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CHOREOGRAFIE: Gefangen in Formen der Liebe

Die Tanzkompanie des Theaters St. Gallen hatte mit «Es ist was ...» Premiere in der Lokremise. Das Stück mit drei unterschiedlichen Choreografien führt in das Innenleben von Liebenden.
Nina Rudnicki
Liebe ist körperlich, das wird in allen drei Tanzstücken deutlich. (Bild: Theater St. Gallen/Ian Whalen)

Liebe ist körperlich, das wird in allen drei Tanzstücken deutlich. (Bild: Theater St. Gallen/Ian Whalen)

Nina Rudnicki

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Es wirkt wie ein Psychospiel: Sie liegt mit dem Rücken auf dem Boden, atmet erschöpft und tief. Er kauert über ihr, starrt ins Leere Richtung Publikum. Gerade sind sie noch zusammen über die Bühne getanzt. Als Paar haben sie sich kraftvoll bewegt, aber auch steif und gockelig und vielleicht zu perfekt aufeinander abgestimmt. Denn nun ist ihre Energie weg. Sie verschwinden im Dunkeln. Auch im nächsten Auftritt geht es um das Spiel mit Nähe und Distanz und um Harmonie.

Ein Paar tanzt auf der Bühne, dann kommt ein Dritter dazu. Sie schauen sich erst aus der Ferne an, nähern sich langsam, bis sie schliesslich zu dritt durch den Raum wirbeln. Beide Männer scheinen zu ihr zu gehören. Dann endlich löst sich das Knäuel auf, erst tanzt sie mit dem Fremden, am Ende kehrt sie aber zu Altbekanntem zurück.

Es sind Szenen aus dem mittleren Teil des Stücks «Es ist was...» der Tanzkompanie des Theaters St. Gallen. Am Donnerstag war in der Lokremise Premiere. Der Titel ist eine Anlehnung an das berühmte Gedicht «Was es ist» des österreichischen Lyrikers Erich Fried. Es thematisiert die Liebe, die sich gegen Vernunft, Berechnung, Angst, Einsicht, Stolz, Vorsicht und Erfahrung durchsetzt. Auf alle Einwände entgegnet die Liebe stets «Es ist was es ist». Und was sie nun ist, das wird im Tanzstück in drei Teilen mit drei eigenständigen Choreografien und mit Musik von Joseph Haydn, Christof Littmann und Florian Tippe interpretiert.

Sex, Wut und Vulgarität

Die Leiterin der Tanzkompanie, Beate Vollack, hatte die Choreografen Felix Landerer und Helge Letonja zu dieser Zusammenarbeit eingeladen. Alle gemeinsam treten die 14 Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles nur im ersten Teil auf. Nach und nach erscheinen sie auf der Bühne und präsentieren die ganze Liebespalette: Da gibt es etwa die harmonischen Paare, und jene, in denen einer dominiert, aber auch Singles. Einige von ihnen sind glücklich und feenhaft verträumt, andere verzweifelt auf der Suche, wieder andere sind verletzt, wütend oder wurden abgewiesen. Und amüsant ist es, den Selbstverliebten beim Posieren zuzuschauen. Dabei wird deutlich, wie später im Stück noch oft: Liebe ist körperlich, es geht um Sex, und in der Wut wird sie vulgär. Zuckende Leiber, die aufeinander stossen, sich blitzschnell nähern und dann voneinander abprallen. Das Körperliche äussert sich umso heftiger in Situationen, in denen die Liebe eigentlich schon gar keine mehr ist. Paare haften aneinander, die sich eigentlich abstossen würden, sich aber verzweifelt festklammern. Es ist die Angst vor dem Loslassen. Auf der Bühne gipfelt sie in jenem Moment, in dem eine Tänzerin an ihrem Partner hochklettert und sich festkrallt. Ihre Knie berühren beinahe seine Schultern.

Lanzen und Kettenhemden

Eines der Highlights ist der letzte Teil. Hier kommen symbolische Gegenstände ins Spiel wie Holzlatten, die an Lanzen erinnern. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen nun Kettenhemden zu ihrem Schutz. Ein Paar hat eine Holzlatte zwischen sich eingeklemmt, jeder hat ein Ende in seinen Bauch gedrückt. Stiesse einer zu fest, würde er den anderen durchbohren.

Die Tanzenden wirken kraftvoll und stark und im nächsten Moment verletzt und schwach. Eindrücklich ist, wie die Tänzerinnen und Tänzer innert Sekunden zwischen diesen beiden Extremen wechseln. Eindrücklich ist auch, wie sich die Choreografie Stück entwickelt. Von den Formen der Liebe führt es durch die Phasen des Verliebtseins und durch Abgründe und Ausbrüche mit Kontrollverlust, für die man sich als Zuschauer beinahe fremdschämt. Und am Ende zeigt es auf, was Liebe immer mit einem macht: Sie beschützt und verletzt zugleich. Ein wunderschön zeitloser Tanzabend.

Heute Sa, 20 Uhr, morgen So, 17 Uhr, Lokremise St. Gallen, weitere Termine bis 5. Mai

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