Christina Landshamer vor dem Mozart-Marathon

Sie möchte den Montagmorgen nicht zu früh beginnen, denn es wird noch ein langer Abend werden für Christina Landshamer. Zwar hat Mozarts «Le nozze di Figaro» als Oper keine Wagnerschen Dimensionen.

Bettina Kugler
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Christina Landshamer (Bild: Urs Bucher)

Christina Landshamer (Bild: Urs Bucher)

Sie möchte den Montagmorgen nicht zu früh beginnen, denn es wird noch ein langer Abend werden für Christina Landshamer. Zwar hat Mozarts «Le nozze di Figaro» als Oper keine Wagnerschen Dimensionen. Doch drei Stunden reine Spielzeit sind genug, wenn eine Rolle so omnipräsent ist wie die von Susanna: der Dienerin, die ihren Figaro heiraten möchte, aber heftig begehrt wird von Graf Almaviva – ihrem gemeinsamen Herren. «Ich bin fast permanent auf der Bühne; es gibt gerade einmal zwei Szenen, in denen ich kurz in die Garderobe gehen kann», sagt die gebürtige Münchnerin, noch ganz entspannt. Auf dem Tisch steht kein Kaffee, sondern ein Kännchen Tee. Das tut den Stimmbändern und den Nerven gut.

Sie weiss, dass sie sich für ihre Partie – die wohl umfangreichste lyrische überhaupt – ihre Kräfte gut einteilen muss, «es ist keine Anfängerpartie.» Also genau das Richtige für sie. Seit Jahren ist Christina Landshamer gewohnt, mit namhaften Dirigenten zu arbeiten: Christian Thielemann, Simon Rattle, dem verstorbenen Nikolaus Harnoncourt. Ihre internationale Karriere ist gut im Schwung; sie singt in den grossen Konzertsälen, an bedeutenden Opernhäusern. Doch auf diese Gelegenheit hat sie schon eine Weile gewartet: Susanna, diese kluge, geistesgegenwärtige und ebenso empfindsame Frau durch und durch kennenzulernen. In einer Neuproduktion, deren Probenprozess sie von Anfang bis Ende miterlebt hat. Zumal Sänger im Studium ohnehin kaum auf das Spielen vorbereitet werden, so ihre Erfahrung.

Ihr Rollendébut ist es nicht; sie kennt die Partie bereits von einer Inszenierung an der Komischen Oper Berlin. Da freilich wurde deutsch gesungen – bei Mozart nicht einfach nur eine Aufgabe fürs Textgedächtnis. «Das ist dann eine ganz andere Oper; Mozarts Musik ist so genial mit da Pontes Text verbunden, das kann man eigentlich gar nicht übersetzen. Da ist einfach alles richtig und passt eins zu eins.» Kommt hinzu, dass die italienische Sprache einen anderen Stimmsitz im Körper hat. «Und wo Mozart draufsteht, ist es immer höchst anspruchsvoll. Das hört sich nur leicht an.»

Natürlich haben schon etliche grosse Häuser angeklopft und wollten sie als Susanna engagieren. «Aber es hiess immer: Du bekommst vorher eine Videositzung mit dem Regieassistenten, das reicht.» Für Christina Landshamer undenkbar, ohne eine einzige Probe mit Orchester. «Das wäre ein Selbstmordkommando», sagt sie. Dafür ist sie zu überlegt, zu organisiert – zwangsläufig, als Mutter eines knapp dreijährigen Sohnes.

Jetzt kennt sie den Weg, den es in dieser Rolle zurückzulegen gilt. Sie weiss, wie viel Vorbereitung und Konzentration es braucht, die spielerische Intensität beizubehalten – ob nun in der Premiere oder einer Montags-Vorstellung. Als Susanna wird sie den ganzen Abend damit zu tun haben, die Fäden nicht aus der Hand zu verlieren, sondern geschickt zum glücklichen Ende zu führen. «Eigentlich müsste die Oper heissen: <Le nozze di Susanna>, denn sie ist die treibende Kraft – gerade auch musikalisch, in den Ensembles. Susanna muss führen.» Sie sagt das ganz sachlich. Eine Susanna muss sich nicht wichtiger machen, als sie ohnehin ist.

Schön war für Christina Lands-hamer auch das Wiedersehen mit Nikolay Borchev, der den Grafen singt. Sie kennen sich von einer «Ariadne» in Baden-Baden. «Unsere Welt ist relativ überschaubar», sagt sie. Borchev sei einer jener Kollegen, mit denen sie jede Szene spielen könnte, «auch wenn's eklig wird». Von Stargehabe hält sie nicht viel. «Höher – lauter – weiter, das ist nicht mein Ding.» Lieber kostet sie mit guten Kollegen auf der Opernbühne Mozarts Raffinessen aus.