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CHORLEITERIN: «Ich dirigiere gerne kantig»

Manuela Eichenlaub ist als Dirigentin vielseitig unterwegs. Interimistisch leitet sie den Konzertchor Ostschweiz und stellt im neuen Programm die Musik des Basler Romantikers Hans Huber ins Zentrum.
Martin Preisser
Dirigentin Manuela Eichenlaub gehört zu den immer noch seltenen Frauen, die professionell einen Chor leiten. (Bild: Michel Canonica)

Dirigentin Manuela Eichenlaub gehört zu den immer noch seltenen Frauen, die professionell einen Chor leiten. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser

@tagblatt.ch

Immer wieder ist es beim Kammerchor Ostschweiz ein Thema, dass erstmals eine Frau am Dirigentenpult steht. Eigentlich sollte es kein Thema mehr sein, ­findet Manuela Eichenlaub, die im Moment für den erkrankten ­Leiter des Kammerchores, David Bertschinger, eingesprungen ist. «Oft sieht es ja gar nicht so schön aus, wenn Frauen dirigieren. Vor allem wenn es zu weich rüberkommt.» «Frauen leiten oft anders als Männer», sagt die Dirigentin, die als erste Frau an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) den Specialized Master in Chorleitung abgeschlossen hat. «Aber ich dirigiere durchaus gerne kantig, bestimmt, aber nicht dominant.»

Manuela Eichenlaub singt unter Frieder Bernius im Kammerchor Stuttgart, der weltweit erfolgreich auftritt. «Das ist immer wieder eine enorme Horizonterweiterung, die mir auch bei der Arbeit mit meinen Chören und in der schulischen Musik­pädagogik viele Anregungen gibt. «Selbst als Sängerin auf internationalem Niveau in einem Chor zu singen, gibt mir die Power für die Basisarbeit», sagt die viel­beschäftigte Künstlerin, die an der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen den Campus Kammerchor leitet.

Als Dirigentin dem Klang dienen

In Zürich hat sie unter anderem bei Markus Utz studiert. «Bei ihm habe ich eine nordische Art des Dirigierens gelernt.» Das bedeute ein pures, funktionales Dirigieren ohne Selbstdarstellung und ohne sich selbst allzu sehr ins Zentrum zu stellen. «Als Dirigentin bin ich Dienerin, ich diene dem Klang, den ich aus einem Ensemble herauslocken will.» Wie motiviert Manuela Eichenlaub ihre Sängerinnen und Sänger? «Ich versuche meine eigene Begeisterung für die Musik auf den Chor zu übertragen. « Wichtig ist ihr die Stimmbildung, nicht nur das blosse Einsingen vor der Probe. «Es ist bedeutsam, dass jedes Chormitglied mit seiner Stimme gesund umgeht.»

Seit zehn Jahren lebt die aus Rheinland-Pfalz stammende Dirigentin in Kreuzlingen und freut sich, dass am pädagogischen Campus Chorsingen einen festen Platz im Ausbildungsprogramm hat. Lieder von Kurt Weill und Hanns Eisler nach Texten von Bertolt Brecht dirigiert sie am Wochenende beim Campus­konzert.

Manuela Eichenlaub war die Wunschkandidatin für die Nachfolge von Roman Walker beim Kammerchor Ostschweiz. Aber die Musikerin hat viele andere Engagements und musste ablehnen. Jetzt geniesst der Chor sie als Gastdirigentin mit einem ­Sommerprogramm, bei dem die Lenz- und Liebeslieder von Hans Huber im Zentrum stehen. Der Romantiker (1852–1921) ist in der Schweiz viel bekannter als in Deutschland. Sein Beiname «Der Schweizer Brahms» sagt viel über seine Musik aus. «Die Stimmungen in seiner Musik sind wunderbar und sehr eigenständig», sagt Manuela Eichenlaub, der vor allem auch der vierhändige Klavier­satz gefällt, mit dem Huber den Chorklang untermalt. «Da singen so richtig die Lerchen im Klavier», schwärmt sie. Dirigieren ist eine junge Leidenschaft in der künstlerischen Biografie der 41-Jährigen. «Eine wunderbare Leidenschaft, die ich anders als Sängerin bis ins hohe Alter ausüben kann und bei der es wirklich auf mich als ganze Persönlichkeit ankommt.»

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