig ohne Vergleich von Offerten. Und obwohl vom Bund finanziert, bevorzugt die Cinémathèque ausländische Betriebe.

Oft benutzte Ausnahmeklausel

Die Lausanner Stiftung ist umstritten, seitdem vom Bund Förderbeträge sistiert worden sind. Man wirft ihr Misswirtschaft und eine fehlenden Strategie bei der Digitalisierung von Filmen vor. Gemäss Recherchen der Agentur sda vergibt die Cinémathèque jährlich Aufträge im Wert von 475 000 Franken, ohne sie zum Wettbewerb auszuschreiben. Dabei existiert eine von der Institution selber aufgestellte Direktive, die für Aufträge über 10 000 Franken mindestens drei Offerten von verschiedenen Betrieben verlangt, wie der Leiter der Cinémathèque, Frédéric Maire, zugibt.

Freilich: Diese Regel wird nicht angewendet, weil eine Klausel erlaubt, Aufträge direkt zu vergeben, wenn der «Chef der entsprechenden Abteilung eine schriftliche Erklärung dafür liefert». Das ist dann der Fall, wenn der Auftrag so speziell ist, dass nur eine begrenzte Anzahl Labors dafür in Frage kommen – beispielsweise, weil die Beschädigungen am Filmmaterial erheblich sind. Allerdings werden auch bei Filmen in gutem Zustand keine Offerten eingeholt.

«Besser überwachen»

Das Bundesamt für Kultur als grösster Geldgeber kennt die Situation. «Wir müssen die Aktivitäten besser überwachen», sagt der Sachbearbeiter in der Sektion Film, Laurent Steiert. Dennoch ist er der Meinung, Aufträge unter 150 000 Franken sollten von einem gewissen Spielraum profitieren dürfen. (sda)