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Chris de Burgh am Retro Festival Luzern: «Dinge gehen schief – geniesse das Leben»

Mit der irischen Popballaden-Ikone Chris de Burgh erlebte das Retro Festival im Hotel Schweizerhof in Luzern zum Abschluss ein absolutes Highlight. Der mittlerweile 70-jährige Ire bot eine ebenso intelligente wie schwungvolle Show.
Susanne Holz
Chris de Burgh bot im Schweizerhof positive Gefühle ohne Zynismus, aber mit einer Spur Selbstironie. Bild: Keystone/Urs Flüeler (15. März 2019)

Chris de Burgh bot im Schweizerhof positive Gefühle ohne Zynismus, aber mit einer Spur Selbstironie. Bild: Keystone/Urs Flüeler (15. März 2019)

Normalerweise tritt er im Zürcher Hallenstadion auf, wenn ihn seine Konzerte in die Schweiz führen. Und ganze 17-mal füllte er bislang die Royal Albert Hall – der sanftmütige Ire mit der samtweichen Stimme namens Chris de Burgh. 4000 Konzerte hat er bis dato gegeben – 2018 durfte er sich über einen Lifetime Achievement Award freuen. Und der musikalische Atem geht ihm noch lange nicht aus: Aktuell schreibt er Songs zu einem Musical rund um Robin Hood.

Eine Art Robin Hood ist auch Chris de Burgh selbst: Stets singt er für das Gute, für Frieden, gegen Krieg, für Flüchtlinge, gegen Ausgrenzung, für die Liebe, gegen die Kälte. Das hat ihm den etwas zweifelhaften Ruf des Schmusesängers eingebracht – doch Chris de Burgh beweist bei seinem Konzert am Freitagabend im Hotel Schweizerhof Luzern, dass er zu intelligent ist, um sein Publikum «nur» mit Liebe und Songs wie der «Lady In Red» zu umgarnen.

«Sind Iren zusammen, dann singen sie»

Knappe drei Minuten lang reicht die Zeit vor dem Auftritt im altehrwürdigen Zeugheersaal, in den gerade mal 800 Menschen passen, um der Pop-Ikone ein paar Fragen zu stellen. Ja, er freue sich sehr, seinem Publikum heute so nahe zu sein, seine Stimme sei in sehr guter Form, und er sei gesund. Luzern sei ein grossartiger Ort. Und warum sind die Iren so musikalisch, Herr de Burgh? «Weil sie Lebenskünstler sind und das Leben geniessen. Sind Iren zusammen, singen sie und erzählen sich Geschichten.» Und wieso hält Musik so jung? «Weil sie Teil der Seele ist.»

Und dann möchte man schon noch wissen, wieso der 70-Jährige sein ganzes bisheriges Leben ein solch positiver Mensch ist. Chris de Burgh: «Dinge gehen schief, die ganze Zeit. Deshalb ist es klug, sich auf die hellen Seiten des Lebens zu konzentrieren.»

Gesagt, getan. Zwei Stunden lang begeistert der Ire in der Folge sein Publikum. Er ist der Top Act des 8. The Retro Festivals im Hotel Schweizerhof. Der Saal ist ausverkauft. Vorne auf der Bühne, in blaues Licht gehüllt, sieht Chris de Burgh aus wie eh und je, nur ein bisschen älter und die dunklen Haare etwas lichter.

Kurz geträumt und schnell getanzt

Klug und erfahren wie er ist, startet de Burgh mit einem schnellen Lied vom jüngsten Album (A Better World, 2016). Mit «Bethlehem» kommt sofort Schwung in die Menge, und der Sänger vermittelt: Ich bin noch da, bin noch fit, alles ist gut. Zumindest bei ihm persönlich, denn natürlich handelt dieses Lied von Krieg und vom viel zu seltenen Frieden. Klar ist auch, dass an diesem Abend die Welt nicht verbessert werden kann – aber es ist okay, wenn der Sänger ab und zu die Arme ausbreitet wie ein Prophet, beispielsweise bei «The Hands Of Man» (2014). Chris de Burgh war noch nie zynisch und wird es wohl auch nie sein.

Genauso wie dies kein Konzert für Zyniker ist, sondern für Leute, die Schwung und Harmonie erleben möchten – zusammen, geeint wie ein Grüppchen musikalischer Iren. Die Arme hoch, die Augen zu. Kurz geträumt und schnell getanzt. Und gekonnt tänzelt sich der Star durch sein Repertoire und die Jahre. Man hört «Lonely Sky» (1975) ebenso wie «Missing You» (1988) oder «Waiting For The Hurricane» (2012). Feuerzeuge leuchten, Menschen jubeln.

Die Tempi und Rhythmen wechseln, die Lautstärke passt. Nur im Mittelteil hat es eine kleine Länge, und auch die Stimme des Sängers muss sich erst warm laufen. Mit «Homeland» (2016) wird es erneut politisch, der Ire macht sich für syrische Flüchtlinge stark. «Das sind Menschen wie du und ich, und die meisten möchten einfach nur heim.»

Wodka gegen Liebeskummer

Wer an diesem Abend auf «Lady In Red» wartet, der wartet lange. Immer wieder zieht der Barde sein Publikum auf und stimmt auf der Gitarre die grössten Hits an – nur um sie dann erst am Ende zu spielen. Seine Band spielt das Spiel fröhlich mit: der seelenruhiger Keyboarder aus Wales, Nigel Hopkins. Der Gitarrist mit den schicken weissen Haaren, Neil Taylor. Bassist David Levy und Drummer Philipp Groyssboeck aus Österreich.

Der Humor bleibt: Nachdem «Suddenly Love» gespielt wurde, holt die Band alle die, die sich an plötzlicher Liebe schon mal den Magen verdorben haben, mit «Moonlight & Vodka» wieder auf festen Boden zurück. Es ist ein intelligentes Konzert, und in einen klugen Mix eingebettet, lässt sich auch der Reigen an Komplimenten ertragen, den «Lady In Red» bietet – ein Lobgesang, den die meisten von uns je nur von Chris de Burgh geliefert bekommen.

«Africa», «High On Emotion», «Don’t Pay The Ferryman» – die grossen Knaller gibt es zuletzt. Abschliessend rät der Ire mit der Samtstimme: «Go where your Heart believes.» Das machen wir, Chris de Burgh, versprochen.

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